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Im Schatten der Lüge Thriller von Marwood, Alex (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.07.2012
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Im Schatten der Lüge

Ein Thriller, der alle Vorstellungen von Schuld und Verbrechen infrage stellt
Zwei Frauen treffen sich zufällig nach 25 Jahren wieder. Damals verbrachten sie als Elfjährige einen verhängnisvollen Sommertag miteinander, der sie zu Mörderinnen machte. Sie haben zwar neue Identitäten angenommen, aber ihr schlimmster Albtraum ist, dass ihre Vergangenheit sie einholt. Wie ein einziger Fehler ein Leben zerstören kann, das schildert Alex Marwood in ihrem abgründigen und psychologisch ausgefeilten Roman 'Im Schatten der Lüge'. Sie beschreibt das Labyrinth einer düsteren Vergangenheit, aus dem es kein Entrinnen gibt. Und sie erzählt, ohne ihre Heldinnen zu verurteilen - subtil, modern und packend.
Anke Göbel, Lektorat

Alex Marwood ist das Pseudonym einer bekannten britischen Journalistin. Für ihre Romane IM SCHATTEN DER LÜGE und DER KILLER VON NEBENAN wurde sie unter anderem mit dem Edgar Award und dem Macavity Award ausgezeichnet. Alex Marwood lebt in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 09.07.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641074432
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: The Wicked Girls
    Größe: 668 kBytes
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Im Schatten der Lüge

KAPITEL 2

Amber Gordon entrümpelt den Schrank für Fundsachen einmal in der Woche. Diese Arbeit macht sie am liebsten von allen. Sie liebt Ordnung, das Verknüpfen loser Enden, auch wenn die losen Enden hier sich niemals zusammenfügen werden, wenn binnen neun Monaten niemand zurückkommt und nach ihnen fragt. Sie genießt die Neugier, das ungestörte Gefühl, im Leben anderer Leute herumzuschnüffeln, wenn sie die Sachen bestaunt - Gebisse, Diamantohrringe, Terminkalender -, deren Besitzer den Verlust entweder nicht bemerkt haben oder meinen, sie seien es nicht wert, ihretwegen noch zurückzukehren. Für die Putzleute von Funnland ist der Sonntagabend fast wie Weihnachten.

Heute Abend ist die Ausbeute gut. Zwischen den vergessenen Regenschirmen, den Plastiktüten mit Erinnerungsmünzen, den Ein-Geschenk-aus-Whitmouth -Schlüsselanhängern liegen immer wieder echte Schätze. Ein kitschiges vergoldetes Armband mit Anhängern - Herzen, kleine Amor-Figürchen und klimpernde Halbedelsteinsplitter. Ein MP 3-Player, ein Billigteil zwar, keines von diesen Schnickschnackdingern mit Touchscreen, aber funktionsfähig und bereits mit Musik drauf. Eine Riesentüte Haribo. Und eine Telefonkarte für Auslandsgespräche, noch originalverpackt und unbenutzt. Amber lächelt, als sie sie entdeckt. Sie weiß, wem ein langes Telefonat nach Hause guttäte. Danke, vergnügungssüchtiger Fremder, wer immer du bist, denkt sie. Du weißt es vielleicht nicht, aber du wirst heute Abend jemanden in St. Lucia sehr glücklich machen.

Sie schaut auf ihre Armbanduhr und sieht, dass sie schon fast zu spät zur Teepause kommt. Schließt den Schrank wieder ab, verstaut die Geschenke in ihrer Umhängetasche und hastet durch die in Flutlicht getauchte Halle Richtung Café.

Moses raucht wieder. Er macht sich irgendwie einen Sport daraus. Er weiß, dass sie es weiß - seit nirgendwo geraucht werden darf, fällt in Innenräumen selbst ein einziger Tabakhauch auf wie Lippenstift auf einem Kragen. Er provoziert sie dennoch gern, beugt die Regeln und wartet ab, was passiert. Sie sind in dieser Angelegenheit zu einem unausgesprochenen Waffenstillstand gekommen. Amber spürt, dass es Schlachten gibt, die zu schlagen sich lohnen, und Schlachten, die verlorene Liebesmüh sind, und diese hier gehört in die zweite Kategorie.

Außerdem ist er ein guter Arbeiter. Bis die Belegschaft des Cafés am Morgen eintrifft, wird der Boden glänzen, hygienisch sauber sein und nach künstlicher Zitrone duften.

Als sie die Tür öffnet, sieht sie, wie er zusammenzuckt und seine Kippe in die offene Coladose vor sich wirft. Sie unterdrückt ein Lächeln, als er eine Miene verletzter Unschuld aufsetzt und gleichzeitig so tut, als hätte er sie nicht bemerkt. Wie jedes Mal sieht Amber ihm demonstrativ in die Augen und schenkt ihm ein wissendes Lächeln. Wie oft man sich im Leben doch zum Komplizen eines anderen machen muss - als Chefin sogar noch häufiger als zuvor.

Amber entgeht sehr wenig von dem, was in Funnland passiert. Der Raum ist voller Menschen, deren kleine Marotten sie entschlossen ignoriert. Etwa Jackie Jacobs, die alles stehen und liegen lässt, sobald ihr Handy klingelt, die aber durch ihre unaufhörlichen Anzüglichkeiten für eine gute Stimmung im Team sorgt. Die Tatsache, dass Blessed Ongom im Café jeden Abend die Erste und die Letzte ist, davor und danach aber doppelt so viel arbeitet wie ihre Kollegen. Und natürlich Moses, der einen Pferdemagen hat und dem man die Beseitigung von Hinterlassenschaften der Besucher übertragen kann, die zartbesaiteteren Kollegen die Tränen in die Augen treiben.

Der Raum ist voll. Ihre gemeinschaftliche Teepause ist ein Ritual, das keiner dieser Nachtarbeiter verpasst hätte, nicht um alles in der Welt; nicht mal die Neuen, auch die nicht, deren Englisch so dürftig ist, dass sie sich mit Lächeln und Zeichensprache verständigen müssen. Eine Nacht damit zuzubrin

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