text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ins Gras beißen die andern Roman von Mason, Jamie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.05.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ins Gras beißen die andern

Einen Mann umzubringen, war nicht gerade Jason Gettys glorreichste Idee. Und ihn im eigenen Garten zu vergraben, hat die Sache nicht besser gemacht. Von Albträumen geplagt versucht Jason ein normales Leben zu führen - bis ein Jahr später die Leiche auf seinem Grundstück gefunden wird. Oder besser gesagt: eine Leiche. Denn was dort zum Vorschein kommt, ist nicht Jasons Opfer. Der ahnt nun, dass sein dunkles Geheimnis nicht das einzige ist, das auf dem Grund seines Gartens begraben liegt...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 16.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838753065
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Three Graves Full
    Größe: 759 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ins Gras beißen die andern

1

Es gibt keinen Frieden für einen, der eine Leiche im Garten vergraben hat. Jason Getty war es inzwischen gewohnt, dass ihm nachts die Angst den Hals zuschnürte, dass plötzlich seine Hände kribbelten und ihm jedes Mal der Schreck in die Glieder fuhr, wenn er Mrs. Truesdells Hund mit einem unidentifizierbaren Ding im Maul über den Rasen trotten sah. Es war siebzehn Monate her, seit er an der hinteren Grundstücksgrenze im Schweiße seines Angesichts das Loch ausgehoben und die Leiche aus der wirklichen Welt in seine Träume gerollt hatte.

Was ihn verfolgte, war seltsamerweise nicht die Erinnerung an das gedämpfte Knacken der Knochen oder das stundenlange Putzen hinterher, bei dem er sich gewundert hatte, dass sein Herz derartig lange derartig heftig pochen konnte. Nein. Was er vor sich sah, sobald er im Bett die Augen schloss, war, wie die erste Schaufel dunkler Erde das weiße Laken am Grund des Grabes besprenkelte. War es tief genug? Er wusste es nicht - er war kein Totengräber. Andererseits war er eigentlich auch kein Mörder, aber Tatsachen sind Tatsachen.

Keine Katastrophe bleibt ewig frisch; es wurde noch keine Sorge erfunden, die der Geist nicht in ein bloßes Hintergrundgeräusch verwandeln kann. Während der ersten Tage und Wochen dachte Jason an nichts anderes. Jede Nacht, in manchen zwei Mal (und sechs Mal in der, als es zum ersten Mal stark regnete), schlich er durch die Dunkelheit zu den Kiefern und Pappeln an der Grundstücksgrenze, um zu prüfen, ob sein Geheimnis unentdeckt geblieben war. Seinem Empfinden nach hätte das Rechteck umgegrabenen Erdreichs ebenso gut von Neonröhren eingerahmt sein können. Es war ein auffälliges Beweisstück für den barbarischen Instinkt, der in jedem gezähmten Menschenhirn schlummert. Die Evolution hat uns von den Bäumen geholt und die Kultur das Tier in uns kastriert, doch selbst ein Eunuch kann wütend werden.

Zur Rechten stand sein kleines Rancherhaus, ein gemütliches Plätzchen, dem es an modernen Annehmlichkeiten nicht fehlte. Zur Linken fiel der Grund ab zu einem breiten Streifen Brachland, auf dem Strommasten paarweise in die ferne Zivilisation marschierten. Doch dieses Stück Boden dazwischen geisterte ihm immer wieder durch den Kopf; es flüsterte und skandierte im Takt mit seinem klopfenden Herzen, um ihn wieder und wieder an den einen Moment zu erinnern, als er Jahrtausende menschlicher Erziehung vergessen hatte und zur Marionette eines brüllenden Urzorns geworden war.

Jason schlief nicht. Er aß nicht. Er archivierte seine Berichte und verwaltete seine Kundenliste mechanisch und korrekt, ohne jedoch länger als für ein paar Sekunden zu vergessen, dass unter einer dicken Schicht Humusboden und Fichtennadeln, dreißig Schritt entfernt von seiner Terrassentür, eine Leiche vor sich hin moderte.

Eines Tages riss Dave aus der Buchhaltung einen Witz, und Jason lachte. Schallend und unbekümmert. Es klang so natürlich wie ein Blitzeinschlag. Seine Haut kribbelte, als ihn ein warnender Schreck durchfuhr. Du hast jemanden umgebracht, du Idiot. Hast ihn im Garten verbuddelt. Vergiss das nicht! Doch da waren schon fünf Minuten vergangen. Und während die Tage kamen und gingen, stellte er fest, dass die beschwörenden Worte zu einer Plage, zum zermürbenden Unbehagen, zu einem Teil seiner selbst wurden.

Die Heizung blies ihm seinen sauren Atem ins Gesicht, als er mit überhöhter Geschwindigkeit nach Hause fuhr. Er hatte sich zum ersten Mal eine Auszeit gestattet. "Ja, klar", antwortete er spontan auf die unerwartete Einladung, zum Wochenausklang nach der Arbeit ein Bier trinken zu gehen. Die gute Laune verblasste, als man händeschüttelnd auseinanderging, und an ihre Stelle trat ein s

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen