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Küste der Lügen von Schlennstedt, Jobst (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.03.2015
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Küste der Lügen

Auf einem abgelegenen Parkplatz steigt ein Paar mit einem kleinen Jungen aus dem Wagen und verschwindet im angrenzenden Wald. Wenig später kommen die beiden zurück - ohne das Kind. Tim Baltus ist der einzige Zeuge dieses Vorfalls. Ausgerechnet er, der noch immer an den Folgen des Todes seines Sohns leidet, den er in betrunkenem Zustand überfahren hat. Er beschließt, nach dem Jungen zu suchen - und begeht damit einen folgenschweren Fehler ...

Jobst Schlennstedt, 1976 in Herford geboren und dort aufgewachsen, studierte Geografie an der Universität Bayreuth. Seit Anfang 2004 lebt er in Lübeck. 2006 erschien sein erster Kriminalroman. Hauptberuflich ist er als Projektleiter in einem Lübecker Beratungsunternehmen tätig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 12.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863587949
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 3166 kBytes
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Küste der Lügen

DREI JAHRE ZUVOR

Benjamin trägt sein Lieblings-T-Shirt. Das mit Bob dem Baumeister und dem großen Bagger. Eigentlich ist er mit seinen zwei Jahren noch etwas zu jung dafür, aber Benjamin ist eben etwas ganz Besonderes.

Die Sonne kommt hinter einer Wolke hervor und blendet die zwei schwarz gekleideten Männer, die neben Benjamin stehen. Sie warten darauf, ihn mitnehmen zu können und in ihrem großen Wagen mit den dunkel getönten Scheiben zu verstauen. Vorher müssen sie Benjamin noch transportfertig machen. Die weiße Kunststofffolie, in die sie ihn legen werden, erinnert Tim an Lkw-Plane.

Ein fremder Mann redet seit Minuten mit beschwichtigender Stimme auf ihn ein. Je länger er versucht, zu ihm durchzudringen, desto wütender wird Tim. Er stößt den Mann weg und geht zu seinem Sohn. Langsam kniet er vor ihm nieder und fängt seinen Blick auf.

Seine braunen Augen sind matter als üblich, aber noch immer ausdrucksstark. Auf seiner Jeans erkennt Tim einen großen braunen Fleck. Wahrscheinlich von dem Schokoladeneis, das er vorhin gegessen hat.

Plötzlich wird er weggezogen. Der Anblick sei nicht gut für ihn, heißt es. Aber was wissen all diese Menschen schon?

Jemand fragt ihn nach seiner Frau, doch er hat keine Ahnung, wo Birte steckt. Seitdem es passiert ist, meidet sie ihn.

Die flackernden Blaulichter der Fahrzeuge um ihn herum machen ihn nervös. Vor dem Haus herrscht ein heilloses Durcheinander. Die Haustür steht offen, und Männer in weißen Anzügen sitzen in seinem Wagen, der im Carport geparkt ist.

Nun sieht er auch Birte. Sie wird von ihren Eltern gestützt. Eine Beamtin macht sich Notizen, während sie mit ihr spricht.

Jetzt ist es so weit. Tim will sich losreißen, doch noch immer halten ihn unsichtbare Hände fest. Die Männer in Schwarz heben Benjamins Körper vorsichtig an und betten ihn in den zu groß geratenen Schlafsack. Mit steinerner Miene zieht einer der beiden den Reißverschluss zu, gerade so weit, dass Tim noch die Augen seines Sohnes sehen kann. Sie tauschen einen letzten Blick, dann zieht der Mann den Reißverschluss noch ein Stück weiter zu.

Benjamin ist jetzt komplett in dem weißen Kunststoffsack verschwunden. Wie in einem Kokon gefangen, eingeschweißt für die Ewigkeit. Das Stimmengewirr um ihn herum hört sich mit einem Mal dumpf an, als wäre sein Kopf in Watte gehüllt. Er versucht zu schreien, als sie Benjamin in das eigens dafür gebaute Fahrzeug tragen. Doch mehr als ein kehliger Laut kommt nicht dabei heraus.

Birte schüttelt den gesenkten Kopf und geht raschen Schrittes an ihm vorbei. Er will ihr etwas sagen. Ihr klarmachen, was geschehen ist, auch wenn er es selbst nicht genau weiß. Doch wieder versagt seine Stimme.

Plötzlich beginnt die Erde zu vibrieren. Verzweifelt kämpft Tim um sein Gleichgewicht. Sofort sind die unsichtbaren Hände wieder da und halten ihn fest. Jemand sagt, man wolle ihn mitnehmen. Dies hier sei nicht der richtige Ort für ihn. Nicht in seiner Verfassung. Aber er kann Benjamin doch nicht allein lassen.

Er reißt sich los, rennt zu dem Wagen und versucht, einen letzten Blick auf seinen Sohn zu werfen. Doch alles, was er sieht, ist seine eigene Trauer. Sein verzweifeltes Gesicht, die Tränen in seinen Augen. Gespiegelt in den dunklen Scheiben des Leichenwagens.

Der Wagen, in dem Tim sitzt und darauf wartet, dass die Welt endlich aufhört, sich weiterzudrehen, ist einfach ausgestattet und riecht nach Desinfektionsmitteln. Die beiden kräftigen Beamten haben ihn ein wenig beruhigen können. An die Spritze, die ihm der Arzt gegeben hat, kann er sich kaum noch erinnern.

Jetzt soll er pusten. Reine Routine, sagen sie. Ihm ist ohnehin alles egal. Keine Tränen, kein Gefühl der Trauer. Sein Kopf ist einfach nur leer. Er spürt, dass sein Verstand nach und nach aus seinem Körper entschwindet. Es fühlt sich an wie damals bei Bens Geburt. Genauso unerklärbar und unbegreiflich. Wie von einer fre

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