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Jagdgeflüster Kriminalroman von Altermatt, Sabina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.09.2015
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Jagdgeflüster

Rea arbeitet noch nicht lange als Försterin in den Bündner Bergen, als sie im Wald die ausgeweidete Leiche des Gemeindepräsidenten findet. Dieser hat im Vorjahr eine weiße Gämse geschossen, und der Sage nach stirbt, wer eine solche tötet, binnen eines Jahres. Am nächsten Tag wird Reas Forstwart Mario verhaftet; die tödliche Kugel stammt aus seinem Gewehr. Rea glaubt als Einzige an Marios Unschuld, doch dann flieht er und steht plötzlich vor ihrer Tür ...

Sabina Altermatt, geboren 1966, ist in den Schweizer Alpen geboren und aufgewachsen. Sie studierte Staatswissenschaften an der Hochschule St. Gallen. Heute unterrichtet sie Strafgefangene und lebt sie als freie Schriftstellerin in Zürich und im Glarnerland. Sie schreibt Kolumnen, Kurzgeschichten, Hörspiele, Kinder- und Jugendbücher sowie Romane. Für ihr literarisches Schaffen erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 14.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492969185
    Verlag: Piper
    Größe: 1280kBytes
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Jagdgeflüster

Andri Bott saß in seiner Kanzlei und blickte zum Fenster hinaus auf die verstreuten Wohntürme, die das Rheinquartier in einem undurchschaubaren Muster bevölkerten. Dahinter lag der Calanda, wo sich kürzlich ein Wolfsrudel niedergelassen hatte. Kaum war man den Bären losgeworden, waren auch schon Wölfe zur Stelle. Bott wischte mit der flachen Hand unsichtbaren Staub von der Tischplatte. Er dachte ans Val Chava und dass dort heute die Jagd losging. Wenn er ehrlich war, dann verspürte er so etwas wie Heimweh. Oder war es Sehnsucht?

Normalerweise verpasste er den ersten Jagdtag nie. Am ersten Tag der Jagd herrschte immer eine ganz besondere Stimmung - eine Mischung aus Anspannung, Vorfreude und Hoffnung auf eine gute Jagd -, und die ließ er sich für gewöhnlich nicht entgehen. Doch er hatte am Abend noch eine wichtige Sitzung, die er nicht verschieben konnte. Die Gründung einer AG sollte vollzogen werden.

Karin war mit den beiden Kindern bereits am Wochenende losgefahren. Tomi und Mia mussten erst nächste Woche wieder zur Schule, weil es im Gymnasium einen Wasserschaden gegeben hatte. Er plante, gleich morgen früh hinzureisen.

Sein Handy klingelte.

"Andri, wo bist du?!", fragte Corina Kunfermann, die Gemeindeschreiberin von Zuort. Wie üblich begann sie ein Telefonat ohne einen Gruß.

"Hallo, Corina, ich wünsche dir auch einen guten Tag. Ich bin in meinem Büro, wieso?"

"Du musst unbedingt nach Zuort kommen. Florineth ist tot."

"Tot? Aber w...?"

"Er wurde ermordet."

"Das ist ja ... Weiß man schon, wer's war?"

"Die Polizei hat offenbar noch keinen Verdächtigen."

"Und was ist mit unserem Projekt? Wir müssen uns unbedingt treffen. Die ganze Gruppe."

"Genau deshalb rufe ich dich an."

"Ich komme morgen Vormittag."

"Gut." Corina hängte einfach auf.

Bott schaute wieder aus dem Fenster. Um einen der Wohntürme kreisten Vögel. Florineths Tod kam im dümmsten Augenblick.

Er kratzte sich am Bart, fuhr mit Daumen und Zeigefinger über die Oberlippe.

Oder doch nicht? Andri Bott lächelte. Eigentlich war das gar nicht so schlecht.

Es war acht Uhr, als Rea auf den Parkplatz vor dem Werkhof fuhr. Sie hätte es beinahe nicht geschafft. Luisa wollte partout nicht aufstehen, und als Rea sie aus dem Bett spedieren wollte, war sie glühend heiß. So konnte sie nicht in den Kindergarten gehen. Zum Glück hatte Leta heute nichts vor, und sie hatte sich bereit erklärt, Luisa bei Rea zu Hause zu hüten. Wer morgen auf Luisa aufpassen würde, wusste Rea noch nicht. Ihr Chef wäre sicher nicht begeistert, wenn sie einen Tag freinahm. Ganz zu schweigen davon, was er jetzt zu ihrer Verspätung sagen würde.

Sie blickte zu den Büros hoch. Alles war dunkel.

Im Treppenhaus traf sie Armin, den Lehrling. Er kam ihr mit einem Plastikbecher, in dem eine dunkelbraune Flüssigkeit schwappte, entgegen.

"Ist keiner da", sagte er kurz angebunden wie immer.

"Und wo sind alle?"

Er zuckte mit den Schultern.

"Nun sag schon."

Er grinste. "Auf dem Polizeiposten in Prasüra."

"Wie bitte?"

Er nahm einen Schluck von der Brühe und schwieg.

"Und was machen die da?"

"Mussten alle ihre Gewehre zeigen."

"Wieso das denn?"

"Der Gemeindepräsident." Er hob die Hand mit ausgestrecktem Zeige- und Mittelfinger und zielte auf Rea.

Dann mussten alle Männer, die ein Jagdpatent gelöst hatten, auf dem Polizeiposten sein. Der Junge nippte wieder an seinem Becher. Er war erst siebzehn und deshalb wohl einer der wenigen Männer hier im Tal, die die Jagdprüfung noch nicht gemacht hatten. Die meisten bekamen das Jagdpatenbüchlein noch vor dem Führerschein. Es gehörte in den Bergen zur männlichen Identität. Doch die Frauen waren am Aufholen. Es gab immer mehr Jägerinnen. Ab und zu traf Rea eine im Wald.

Sie wählte Marios Nummer auf dem Handy.

Er

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