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Im Bann des Okkulten von Beckmann, Dieter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2015
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
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Im Bann des Okkulten

An Silvester 1865 feiern 13 Gäste mit einer Séance der Ausklang des Jahres. Prompt liegt am nächsten Tag eine Leiche im Schlosspark. Spaßeshalber wird ein "Bund der Okkultisten" gegründet, der aus 13 Mitgliedern besteht. Doch es gibt weitere Tote, und Tatortzeichner Bentheim muss all seine Raffinesse aufwenden, um das Verbrechen aufzuklären. 1874 wird das vom Kulturkampf zerrissene Münster zum Schauplatz bestialischer Morde mit religiösem Hintergrund, die Leute sprechen vom "Werwolf von Münster". Geheimpolizist Maler soll Beweise für die Beteiligung des verhassten Bischofs an den Gräueltaten sammeln. Während sich die preußische Regierung einen erbitterten Kampf mit der Kirche liefert, gerät Maler selbst ins Visier des Serienmörders. In "Kuhnacht" geht Berufsschullehrer Bönle infolge des scheinbaren Selbstmords eines Jugendlichen den Spuren einer okkulten Gruppe nach, die bizarre Rituale vollzieht. Als ein eigentlich toter Schüler erneut getötet werden soll, forscht Bönle nach den Hintergründen der mysteriösen Geschehnisse.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 850
    Erscheinungsdatum: 01.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783734993848
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 1454kBytes
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Im Bann des Okkulten

Erstes Kapitel

Am Silvesterabend 1865 trafen sich die Gäste zur Geisterbeschwörung, und niemand unter ihnen ahnte, dass sie am Ende der Nacht tatsächlich Kontakt mit einer Leiche haben würden. Als Schauplatz der Feierlichkeiten diente das Landschloss Buckow, dessen zeitweiliger Mieter, Baron Valentin von Falkenhayn, zu einem reichhaltigen Dinner mit anschließender spiritistischer Sitzung geladen hatte. Die Zufahrt des zweistöckigen Herrenhauses mit Wendeplatz für Droschken und Reisewagen war leicht erhöht und führte zum Eingangsportal. Über einer schmalen zweiflügligen Tür war eine halbkreisförmige Fensterrose angebracht, wodurch die Halle tagsüber an Licht gewann.

Es ging auf 19 Uhr zu, als ein von zwei Pferden gezogener Landauer von der Hauptstraße auf das Grundstück des Schlosses einbog. Der junge Herr, dessen Gesicht im Seitenfenster sichtbar wurde, betrachtete die vom Mond beschienene Gegend. Über den Gartenanlagen lag Schnee, eine weiße Pracht, die im Glanz des Nachtgestirns flimmerte und den Passagier in der Kutsche in eine Märchenwelt versetzte. Wie mit Puder bestäubte Tannenwipfel huschten am Wagen vorbei, die Pferde wirbelten mit ihren Hufen das frische Pulver auf. Die Parkanlage mit ihren streng geometrisch angelegten Blumenbeeten mutete barock an. Der Landauer nahm eine Kurve, um auf die ersten Wirtschaftsgebäude zuzuhalten, die dem Schloss vorgelagert waren, und der Insasse wandte den Blick ab, da ihn sein Gefährte angesprochen und aus den Gedanken gerissen hatte.

"Es war nett von Gideon, uns an seiner statt aufs Land zu schicken", meinte der Reisende in unverfänglichem Plauderton. "Er hat es nicht leicht als Polizeikommissar: immer im Dienst, stets zur Stelle, wenn andere dem Vergnügen nachjagen. Ach, was sage ich, Julius! Andere? Wir! Wir amüsieren uns, wir sind es, die die Korken knallen lassen."

Ein sanftes Lächeln kräuselte Julius Bentheims Lippen, als er seinen Freund so reden hörte. Am späten Nachmittag waren sie in Berlin aufgebrochen, die beiden Studienkollegen, die in der Nähe der Friedrich-Wilhelms-Universität gemeinsam unter dem Dach einer verwitweten Offiziersgattin wohnten. Albrecht Krosick hieß der ältere von ihnen, und er hatte seinen Kommilitonen dazu überredet, den Ausflug aufs Land zu wagen. Der Vorschlag, Silvester in der Märkischen Schweiz zu feiern, war von Gideon Horlitz gekommen, einem Kommissar der preußischen Gendarmerie, mit dem die beiden Studenten der Rechte befreundet waren.

"Eigentlich sind meine Gattin und ich eingeladen", hatte Horlitz erklärt, als Albrecht ihm im ehemaligen Palais des Oberfeldmarschalls von Grumbkow am Molkenmarkt über den Weg gelaufen war, "aber ich bin zum Dienst eingeteilt, und meine Clara möchte nicht allein reisen."

"Und der Herr des Hauses ist darüber informiert, dass Sie Ersatz schicken?"

"Ich kann ihm ein Billett senden, wenn Sie dies möchten. Er wird nichts dagegen haben, Albrecht. Sie sind von mir empfohlen."

"Das ehrt mich. Aber werden wir nicht fehl am Platze sein?"

"Wir?"

"Pardon. Es versteht sich von selbst, dass ich Julius mitnehme. Der arme Kerl soll endlich auf andere Gedanken kommen. Es ist nicht auszuhalten mit ihm, seit seine Freundin verschwunden ist. All diese Verdrießlichkeit, Herr Kommissar. Es ist ein Jammer."

Gütig klopfte ihm Horlitz auf die Schulter.

"Ja, nehmen Sie ihn mit, eine vorzügliche Idee ..."

Vom Küstriner Bahnhof aus waren die Studenten nach Osten gefahren, indem sie die Strecke nahmen, die künftig Königsberg mit der Hauptstadt verbinden sollte. Kurz vor Strausberg, wo das Schienennetz zu Ende war, stiegen sie aus und winkten einen Landauer heran. Nun holperten die Kutschenräder über den knirschenden Schnee, und im Licht einer tranigen Laternenfunzel beobachtete Albrecht Krosick seinen Begleiter.

Julius Bentheim würde bald seinen 20. Geburtstag feiern. Seine braunen Haare hatte er m

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