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In guten wie in bösen Tagen Roman von Mason, Jamie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.06.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe
eBook (ePUB)
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In guten wie in bösen Tagen

Als Tochter einer Geheimagentin erlebte Dee eine unkonventionelle Kindheit im ständigen Alarmzustand. Eine Kindheit voller Geheimnisse, Gefahr und unausgesprochener Dinge. Jetzt, als Erwachsene, liebt Dee nichts mehr als ihr ruhiges Leben mit ihrem Mann Patrick. Doch der verhält sich plötzlich immer sonderbarer - und Dees altes Warnsystem setzt wieder ein. Sie ahnt, dass Patrick etwas vor ihr verheimlicht. Und dass er ein neues Leben will - ein Leben ohne sie, um jeden Preis ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 319
    Erscheinungsdatum: 10.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732522972
    Verlag: Bastei Lübbe
    Originaltitel: Monday's Lie
    Größe: 1247 kBytes
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In guten wie in bösen Tagen

Verrückt, welche Details einem in Erinnerung bleiben, wenn etwas Schreckliches geschieht.

Die Scherben waren viel schöner, als der Kristalllüster vor einer Stunde noch gewesen war. Der klarste Nachthimmel war nichts gegen das Funkeln und Glitzern auf der schwarzen Tasche am Fuß der Treppe. Der Schatten des geschäftig hin und her laufenden Mannes ließ die Lichter immer wieder aufblitzen.

Sollte ich je zum Geist werden, dann wird man mich genau so sehen - ein bleiches, klitschnasses Mädchen in Pyjamahose und tropfendem Sweatshirt, das sich bibbernd in der Diele herumdrückt. Ein Teil von mir ist nie von dort fortgegangen. Wenn ich mir die Mühe mache, meine Erinnerung bis zu diesem Abend zurückzuspulen, sehe ich alles vor mir, aber nichts erinnere ich so klar wie diese Scherben.

Er war mir nie offiziell vorgestellt worden, dieser Special Agent, der kam, um meine Mutter zu holen. Genau genommen war das, was sich da vor meinen Augen abspielte, eine freundliche Übernahme unseres Zuhauses. Er half meiner Mutter, aber wobei und wieso, das wusste ich nicht. Ich war ein Kind und fest entschlossen, das zu bleiben. Ich hätte problemlos älter sein können als meine dreizehn Jahre, aber ich wollte nicht. Noch nicht. Das hätte es ihr zu leicht gemacht, mich zu verlassen.

Als ich ihn zum ersten Mal sah, an diesem Abend, war er nur ein Schatten, der nervös durch unser Haus lief und leise und eindringlich auf meine Mutter einredete. Dann schickte sie mich und meinen acht Jahre alten Bruder Simon mit einem völlig sinnlosen Auftrag hinaus in Dunkelheit und Regen. Ich war clever genug zu begreifen, dass sie uns zu unserer eigenen Sicherheit rausgeschickt hatte, und Simon wusste es bestimmt auch.

Selbst jetzt, im grellen Licht aller Lampen, über die das Haus verfügt, blieb der Mann ein hin und her eilender undeutlicher Fleck, nun allerdings in Farbe. Er sammelte die wenigen Dinge ein, die meine Mutter zusammenpackte, und sprach immer noch, aber diesmal lauter und ins Telefon, irgendwas von voraussichtlicher Ankunftszeit und Protokollen und Treffpunkten.

Ich atmete. Was normalerweise automatisch geschieht, war mir zur Methode geworden, um die Luftzufuhr zu regulieren - nicht zu viel, nicht zu wenig. Sobald die Dosis nicht stimmte, begann sich alles um mich herum zu drehen. Ich hörte die beiden irgendwelche Dinge tun, während ich nutzlos und wie festgewachsen dastand und die Glasscherben anstarrte, die im Licht zwischen seinem wandernden Schatten funkelten. Der Mann eilte hin und her, vorbei an einem tellergroßen Loch in der bis eben noch makellosen Wand unserer Diele.

Er stand nie lange genug still, als dass ich sein Gesicht hätte studieren können, und da die funkelnden gläsernen Trümmer auf der Reisetasche zu dem Wenigen gehörten, das sich nicht fortbewegte und die Anspannung immer höherschraubte, konzentrierte ich mich darauf. Sonst hätte ich vielleicht zugeschaut, wie meine Mutter Simons Arme von ihrer Taille löste, ihn mit tränenerstickter Stimme zu trösten versuchte und immer wieder sagte, dass alles gut sei und sie bald zurück sein würde.

Mit jedem Herzschlag fuhr ein Zittern durch meinen Körper. Ich ballte die Hände und schob sie unter die verschränkten Arme, wollte mein Beben für mich behalten. So stand ich, ein wenig abseits, um niemandem im Weg zu sein, und tastete mich an der Kante meines leeren Verstandes entlang, suchte nach einem Halt, nach irgendeinem Gedankengang, einer guten Idee, die ich wie einen Keil in diese Wand in meinem Verstand schlagen und mich durch den Riss zwängen konnte, um bei ihnen zu sein. Wirklich bei ihnen, ohne einen Kloß im Hals, aber dafür mit einem Argument - irgendeinem -, das nicht übertrumpft werden konnte.

Schluchzen rollte über meinen Gaumen und drückte auf meine Zunge. Wenn ich die beiden ansah, würde ich losheulen. Meine kleine Familie - ein gutes, stabiles Dreibein, wenn wir zusammenstanden. Doch jetzt waren wir au

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