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Ihr Königreich Der neue Kriminalroman vom Nummer-Eins-Bestsellerautor der Harry-Hole-Serie von Nesbø, Jo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.09.2020
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Ihr Königreich

In den norwegischen Bergen lebt ein Mann ein friedvolles Leben. Doch eines Tages kehrt sein jüngerer Bruder - schon immer der erfolgreichere und charmantere der beiden - in ihren Heimatort zurück, in Begleitung seiner neuen schönen Frau. Schon bald wird klar, dass er nicht so unschuldig ist, wie es scheint.

Jo Nesbø, 1960 geboren, ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker. Er gehört zu den renommiertesten und erfolgreichsten Krimiautoren weltweit. Jo Nesbø lebt in Oslo.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 592
    Erscheinungsdatum: 02.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843723954
    Verlag: Ullstein
    Originaltitel: Kingdom
    Größe: 2858 kBytes
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Ihr Königreich

Prolog

Es war der Tag, an dem Dog starb.

Ich war sechzehn, Carl fünfzehn.

Ein paar Tage zuvor hatte Papa uns das Jagdmesser gezeigt, mit dem ich ihn tötete. Die breite Klinge hatte in der Sonne geglänzt. Tiefe Rillen auf jeder Seite, die das Blut ableiten, wenn man ein Tier zerlegt. Carl war blass geworden, und Papa hatte ihn gefragt, ob ihm wie im Auto noch einmal schlecht werden würde. Ich glaube, in diesem Moment war in Carl der innige Wunsch entstanden, selbst auch ein Tier zu schießen, irgendeins - was, war ihm eigentlich egal -, und es dann zu zerlegen, es mit dem Messer in kleine Stücke zu schneiden. Nur das zählte.

»Und dann braten und essen wir es«, sagte er, als wir vor der Scheune standen, ich mit dem Kopf tief im Motorraum von Papas Cadillac DeVille. »Papa, Mama, du und ich. Okay?«

»Okay«, sagte ich und drehte den Verteiler, um den Zündzeitpunkt einzustellen.

»Und Dog kriegt auch was«, sagte er. »Es wird genug für alle sein.«

»Klar doch«, brummte ich.

Dog hieß Dog, weil Papa in der Eile angeblich kein anderer Name eingefallen war. Das behauptete er jedenfalls immer. Ich glaube aber, dass Papa diesen Namen liebte. Er war so typisch für ihn. Papa sagte nie mehr als absolut nötig und war amerikanischer als jeder Amerikaner. Und er vergötterte dieses Tier. Ich glaube, er war lieber mit diesem Viech als mit irgendeinem Menschen zusammen.

Unser Hof oben in den Bergen war nicht groß, dafür war die Aussicht fantastisch und die Landschaft wild und urtümlich. Papa bezeichnete das Land als sein Königreich. Von meinem Stammplatz aus, vor der offenen Haube des Cadillac, hatte ich Carl von da an Tag für Tag mit Papas Hund, Papas Flinte und Papas Messer herumlaufen sehen. Manchmal so weit entfernt, dass sie nur noch winzige Punkte weit draußen in der kahlen Landschaft waren. Einen Schuss hörte ich jedoch nie. Wenn sie zum Hof zurückkamen, behauptete Carl immer, keinen Vogel entdeckt zu haben, und ich hielt die Klappe, obwohl die auffliegenden Schneehühner immer anzeigten, wo Carl und Dog sich gerade befanden.

Dann kam der Tag, an dem es endlich knallte.

Ich zuckte zusammen und schlug mit dem Hinterkopf gegen die Innenseite der Motorhaube. Wischte mir das Öl von den Fingern und sah zu der heidebewachsenen Bergflanke, während das Dröhnen des Schusses über das Dorf unten am Budalsvannet weiterrollte wie ein Donner. Zehn Minuten später kam Carl auf den Hof gelaufen, verlangsamte seine Schritte aber, als er so nah war, dass Papa und Mama ihn aus dem Wohnhaus sehen konnten. Dog war nicht bei ihm. Auch die Flinte war weg. Ich glaube, ich wusste schon in diesem Moment, was passiert war, und ging ihm entgegen. Als er mich sah, drehte er sich um und lief langsam zurück in die Richtung, aus der er gekommen war. Tränen liefen ihm über die Wangen.

»Ich habe es versucht«, schluchzte er. »Sie sind vor uns aufgeflogen, ganz viele, ich hab auf sie gezielt, aber ich konnte einfach nicht abdrücken. Dabei wollte ich doch so sehr, dass ihr hört, dass ich es wenigstens versucht habe. Also hab ich die Waffe runtergenommen und abgedrückt. Als die Vögel weg waren, lag dann plötzlich Dog da.«

»Tot?«, fragte ich.

»Nein«, sagte Carl und fing an zu schluchzen. »Aber er wird ... sterben. Er blutet aus dem Maul, und beide Augen ... sind weg. Der liegt nur da und winselt.«

»Lauf«, sagte ich.

Wir rannten beide los, und nach ein paar Minuten sah ich eine Bewegung in der Heide. Es war ein Schwanz. Dogs Schwanz. Er witterte uns. Wir blieben vor ihm stehen. Die Hundeaugen sahen aus wie zwei kaputte Eidotter.

»Das schafft er nicht«, sagte ich. Nicht weil ich Ahnung von Tieren hatte, wie die Cowboys in den Western, sondern weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass Dog als blinder Jagdhund dahinvegetieren wollte, sollte er auf wundersame Weise doch noch überleben. »Du musst ihn erschießen.«

»Ich?«, platzte es aus Carl heraus, als

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