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In freiem Fall Ein Fall für Avvocato Guerrieri 2 - Roman von Carofiglio, Gianrico (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.09.2015
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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In freiem Fall

Der zweite Guido-Guerrieri-Roman aus der Feder des ehemaligen Mafiajägers Niemand in Bari will Martina Fumai dabei helfen, ihren gewalttätigen Exfreund vor Gericht zu bringen, denn er ist der Sohn eines mächtigen Richters. Auch Guido Guerrieri weiß, dass dies das Ende seiner Karriere bedeuten könnte. Und doch kann er der Versuchung des scheinbar aussichtslosen Falls nicht widerstehen - ebenso wenig wie der Faszination von Schwester Claudia, der Leiterin des Frauenhauses, in dem Martina wohnt. Die Jeans und Lederjacke tragende Nonne hilft Guerrieri bei seinen Ermittlungen - und birgt auch selbst ein schreckliches Geheimnis ... Gianrico Carofiglio wurde 1961 in Bari geboren und arbeitete in seiner Heimatstadt viele Jahre als Antimafia-Staatsanwalt. 2007 war er als Berater des italienischen Parlaments für den Bereich organisierte Kriminalität tätig. Von 2008 bis 2013 war Gianrico Carofiglio Mitglied des italienischen Senats. Berühmt gemacht haben ihn vor allem seine Romane um den Anwalt Guido Guerrieri. Carofiglios Bücher feierten sensationelle Erfolge, wurden bisher in 27 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen literarischen Preisen geehrt, u.a. mit dem Radio Bremen Krimipreis 2008. Er lebt mit seiner Familie in Bari.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 30.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641185299
    Verlag: Goldmann
    Serie: Guido Guerrieri Bd.2
    Originaltitel: Ad occhi chiusi
    Größe: 1976 kBytes
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In freiem Fall

5

M aria Teresa nahm wie üblich nach dem dritten Klingelzeichen ab. Kurz darauf hörte ich das Summen der internen Leitung.

"Was gibt's?"

"Da ist Inspektor Tancredi vom mobilen Einsatzkommando."

"Stell ihn durch."

Tancredi war fast so etwas wie ein Freund. Ohne dass wir je privat miteinander verkehrt hätten, hatte ich das Gefühl - und er, glaube ich, auch -, dass uns etwas verband. Er war der Typ von Polizist, mit dem man gerne zu tun hätte, wenn man Opfer eines Verbrechens geworden ist. Und den man meiden würde wie die Pest, wenn man ein Verbrechen begangen hat. Vor allem eine bestimmte Art von Verbrechen. Tancredi befasste sich mit Triebtätern, Vergewaltigern, Kinderschändern und Ähnlichem. Und bisher war keiner von diesen Halunken froh gewesen, dass er sich mit ihm befasst hatte.

"Carmelo. Wie geht es dir?"

"Ciao, Guido. So weit ganz gut. Und dir?" Er hatte eine tiefe Stimme und einen leichten sizilianischen Akzent. Wer ihn nur vom Telefon kannte, hätte sich einen Koloss vorgestellt, riesig, dick und mit Bauch. Dabei war Tancredi höchstens einen Meter siebzig groß, dünn, hatte ziemlich lange Haare, die immer ungekämmt waren, und einen schwarzen Schnurrbart.

Wir brachten die Höflichkeitsfloskeln rasch hinter uns, und dann sagte er mir, dass er mich treffen müsse. Es hätte mit der Arbeit zu tun, meinte er noch. Mit meiner oder mit seiner? In gewisser Weise mit meiner und mit seiner. Er wollte mit einer Person in meine Kanzlei kommen. Wer diese Person war, sagte er nicht, und ich fragte es ihn auch nicht. Ich sagte ihm, wir könnten uns nach acht treffen, da sei außer mir niemand mehr im Büro. Und da ihm das passte, verblieben wir so.

Sie kamen gegen halb neun. Ich war alleine im Büro und ging selbst die Tür öffnen.

Tancredi war in Begleitung einer jungen Frau, um die dreißig oder knapp darüber. Sie war mindestens einen Meter fünfundsiebzig groß, hatte einen Pferdeschwanz und trug verwaschene Jeans und eine abgewetzte, schwarze Lederjacke.

Eine Kollegin von Tancredi, dachte ich, obwohl ich sie noch nie gesehen hatte. Sie hatte den typisch männlichen Stil der Polizistinnen, die gegen Handtaschendiebe und Drogendealer eingesetzt werden. Wahrscheinlich war sie in irgendeine dumme Sache hineingeraten und brauchte jetzt einen Anwalt. Ihrem Aussehen nach - sie hatte das Gesicht einer Frau, mit der man nicht aneinandergeraten möchte - hätte ich mir sogar vorstellen können, dass sie einen Verdächtigen oder Verhafteten zusammengeschlagen hatte. So was kommt bei Carabinieri und Polizei schon mal vor.

Ich führte sie in mein Büro und dort stellte Tancredi uns vor.

"Rechtsanwalt Guido Guerrieri ..." Ich streckte die Hand aus und wartete darauf, dass er sagte: Und das ist Polizeibeamtin Hinz oder Ispettore Kunz (sagen Sie in Italien niemals Ispettrice zu einem weiblichen Polizeiinspektor - sie würde einen Tobsuchtsanfall bekommen). Er sagte aber etwas anderes.

"... Schwester Claudia."

Ich sah Tancredi an und dann wieder die junge Frau. Er hatte die Andeutung eines Lächelns auf den Lippen, als weide er sich an meiner Verblüffung; sie lächelte nicht. Sie drückte mir wortlos die Hand und sah mich dabei mit seltsam konzentriertem Gesichtsausdruck an. Erst in diesem Moment fiel mir das winzige Holzkreuz auf, das sie an einem dünnen Lederband um den Hals trug.

"Schwester Claudia ist die Leiterin von Safe Shelter . Schon mal gehört?"

Nein, noch nie gehört. Also erklärte er mir, worum es sich handelte. Schwester Claudia stand schweigend daneben und sah mich unverwandt an. Sie verströmte einen zarten Duft, den ich nicht zu benennen vermochte.

Safe Shelter war ein Frauenhaus, seine Lage war geheim - und blieb es auch nach unserem Gespräch. In ihm fanden verkaufte Mädchen Schutz, di

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