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In der Stille des Winters Roman von Appignanesi, Lisa (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.02.2019
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)

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In der Stille des Winters

Raffnierter Psychothriller und poetische Liebesgeschichte. Als die Schauspielerin Madeleine Blais erhängt in der Scheune ihres Anwesens aufgefunden wird, deutet alles auf Selbstmord hin. Madeleine war in einer Krise, ihre Karriere offenbar am Ende. Einzig ihre Großmutter ist überzeugt, dass es Mord war. Sie bittet Pierre Rousseau, einen engen Freund der Familie, nach einem mysteriösen Anhalter zu suchen, den Madeleine in der Nacht ihres Todes mit auf ihr Zimmer genommen hat. Pierre weiß, dass er sich auf ein gefährliches Spiel einlässt: Er hat Madeleine einst geliebt - aber seine Liebe hat ihn zu einem einsamen, verlorenen Menschen gemacht. Der Versuch das Rätsel ihres Todes zu lösen bedeutet für ihn, die Schatten zu vertreiben, die über seiner eigenen Vergangenheit liegen. ',In der Stille des Winters' ist literarisch, psychologisch dicht und aller Spannung zum Trotz eine wunderschöne Liebesgeschichte.' Hamburger Abendblatt.

 Lisa Appignanesi wurde in Polen geboren, wuchs aber in Frankreich und Kanada auf. Sie war stellvertretende Direktorin am Londoner Institute of Contemporary Arts, bevor sie freie Autorin wurde. Neben Romanen und Kriminalromanen hat sie u.a. Bücher über Marcel Proust, Simone de Beauvoir und die Frauen Sigmund Freuds geschrieben.

Im Aufbau Taschenbuch sind ihre Romane 'In der Stille des Winter' und Die andere Frau lieferbar sowie als e-Book Kalt ist die See .

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 412
    Erscheinungsdatum: 08.02.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841217530
    Verlag: Aufbau Verlag
    Originaltitel: The Dead of Winter
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In der Stille des Winters

Teil 1
1

In jener Nacht riefen die Glocken der Kirche St.Anna mit überschwenglichem Jubel zur Mitternachtsmesse.

In meinem Halbschlaf verwandelten sich die Klänge in riesige Vögel, die durch die Dunkelheit des Dezembers schwebten. Aus den Fensterbögen des Glockenturms geworfen, glitten sie auf den Luftströmen über die Dächer der Stadt, streiften die Bäume im Tal und landeten hier in dem Haus auf dem Berg, um mich mit ihren Schwingen zu bedecken. Ich ließ mich von ihnen einhüllen. Ich wollte schlafen. Ich war so gespannt auf den Morgen.

Als neben meinem Bett misstönend ein schrilleres Läuten einsetzte, glaubte ich, es seien wieder die Glocken. Es dauerte eine Weile, bis ich die Hand nach dem Telefon ausstreckte, doch auf mein 'Allo' antwortete nur noch Schweigen, gefolgt von einem Klicken und einem Signal.

Madeleine. Sie musste es gewesen sein. Wer sonst würde es wagen, so spät noch anzurufen? Ich war nahe daran, die Nummer ihrer Großmutter zu wählen, um zurückzurufen, aber eine Mischung aus Taktgefühl und Ängstlichkeit hielt mich davon ab. Ich konnte mich irren. Und Madeleine würde es nicht schaden, wenn sie merkte, dass es Zeiten gab, zu denen ich nicht erreichbar war.

Die roten Ziffern des Radioweckers zeigten 1.18 an. Ich schüttelte den Ärger ab, der mit unterbrochenem Schlaf verbunden ist. Schließlich musste ich nicht vor der Morgendämmerung aufstehen. Es warteten keine Termine auf mich - keine greise Mme. Groulx, die verlangte, ihr immer wieder umgeschriebenes Testament erneut zu ändern; keine im gegenseitigen Hass erstarrten Scheidungswilligen, die um die Vermögensklauseln in den überholten Versprechungen eines Ehevertrags feilschten.

Am ersten Weihnachtstag und in der darauffolgenden Woche ist die Kanzlei von Pierre Rousseau, Notaire, geschlossen, nimmt der Anrufbeantworter keine Gespräche auf. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass diese Woche sein muss. Man muss den Ausbrüchen von Gereiztheit, die Weihnachten im Familienkreis auslöst, Zeit lassen, sich zu setzen, bevor man zu neuen Taten schreitet. Und ich habe meine Klienten gern. Viele kenne ich seit Jahren. Mitunter halte ich sie lieber fern von jenen teuren verbindlichen Klauseln und eigensinnigen Regeln, die den offiziellen Teil meiner Arbeit ausmachen. Denn gegenüber den Erschütterungen individueller Empfindungen ist das Gesetz blind.

Als ich die Kanzlei übernahm, hatte ich keine Ahnung, dass ich einmal so denken würde. Widerstrebend hatte ich mich vom Bürgermeister bei dem Trauerempfang, den er zu Ehren meines Vaters gab, überrumpeln lassen. Die fette Hand auf dem dicken Bauch bedachte M. Desforges mich mit seinem eitlen Lächeln, blickte mit den kleinen schlauen Augen zu mir auf und sagte: »Genug vom Reisen jetzt, wie? Zeit, nach Hause zu kommen. Wann fangen Sie an?«

Er hatte es nicht nur für sich entschieden, sondern war auch bereits davon überzeugt, dass ich gewissermaßen in die auf Hochglanz polierten Schuhe meines Vaters schlüpfen würde: Es würde eine dritte Generation von Rousseaus geben, die als Notare in Ste-Anne wirkten. Vielleicht glaubte Desforges, ich würde seine Angelegenheiten, seine Immobiliengeschäfte und die Verträge, die er für Ste-Anne abschloss, genauso reibungslos und verschwiegen regeln, wie mein Vater es getan hatte.

Es vergingen Wochen, aber schließlich entschied ich mich. Desforges hatte mit der Erwähnung des Skandals um den Mirabel Airport meinen Gerechtigkeitssinn wach gekitzelt. Die Bundesregierung hatte das Land mehrerer Familien enteignet, als der gigantische Flughafen geplant wurde, und nun, dreizehn Jahre später, als nur 5000 der 97000 Acres besten Ackerlands verwendet worden waren, wurde es ernst mit den Rückgabeansprüchen.

Um die Wahrheit zu sagen, war ich auch auf einem Tiefpunkt meines Lebens angelangt, ein Stück Treibgut, auf den Strand meines heimatlichen Québec zurückgeworfen. Ich hatte kein Verlangen, mit dem Journali

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