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Küstenmorde Nordsee-Krimi von Ohlandt, Nina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.02.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)

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Küstenmorde

Abgründig, raffiniert und norddeutsch - die neue Serie von der Krimiküste Herbst auf der Nordseeinsel Amrum. In einer stürmischen Nacht stirbt ein alter Mann, kopfüber aufgehängt am Quermarkenfeuer, dem kleinen Inselleuchtturm. Auch seine Frau wird brutal ermordet aufgefunden. Die Ermittlungen übernimmt Hauptkommissar John Benthien von der Flensburger Kripo. Benthien hat in seiner Dienstzeit schon viele grausame Fälle bearbeitet, doch dieser übertrifft alle. Wer steckt hinter dem Doppelmord? War es ein Racheakt? Der Kommissar und sein Team tappen im Dunkeln - bis sie auf zwei Ereignisse stoßen, die weit in der Vergangenheit liegen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 511
    Erscheinungsdatum: 14.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838746111
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1794 kBytes
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Küstenmorde

Kapitel 1

Der Mann am Quermarkenfeuer war verzweifelt, am Ende seiner Kräfte; sein nackter Körper ein einziger Schrei. Obwohl er wusste, dass niemand ihn in diesem Sturm, in dieser Leere hören würde – ringsum nur Dünen, eine endlose Strandwüste und davor die tobende See –, konnte er nicht anders als beten, schreien, fluchen, heulen, auch wenn es bedeutete, dass ihm die Luft noch schneller ausgehen würde als geplant. Denn in der Plastiktüte, in der sein Kopf steckte, gab es nur wenige Löcher, und sie ließen kaum Sauerstoff durch.

Er blinzelte, er wimmerte. Er verschluckte sich an seiner Spucke, schnappte nach Luft, spürte sein Herz in der Kehle flattern wie ein sterbender Vogel. Ab und zu sah er durch die milchige Transparenz der Plastiktüte den Mond hinter aufgetürmten Wolken hervorblitzen. Dann lag die Nacht wieder auf ihm wie eine alles erstickende Decke.

Hoffnung? Rettung? Er glaubte längst nicht mehr daran. Hier in dieser gottverlassenen Gegend, auf dieser Insel, in diesem Gewirr von Dünen, inmitten des Sturms und der rasenden See war er so allein, wie ein Mensch es nur sein konnte, kilometerweit entfernt vom nächsten Ort. Auf dem Hinweg durch die unruhige Nacht, im Wald, an der Vogelkoje und auf dem Bohlenweg über die Dünen war ihnen keine Menschenseele begegnet. Wer hatte hier schon etwas verloren, im Sturm, um Mitternacht?

Und dann diese Schmerzen! Überall lauerten sie, an den Fußgelenken, in die das Nylonseil schnitt, im Genick; sie klopften an die Stirn, zerrten an der Kopfhaut, schienen die Augäpfel aus ihren Höhlen zu stoßen. Auch die Möwen waren zugange und fielen über ihn her. Sie hatten sich, zeternd und kreischend, über ihm versammelt, mit hartem Flügelschlag. Oder besser gesagt, sie hatten sich zu seinen Füßen versammelt, denn er hing ja kopfüber an der verdammten Plattform des Quermarkenfeuers wie ein sauber verschnürtes Suppenhuhn, ein Spielball des Windes. Wenn er nicht erstickte in dieser Plastiktüte, wenn sein Kopf nicht in absehbarer Zeit durch den Blutandrang platzte, wenn er nicht an den Schmerzen krepierte, die seinen aufgehängten Körper quälten, wenn er nicht erfror in dieser Nacht ... dann starb er wahrscheinlich an den Knochen- und Schädelbrüchen, die der Sturm verursachte, indem er ihn immer wieder gegen den eisernen Korpus des kleinen Leuchtturms schleuderte. Verhindern konnte er es nicht, denn die Hände waren ihm auf den Rücken gebunden. Er musste all seine Muskelkraft aufbringen, um die Arme nicht hängen zu lassen, die Schmerzen wären sonst unerträglich. Egal was er tat, er war am Ende. Aus dieser teuflischen Falle würde selbst sein wendiger Verstand keinen Ausweg mehr finden.

Sein Hals wurde eng, er schnappte nach Sauerstoff. Sein Herz hämmerte in der Kehle. Wie lange hing er bereits an diesem Turm? Zwanzig Minuten? Fünf Stunden? Er wusste es nicht, jedes Zeitgefühl war ihm abhandengekommen.

Eine Möwe hackte nach der Plastiktüte und verletzte ihn an der Augenbraue. Für einen Augenblick schöpfte er eine absurde Hoffnung. Würden die Vögel die Tüte zerreißen? Würde er Luft bekommen? Wieder schrie er, was seine Lungen hergaben, schrie an gegen den Sturm, das Gezeter der Vögel, das brausende Meer in seinem Kopf – vergeblich. Sein Körper fror, doch sein Schädel wurde immer heißer, als steckte er in einem Backofen, der sich langsam erhitzte und seine Gedanken zum Kochen brachte. Wilde, quälende, brennende Gedanken ...

Irmi ... wie es ihr wohl ergangen war? Ob sie noch lebte? Und wer war der Schatten dort hinten, seine Mutter etwa, das Röslein? Aber wieso trug

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