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Im Staub sollst du kriechen von Adler, Kristin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.10.2014
  • Verlag: LYX
eBook (ePUB)
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Im Staub sollst du kriechen

Der Frankfurter Museumsdirektor Nicholas Roth fällt einem grausamen Mord zum Opfer. Die Polizei tappt im Dunkeln - bis die Kunstexpertin Clara Mohr einen entscheidenden Hinweis gibt. Offenbar hat der Mörder sich bei der Tat vom Gemälde eines alten italienischen Meisters inspirieren lassen. Clara muss so schnell wie möglich die Botschaft des Gemäldes entschlüsseln, um weitere Morde zu verhindern.
Kristin Adler ist das Pseudonym von Julia Kröhn, geb. 1975 in Linz. Kröhn hat Theologie, Geschichte und Philosophie studiert. Nach einer journalistischen Ausbildung arbeitete sie jahrelang im Bereich Fernsehen, Internet und Öffentlichkeitsarbeit für die Deutsche Bischofskonferenz. Sie hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, darunter Mittelalterromane, exotische Familiensagas sowie Kinder- und Jugendbücher. 2010 wurde sie mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 02.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783802596438
    Verlag: LYX
    Serie: Clara Mohr Bd.1
    Größe: 1168kBytes
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Im Staub sollst du kriechen

2

Clara schreckte aus dem Schlaf hoch, die roten Ziffern des Radioweckers zeigten 5 Uhr 23.

Als sie instinktiv mit der Zungenspitze über ihre obere Zahnreihe fuhr, stieß sie auf Widerstand. Ihr fiel wieder ein – so wie es ihr seit drei Wochen jeden Morgen einfiel –, dass ihr der Zahnarzt eine Beißschiene verordnet hatte. Sie knirsche im Schlaf so heftig mit den Zähnen, das gehe an den Zahnschmelz, hatte er gesagt und sich erkundigt, ob sie Stress habe.

Ihr Zahnarzt war einige Jahre jünger als sie, zumindest sah er jünger aus. Während er sie untersuchte, hatte er ständig mit seiner Assistentin geflirtet. Auch jetzt musterte er Clara nur flüchtig. Klar, sie war mindestens zehn Jahre älter als die Assistentin und weder so stark geschminkt noch derart routiniert darin, einem Mann aufreizende Blicke zuzuwerfen.

"Ich bin alleinerziehend", hatte sie geantwortet. "Und voll berufstätig."

Er nickte verständnisvoll, machte einen Abdruck für die Schiene und schrieb etwas für den Zahntechniker auf. Sein Kugelschreiber hatte die Form eines Pinguins. Ein Jux-Geschenk. Oder ein Hinweis darauf, dass auch er Kinder hatte.

"Passen Sie auf sich auf!", sagte er.

Clara öffnete die Tür des Behandlungszimmers, blieb aber auf der Schwelle stehen. "Wissen Sie", sagte sie, "so schlimm ist es eigentlich gar nicht. Meine Tochter lebt bei ihrem Vater, und ich habe den langweiligsten Job der Welt."

Der Kugelschreiber fiel ihm fast aus der Hand. Irritiert sah er hoch.

"Passen Sie auf sich auf", sagte sie, lächelte und ging.

Die Zahnschiene also. Als sie sie zum ersten Mal anprobiert hatte, hatte sie sich an das künstliche Vampirgebiss erinnert, das sie vor vielen Jahren mal auf einer Halloweenparty getragen hatte.

Clara drehte sich auf die andere Seite. Erst als sie die Augen schloss, hörte sie es wieder: das Vibrieren ihres Smartphones. Ruckartig fuhr sie hoch. 5:24.

Sie sprang aus dem Bett, stieß mit dem Fuß gegen das Nachtkästchen und rieb sich verwirrt die große Zehe. Das Vibrieren klang zunehmend ungeduldig. Wer immer sie an einem Donnerstagmorgen zu dieser nachtschlafenden Zeit anrief, ließ sich nicht von der Mailbox abspeisen.

Katharina, dachte sie, und der Schreck ließ sie den Schmerz im Zeh vergessen. Vielleicht war etwas mit Katharina passiert.

Doch als sie das Handy ans Ohr presste, meldete sich nicht ihr Exmann Philip, sondern eine undeutliche Frauenstimme.

"Frau Mohr?", ertönte es inmitten eines Rauschens. "Frau Mohr?"

"Ja, ich bin dran. Wer ist da?"

"Oooh." Der langgezogene Ton der Frau hörte sich klagend an.

"Wer ist da?", fragte Clara noch einmal. Sie merkte, dass sie nuschelte, weil sie noch die Beißschiene trug, und riss sie sich schnell von den Zähnen.

"Müssen ins Museum kommen, sofort. Müssen kommen ... oh."

Jetzt erkannte sie die Stimme, sie gehörte Frau Ziel i ' nska, der Putzfrau. Neben Pfarrer Berger, dem Kurator, und Marlene Ried, die die Eintrittskarten verkaufte, war sie die einzige Person, die außer Clara einen Schlüssel zum Museum besaß. Bis jetzt war Clara sich nicht darüber klar gewesen, dass Frau Ziel i ' nska so früh am Morgen ihre Arbeit verrichtete, die Fußböden wischte, die Glasvitrinen abstaubte und das Büro aufräumte, oft so gründlich, dass Clara manche Unterlagen mühsam in der Ablage suchen musste. Aber das störte nicht weiter, sie hatte ohnehin nicht so viel zu tun.

"Was ist passiert?",

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