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Januskinder Kriminalroman von Richmann, Marcus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.02.2015
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
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Januskinder

Der Tod der neun Monate alten Jacqueline führt Maxim Charkow, den Chefermittler der Mordkommission Zürich, an seine Grenzen. Das entführte Mädchen wurde auf einer Baustelle abgelegt und verdurstete. Während Charkow im Umfeld der Familie nach einem Motiv sucht, findet man in der Altstadt ein zweites Kleinkind zwischen Müllsäcken. Die Identität dieses Kindes ist unbekannt. Als ein weiteres Kind entführt wird, stößt Charkow auf eine neue Spur, die ihn in die Abgründe der menschlichen Psyche führt ...

Marcus Richmann verfügt über georgisch-russische Wurzeln, in denen die Ursprünge zu seinem äußerst authentischen Ermittler Maxim Charkow zu finden sind. Seine Figuren sind brillant psychologisch gezeichnet, und für seine Geschichten lässt er sich von dunkeln Kapiteln der Schweizer Geschichte inspirieren. Der erste Fall für Maxim Charkow wurde bereits verfilmt. Marcus Richmann arbeitet als Autor von Romanen und Drehbüchern in Zürich.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 373
    Erscheinungsdatum: 04.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839246405
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Serie: Gmeiner Spannung Bd.3
    Größe: 3045kBytes
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Januskinder

1. Kapitel

Maxim Charkow hob das bis zum Rand mit Wodka gefüllte Glas. Vladimir hatte es, wie für Russen üblich, bis kurz vor dem Überlaufen eingeschenkt.

"Ich weiß zwar nicht, warum du bei uns sein willst", stellte Charkow nachdenklich fest, "aber wir freuen uns, dass du da bist."

Nun hoben auch Francine Boviard, die Rechtsmedizinerin, Charkows Assistentin Priska Künzler und Vladimir, der Besitzer des russischen Lokals, die Gläser, um Cla Corai zuzuprosten.

"Na sdorowje!"

Cla leerte sein Glas in einem Zug. Seine sonnengegerbte Haut und seine schwarzen Locken ließen keine Zweifel, dass er aus dem Engadin stammte.

"Was sagt Alicia dazu, dass du sie mit ihrer Tochter einfach im Stich lässt?", wollte Priska wissen.

Cla zuckte mit den Schultern. "Alicia ist nicht in mich, sondern in ihr Hotel verliebt."

"Aber du hast sie doch geliebt. Sogar Flurina hattest du in dein Herz geschlossen, obwohl sie nicht deine Tochter ist."

"Im letzten Jahr hat sich viel zwischen uns verändert", sagte er nachdenklich und schien die trüben Gedanken auch gleich wieder wegzuwischen. "Und wenn ich jetzt nicht aus dem engen Tal und aus diesem kleinen Bergdorf gehe, verlasse ich es nie mehr."

"Was ist so schlecht daran?", entgegnete Francine. "Hier in der Stadt herrscht Hektik und Anonymität. Die Menschen rennen ihr ganzes Leben irgendwelchen Dingen hinterher und suchen nur ihren kleinen, eigenen Vorteil."

Cla lachte. "Meinst du, bei uns in den Bergen wäre das anders?"

"Es ist ähnlich und doch anders", stellte Charkow fest.

"Maxim und ich sind dort oben aufgewachsen." Cla nickte zur Bestätigung. "Wir kennen die Wahrheit."

"Das sind doch nur Ausflüchte." Priska blickte Cla herausfordernd an. "Bei euch dort oben ist die Welt noch in Ordnung."

Charkow hörte zu, wie Priska und Francine Cla vom Gegenteil zu überzeugen versuchten. Er blickte in Clas offenes Gesicht und fragte sich, was der wahre Beweggrund für ihn gewesen war, Alicia für die Stelle als Ermittler in seinem Team zu verlassen. Cla war ein guter Polizist. Er war zielstrebig, ausdauernd und hatte ein gewisses Gespür für die Menschen. Als Cla ihn anrief und ihn bat, Nachfolger von Martin Peterson werden zu dürfen, zögerte er. Sicher, er konnte sich keinen besseren Mann in seinem Team wünschen. Auch weil er sah, dass Priska und Cla sich gut verstehen würden. Aber die Erinnerungen an seine Jugendliebe Alicia waren mit Clas Anruf plötzlich wieder da. Vor Charkows innerem Auge tauchten Bilder aus seiner Kindheit auf. Die ersten Jahre nach ihrer Flucht aus Russland hatten ihn geprägt. Er war elf Jahre alt gewesen, als sein Vater vom unüberschaubaren, chaotischen Moskau in das 200-Seelendorf Soglio kam. Sein Vater hatte einen Kontakt, der ihm half, Fuß zu fassen. Soglio lag hoch über dem engen Bergellertal, auf einem Felsvorsprung, gleich an der Grenze zu Italien. Die Berge, die zu beiden Seiten des Dorfs steil aufragten, schienen es ständig zu bedrohen. Dies spiegelte sich in den eng aneinander geschmiegten Steinhäusern und den Seelen der Menschen wider. Man sprach einen eigenen Dialekt, auch Italienisch, doch meistens schwieg man. Arbeitete hart in den Kastanienhainen oder dem Marmorsteinbruch unten im Tal. Jeder kannte jeden. Neid und Fürsorge lagen nah beieinander. Alicias Eltern führten den Palazzo Salis, damals das einzige Hotel im Dorf. Die Freundschaft mit ihr half ihm, sich in dieser neuen Welt zurechtzufinden. Später wurde aus der Freundschaft Liebe. Ein Jahr nach seiner Ankunft starben Anna, seine ältere Schwester, und sein Vater bei einer Bergtour. Das glaubten zumindest alle. Bis er vor zwei Jahren durch die Ermittlungen in Zusammenhang mit der Ermordung seines Freundes Gian, der ebenfalls aus Soglio stammte, herausfand, dass die kriminelle Vergangenheit seines Vaters hinter dem Unglück steckte. Cla half ihm damals, seine eigene Familiengeschichte aufzudecken. Und Alicia

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