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Im Sumpf der Camargue Kriminalroman. Ein Fall für Michel de Palma von Bonnot, Xavier-Marie (eBook)

  • Verlag: Unionsverlag
eBook (ePUB)
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Im Sumpf der Camargue

Der Marseiller Polizeikommandant Michel de Palma müsste sich eigentlich von seinen Verletzungen erholen, die er sich im letzten Fall zugezogen hat. Ingrid Steinert, Ehefrau des milliardenschweren deutschen Industriellen William Steinert, braucht aber seine Hilfe: Ihr Mann ist seit einigen Tagen verschwunden. Obwohl am Anfang nicht besonders interessiert, weckt der Fall doch de Palmas Neugier, als die Leiche von Steinert in den schlammigen Sümpfen der Camargue gefunden wird. Die Polizei meint, die Lösung schnell zu kennen: ertrunken, ein Unfall. Dann überschlagen sich die Geschehnisse, als immer mehr Leichen auftauchen, alle auf bestialische Weise verstümmelt. Ist die Tarasque, das Ungeheuer aus den Sümpfen, mehr als ein Mythos? Xavier-Marie Bonnot, geboren 1962 in Marseille, promovierte in Geschichte und studierte Soziologie und französische Literatur. Seine berufliche Karriere begann er als Filmregisseur von Dokumentarsendungen und Reportagen. 2002 feierte er mit der Veröffentlichung seines ersten Kriminalromans La première empreinte sein literarisches Debüt. Seither erschienen weitere Fälle mit dem Marseiller Polizeikommandanten Michel de Palma. Sie wurden mehrfach ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783293309395
    Verlag: Unionsverlag
    Serie: Metro .2
    Originaltitel: La bête du marais
    Größe: 2415 kBytes
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Im Sumpf der Camargue

2

I n der städtischen Oper von Marsiho, wie jeder Provenzale seine Stadt nannte, klingelte es zur Vorstellung, und das zarte Rrring, Rrring verbreitete sich über die Treppenaufgänge von den obersten Rängen bis in den marmornen Ehrensaal. Es verstummte just in dem Moment, als Michel de Palma in das Reyer-Foyer stürzte. Félix Merlino, der Methusalem der Garderoben, strich die letzten Strähnen lockiger Haare glatt, die seinen glänzenden Schädel schmückten.

"Oh, Michel, wir warten nur noch auf dich!" Merlino verzog das Gesicht zu einem Grinsen, das sein mächtiges Kinn anhob und die weißen Lippen herunterfallen ließ.

"Salut, Féli, hats schon angefangen?"

"Allerdings! Es geht los! Die letzte Vorstellung für diese Spielzeit. Los, Herr Baron, Beeilung ..."

Der Baron. So lautete der Spitzname von Kommissar Michel de Palma. Die Idee stammte von Jean-Louis Maistre, dem mehr als Bruder von der Mordkommission, dem Unzertrennlichen vom Quai des Orfèvres, der an einem alkoholreichen Abend in Blödellaune angefangen hatte, ihn so zu nennen; er fand, das passe gut zu dem Adelsprädikat seines Namens, seiner hochaufgeschossenen Gestalt und seinen Umgangsformen eines traurigen Lehnsherrn.

Der Baron stieß die gepolsterten Flügeltüren zum Rang auf, hielt kurz inne und ließ den Blick über das Publikum schweifen, wie er es immer tat, seit sein Vater ihn als kleiner Junge zum ersten Mal ins große Theater geführt hatte. Der in Samt gehüllte Zuschauerraum war brechend voll, von den ersten Reihen im Parkett bis zur Galerie. In der Luft lag der Geruch von säuerlichem Atem, Moschusparfum und Schminke. Vom Orchestergraben stieg eine unmögliche Kakofonie herauf: Triller, Tonleitern, Melodiebögen, die sich ineinander verfingen wie wahnsinnig gewordene Achtelnoten. De Palma entdeckte Anne Moracchini, Inspektorin bei der Mordkommission; sie nickte ihm unauffällig zu: Er hatte sich um mindestens eine Stunde verspätet. In über zehn Jahren, die sie nun gemeinsam bei der Kripo ackerten, hatte er sie zum ersten Mal in die Oper eingeladen, und zwar in allerletzter Minute: Es war die letzte Vorstellung von La Bohème in dieser Spielzeit.

Schließlich setzte er sich in völliger Dunkelheit neben Anne Moracchini. Die ersten Minuten verstrichen. Anne schien vollständig in die Musik versunken, die das Theater erfüllte. Plötzlich verstummte der Alte auf der Galerie, der seit Jahren regelmäßig zu Beginn jeder Vorstellung hustete. Der Saal war wie elektrisiert, und es herrschte absolute Stille.

Rodolphe trat an die Rampe.

Che gelida manina

Se la lasci riscaldar

Cercar che giova? Al buio non si trova.

Anstatt Mimi anzusehen, wandte Rodolphe kein Auge vom Dirigenten und streckte sich jedes Mal, wenn er sich über die Mittellage erhob und sein Zwerchfell malträtierte, auf die Zehenspitzen.

Chi son? Sono un poeta.

Che cosa faccio? Scrivo ...

Alles in allem stellte Rodolphe sich für die Ansprüche eines Spielzeitende-Publikums nicht allzu schlecht an. Doch de Palma war enttäuscht und nutzte den Applaus, um sich aus dem Zuschauerraum zu stehlen. Im Reyer-Foyer ging Félix Merlino auf und ab, langsam und vorsichtig, um das Parkett nicht knarzen zu lassen.

De Palma schaltete sein Handy ein: Er hatte zwei Nachrichten, beide von heute, Samstag, dem 5. Juli. Die erste war um 19 Uhr 58 aufgezeichnet worden, unmittelbar bevor er die Oper betreten hatte, die zweite um 20 Uhr 37, sicherlich zu dem Zeitpunkt, als Rodolphe sich in seiner Bruchbude auf Montmartre gerade die Seele aus dem Leib sang.

"Guten Tag, Monsieur de Palma. Hier ist Rechtsanwalt Chandeler. Die Person, die mir Ihre Handynummer gegeben hat, möchte lieber ungenannt bleiben, aber ich erlaube mir, Sie anzurufen. Wir

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