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Ich weiß, wann du stirbst Kriminalroman von Lindell, Unni (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2018
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Ich weiß, wann du stirbst

Der Bestseller aus Norwegen. Marian Dahle war eine erfolgreiche Ermittlerin - bis ein Unglück sie aus der Bahn geworfen hat. Nun soll sie einen Cold Case übernehmen. Vor fünfzehn Jahren ist die fünfjährige Thona spurlos verschwunden. Der Mann, der damals in Verdacht stand, ist immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Auf einem Zettel, den Thonas Mutter findet, steht neben anderen sein Name. Es könnte eine Todesliste sein, denn ein Mann von der Liste wird ermordet, ein anderer verschwindet. Marian weiß nicht, ob sie diesem Fall gewachsen ist. Und dann dringt auch noch jemand in ihre Wohnung ein ... Unni Lindell gehört zu den erfolgreichsten Spannungsautorinnen Norwegens. Marian Dahle ist ihre neue Heldin. Die Norwegerin Unni Lindell, geboren am 3. April 1957, hat zahlreiche Jugendbücher geschrieben, bevor sie ihre Krimiserie um den Osloer Kommissar Cato Isaksen begann. Unni Lindell lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Oslo.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 09.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841214904
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Serie: Marian Dahle 1
    Originaltitel: Jeg vet hvor du bor
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Ich weiß, wann du stirbst

8

Der Stuhl war bereit, der Thron, wie er ihn nannte. Bei den Verzierungen hatte er die Kerbschnitz-Technik benutzt; an Armlehnen und Rücklehne hatte er geometrische Muster in die Oberfläche geschnitzt, hatte das Wayne-Barton-Messer mit der überscharfen gekrümmten Klinge genommen.

Das kleine Zimmer im ersten Stock war dunkel, sogar wenn die Deckenlampe brannte, die braune Rosentapete verschlang Licht. Das Fenster war mit Packpapier abgedeckt. Der Beutel auf seinem Bauch dürfte nicht stinken, das tat er jetzt aber, wie er merkte. Kein Wunder, er hätte ihn längst auswechseln müssen. Die Stomabeutel hatten sich im Laufe der Jahre verändert, die ersten damals hatten die Wundfläche entzündet, aber alles war einfacher geworden, sauberer und besser.

Er leerte die Bierdose, presste sie zwischen seinen schmalen Händen zusammen und hielt den Blick auf den Stuhl gerichtet. Alles hatte eine Reihenfolge: der Vater, der Teufel, Gott und alle, die Qual verdienten. Der Stuhl sah aus wie ein altmodischer Bauernsessel, so ein Sessel aus der guten Stube. Der Sitz war mit blassgrünem Leder überzogen. Genau wie das Rückenpolster. Der Metallgegenstand, den er mitten auf dem Sitz angebracht hatte, machte den Stuhl zu einem Foltergerät. Er hatte den scharfen Gegenstand von unten her durch den Sitz gebohrt, so dass man einen Menschen darauf pressen konnte. Es musste dasselbe Gefühl erzeugen, wie mit einem großen Werkzeug vergewaltigt zu werden. Als Kind hatte er mit seinem Vater draußen in der Werkstatt, unten in der Schmiergrube, grauenhafte Spiele spielen müssen. Es war so schmerzhaft und grotesk gewesen, dass er mit fünfzehn Jahren operiert werden musste, ganz kurz vor der Konfirmation. Sein Vater hatte die Operation als persönliche Beleidigung betrachtet. Dem Krankenhaus hatte er erzählt, sein Sohn habe sich beim Spielen im Wald verletzt, an irgendwelchen Ästen. Als er dann wieder nach Hause kam, wurde seine Anwesenheit unerträglich, schien seinen Vater krank zu machen und zum Verstummen zu bringen. Obwohl sein Vater ihm die Schuld für alles gab, was passiert war, sagte er auch, es sei Teufelswerk, da er nicht auf seine Mutter gehört und die Bibel gelesen habe. Der Vater zog sich mehr und mehr in sich selbst zurück. Er war gefangen, der starke Mann war einsam. Und deswegen hatte er seinen Vater vor allem gehasst.

Sie waren noch immer vorhanden, die großen Werkzeugteile, draußen in der Werkstatt. Über der Drehbank hing das Werkzeug in Reih und Glied, Eismesser, Löffelmesser, gebogene Messer. Am Ende der Bank war eine Zwinge befestigt. Im vergangenen Jahr hatte er am Küchentisch gesessen und das Muster zuerst auf Butterbrotpapier gezeichnet, dann hatte er in der Werkstatt mit Holz gearbeitet. Einiges von dem Muster hatte er gefärbt, war mit einem kleinen Pinsel darüber gefahren, so dass die Schnitzereien betont wurden. Er war der Geschickte in der Familie. Er hatte das Material im Baumarkt in Varåa gekauft. Es gab da einen Bauern, der Holz noch immer auf die alte Art behandelte. Er hatte natürlich kein imprägniertes Material gekauft, darin konnte man ja nicht schnitzen. Im Notfall könnte er selbst imprägnieren, eine Mischung aus Salz, Kreosot und Chlorphenol herstellen. Dann würde das Holz so ungefähr in alle Ewigkeit halten.

Anatomie brauchten sie bei der Arbeit nicht, aber bei der Arbeit am Thron hatte er sich in alten Zeitschriften kundig gemacht. Der Enddarm war ein Teil des Verdauungssystems und zwischen zehn und fünfzehn Zentimeter lang. Der gastrokolische Reflex verursachte Zusammenziehungen in Magen und Dünndarm. Er hatte den Metallgegenstand draußen in der Werkstatt geformt, aus einer alten Stoßstange. Und der Ledergürtel war mit einem Metallschloss versehen, das Opfer konnte also nicht entkommen. Er hatte gelesen, wenn ein Schreiner einen Stuhl herstellte, dann, weil jemand eine Sitzgelegenheit brauchte. Wenn ein Holzschnitzer einen Stuhl herstellte, dann, weil er etwas über Ku

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