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Kalte Narben Bonus-Story zu "Bittere Wunden" - Short Thriller von Slaughter, Karin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.11.2014
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
1,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Online verfügbar

Kalte Narben

Der Short-Thriller "Kalte Narben" bietet exklusives Bonusmaterial als E-Book und erzählt, was nach den Ereignissen in "Bittere Wunden" passiert: Detective Will Trent will einen Korruptionsfall aufdecken - um sich an die Drahtzieher heranzutasten, nimmt er die Identität des widerwärtigen Ex-Häftlings Bill Black an. Doch die Undercover-Ermittlung scheint wie ein Kartenhaus in sich zusammenzufallen, als Will in einem Convenience Store Zeuge eines Raubüberfalls wird. Ein Cop verliert sein Leben, eine junge Frau verschwindet, und ein eiskalter Killer befindet sich auf der Flucht ... Karin Slaughter, Jahrgang 1971, stammt aus Atlanta, Georgia. 2003 erschien ihr Debütroman Belladonna, der sie sofort an die Spitze der internationalen Bestsellerlisten und auf den Thriller-Olymp katapultierte. Ihre Romane um Rechtsmedizinerin Sara Linton, Polizeichef Jeffrey Tolliver und Ermittler Will Trent sind inzwischen in 37 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als 35 Millionen Mal verkauft worden.

Produktinformationen

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Kalte Narben

1

M it einem langen, traurigen Seufzer starrte Will Trent das rote Blinklicht der Maschine an, aus der er sich eine Frozen Coke hatte ziehen wollen. Nirgends ein Hinweis, wie lange die Cola und das Eis zirkulieren mussten, ehe das köstliche gefrorene Getränk fertig war. Will hatte eine App auf seinem Smartphone, die ihm den Standort jeder einzelnen Icee-Maschine in ganz Georgia anzeigte. Das war das einundzwanzigste Jahrhundert. Schlimm genug, dass immer noch niemand mit Raketenrucksäcken herumflog. War da eine Info über den aktuellen Zubereitungsstand seiner Frozen Coke zu viel verlangt?

Er sah sich in dem Lil' Dixie Gas-n-Go um und betrachtete die Neonschilder, die Lebendköder zum Fischen, Munition und Lotterielose anpriesen. Will war in Forest Park - weniger als eine halbe Stunde vom Zentrum Atlantas entfernt, doch die Tankstelle wirkte trotzdem wie ein typisch hinterwäldlerischer Gemischtwarenladen. Mehrere Tage alte Nachos schmorten unter einer Wärmelampe vor sich hin, und ein großes Glas mit eingelegten Schweinefüßen stand neben der Registrierkasse. Eine Plexiglasvitrine mit rauchlosen Tabakprodukten nahm eine ganze Wand ein. Abgesehen von der Frozen Coke sah Will einfach keinen Grund, warum irgendjemand hierherkommen sollte.

Und er dachte dabei nicht nur an den Laden; Forest Park war ein Albtraum von einer Stadt. Es lag am äußeren Rand des Clayton County - dem wahrscheinlich schlimmsten County im Bundesstaat. Zu seinem Niedergang hatten die üblichen Faktoren geführt: die Schließung einer großen Militärbasis, der implodierende Immobilienmarkt und korrupte Beamte - doch der letzte Nagel in seinem Sarg waren 1996 die Olympischen Spiele gewesen. In Namen des Fortschritts hatte man in Atlanta diverse Sozialsiedlungen niedergewalzt und die Bewohner gen Süden geschickt, damit die internationalen Gäste und Athleten nicht den Anblick der Armen und Entrechteten ertragen mussten.

Doch nach den Spielen war niemand von ihnen zurückgeholt worden. Für Atlanta hieß das: aus den Augen aus dem Sinn - und für die Tausenden, die umgesiedelt worden waren, schlicht und ergreifend: Pech. Kaum öffentliche Gelder oder andere Ressourcen wurden investiert, um ihnen bei dem Neustart zu helfen. Gangs machten sich breit. Die Kriminalitätsrate schnellte in die Höhe. Ganze Wohnviertel gingen vor die Hunde, weil jeder, der es sich leisten konnte, in ein anderes County umzog. Für die Plünderungen indes waren nicht allein die bösen Buben verantwortlich. Ungezügelte Korruption und Misswirtschaft hatten inzwischen so ziemlich jede Behörde infiziert. Das Schulsystem des Clayton County hatte seine nationale Zulassung verloren, der Polizeichef wurde wegen Veruntreuung von Subventionsgeldern verhört, und ein Commissioner war von einer Lokalzeitung als "oft unter Verdacht, nie vor Gericht" tituliert worden. Büro und Archiv des örtlichen Finanzamts waren Gegenstand so vieler Durchsuchungsbeschlüsse, dass man damit den Amtssitz des Gouverneurs hätte tapezieren können.

Doch nichts von alledem war schuld an der eklatanten Ungerechtigkeit der sich elend langsam drehenden Rädchen in Lil' Dixies Frozen-Coke-Maschine.

Will zog sein Handy aus der Tasche und sah auf die Zeitangabe. Seit geschlagenen sechs Minuten wartete er jetzt schon, dass die Maschine endlich fertig wurde. Er wusste, er war ein Idiot, weil er so lange ausharrte. Die Frage war nur: Wäre er auch ein Idiot, wenn er es jetzt einfach bleiben ließe?

Noch fünf Minuten.

Er steckte das Handy wieder ein und schlenderte den Gang entlang. Das Mädchen hinter der Kasse musterte ihn argwöhnisch. Sie hatte allen Grund dazu. Normalerweise trug Will zur Arbeit einen dreiteiligen Anzug, obwohl man ihm schon des Öfteren gesagt hatte, er sehe darin eher aus wie ein Bestatter als wie ein Ermittler des Georgia Bureau of Investigation, was er seit mehr als einem Jahrzehnt war. Heute war sein erster Tag in einem Undercover-Einsatz.

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