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Im Eishaus Roman von Walters, Minette (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.04.2016
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Im Eishaus

Handelt es sich bei der Leiche im Eishaus des englischen Landsitzes Streech Grange um die sterblichen Überreste des Hausherrn David Maybury? Seit zehn Jahren fehlt von ihm jede Spur, und für die Dorfbewohner gibt es nur eine Erklärung: Phoebe Maybury hat ihren Mann umgebracht. Auch Inspector Walsh ist davon überzeugt, Phoebe endlich den Mord von damals nachweisen zu können. Doch schon bald stellt sich heraus, dass der Fund der Leiche nicht genügt, um das dunkle Geheimnis von Streech Grange zu lüften ...

Minette Walters arbeitete lange als Redakteurin in London, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit ihrem Debüt 'Im Eishaus', das 1994 auf Deutsch veröffentlicht wurde, zählt sie zu den Lieblingsautoren von Millionen Leserinnen und Lesern in aller Welt. Alle ihre bisher erschienenen Romane wurden mit wichtigen Preisen ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Minette Walters lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Dorset, England.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 05.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641185664
    Verlag: Goldmann
    Größe: 2435kBytes
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Im Eishaus

1

"Schaut doch mal, Fred Phillips rennt!" Anne Cattrells Bemerkung platzte in die Stille des Augustnachmittags wie der Furz in die Teegesellschaft der Pastorsgattin.

Erstaunt sahen ihre beiden Freundinnen auf, Diana von ihrem Skizzenblock, Phoebe von ihrem Gartenbuch, und kniffen beim plötzlichen Blickwechsel vom Papier ins blendende Sonnenlicht die tränenden Augen zusammen. Seit etwa einer Stunde hatten sie zufrieden auf der Terrasse ihres Hauses rund um einen schmiedeeisernen Tisch gesessen, auf dem neben den Überresten des geruhsam genossenen Tees Dinge lagen, die zu ihrem täglichen Handwerkszeug gehörten: eine Gartenschere, ein aufgeklappter Malkasten, Manuskriptseiten, eine davon dort, wo Anne gedankenlos die Tasse abgestellt hatte, mit einem kreisrunden Teefleck.

Im flammenden Glanz ihres lockigen roten Haars saß Phoebe, die Füße adrett unter sich gekreuzt, auf einem geradlehnigen Stuhl. Sie hatte ihre Haltung kaum verändert, seit sie eine halbe Stunde zuvor ihren Tee ausgetrunken und sich mit schlechtem Gewissen in ihr Buch vergraben hatte, anstatt ins Gewächshaus zurückzukehren, um einen Großauftrag über fünfhundert Geranienstecklinge zum Versand fertigzumachen. Diana lag eingeölt in einem Liegestuhl. Ihr weiter Faltenrock fiel über die Seiten der Liege auf die Steinplatten hinunter. Mit einer feingliedrigen Hand kraulte sie den Bauch des Labradors, der sich neben ihr ausgestreckt hatte, mit der anderen kritzelte sie Kringel auf den Rand ihres Skizzenblatts, das eigentlich mit Entwürfen für die Innenausstattung eines Landhauses in Fowey hätte gefüllt werden sollen. Anne, die zwischen kurzen Nickerchen krampfhaft versucht hatte, sich eintausend Wörter über 'Der vaginale Orgasmus - Tatsache oder Erfindung' für eine obskure Zeitschrift abzuringen, saß, das Kinn in die Hände gestützt, am Tisch und genoss mit dunklen Augen den Ausblick auf den kunstvoll gestalteten Garten.

Phoebe sah sie kurz an und drehte dann den Kopf, um mit den Augen über die Ränder ihrer Brille hinweg ihrem Blick zu folgen. "Du meine Güte!" rief sie.

Ihr Gärtner, ein Mann von massigen Proportionen, rannte, nackt bis zur Taille, schwerfällig über das Gras, und sein Bauch schwabbelte dabei über den Hosenbund wie eine gewaltige Flutwelle. Der nackte Oberkörper war schon erstaunlich genug, denn Fred hatte sehr strenge Ansichten über seine Stellung in Streech Grange. Dazu gehörte unter anderem, dass Phoebe warnend zu pfeifen hatte, wenn sie in den Garten kam, damit er seine Blößen bedecken konnte, mochte es auch noch so heiß sein.

"Vielleicht hat er im Lotto gewonnen", meinte Diana, allerdings ohne Überzeugung, während die drei Frauen seinen rasch langsamer werdenden Sprint beobachteten.

"Höchst unwahrscheinlich", widersprach Anne und schob ihren Stuhl vom Tisch weg. "Die Trägheit von Freds Massen braucht schon einen kräftigeren Anstoß als schnöden Mammon, um in derart wilde Bewegung zu geraten."

Schweigend beobachteten sie ihn auf dem letzten Stück seines Wegs. Als er die Terrasse erreichte, kroch er nur noch. Einen Moment hielt er inne, stützte sich mit einer Hand schwer auf die niedrige Terrassenmauer und verschnaufte. Sein verwittertes braunes Gesicht hatte einen grauen Schimmer, sein Atem rasselte. Besorgt bedeutete Phoebe Diana, ihm einen freien Stuhl entgegenzuschieben, und stand selbst auf, um Fred beim Arm zu nehmen und auf den Stuhl zu helfen.

"Was ist denn passiert?" fragte sie ein wenig erschrocken.

"Oh, es ist schrecklich, Madam." Er war kaum fähig zu sprechen. Der Schweiß rann in Strömen über seine schwammigen braungebrannten Brüste, die so weich und rund wie die einer Frau waren, und der Geruch, der von ihm ausging, überlagerte beißend den süßen Duft der Rosen, die in Beeten am Rand der Terrasse standen. In tiefer Verlegenheit über seine Ausdünstung und seine Nacktheit rang er die Hände. "Entschuldigen Sie vielmals, Madam.

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