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Kellerkind von Neubauer, Nicole (eBook)

  • Erschienen: 19.01.2015
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
8,99 €
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Online verfügbar

Kellerkind

Er sagt, er kann sich an nichts erinnern. Doch an seinen Händen klebt Blut ...

Die erfolgreiche Anwältin Rose Benninghoff liegt mit durchschnittener Kehle in ihrer Designerwohnung. Im Keller des Hauses kauert der vierzehnjährige Oliver Baptiste, sein Körper mit Blutergüssen übersät, seine Hände blutverschmiert. Er kann sich an nichts erinnern. In einem klirrend kalten Jahrhundertwinter nimmt der Münchner Hauptkommissar Waechter mit seinem Team die Jagd nach dem Mörder auf. Doch bald verschwimmen die Grenzen zwischen Tätern und Opfern immer mehr, und die Ermittler stoßen auf ein altes Verbrechen, das nie gesühnt wurde, und das seine Schatten bis in die Gegenwart wirft ...

Nicole Neubauer ist 1972 in Ingolstadt geboren und studierte englische Literaturwissenschaft und Jura in München und London. Nach zehn Jahren in einer Wirtschaftskanzlei arbeitet sie freiberuflich als Autorin, Rechtsanwältin und Lektorin. Sie ist Mitglied der "Mörderischen Schwestern e.V." und der "Autorinnenvereinigung e.V.".

Nicole Neubauer lebt mit ihrer Familie in München im Herzen Schwabings.

Produktinformationen

    Größe: 2707kBytes
    Reihe (Teil): Hauptkommissar Waechter Bd.1
    Herausgeber: Blanvalet
    Untertitel: Roman
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 416
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783641149222
    Erschienen: 19.01.2015
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Kellerkind

Tag 1. Neuschnee

Er fror. Die Kälte hatte ihn aufgeweckt, sie war in seinen Körper gekrochen und hatte die Schmerzen betäubt. Sie verarschte ihn. Sobald er sich bewegte, würden die Schmerzen wieder über ihn herfallen. Wie lange hatte er geschlafen?

Du hättest erfrieren können.

Die Kartons hatten nicht gereicht, um die Kälte abzuhalten, sein Körper war steif wie eine Leiche. Er richtete sich auf und stützte sich an der Wand ab, Putz bröckelte unter seinen Fingern und rieselte auf den Boden. Sein Kopf pulsierte, und die Schmerzen schossen zurück in seinen Körper, oder sie waren die ganze Zeit da gewesen, keine Ahnung, sie waren etwas, das nicht zu ihm gehörte. In Zeitlupentempo setzte er sich auf. Durch das Fenster unter der Decke drang fast kein Licht mehr, das Kellergitter teilte die Welt in Streifen. Blitzlichter schossen durch seinen Kopf, Bilder von splitternden Fingerknöcheln, Treppenstufen, Stimmen. Das Reptil in seinem Hirn stopfte die Erinnerungen weg. Das Reptil saß ganz hinten, im Nacken, die Stelle wurde warm, wenn es erwachte. Es wusste, dass er sich nicht erinnern durfte. Steh auf! , sagte das Reptil. Sein Körper gehorchte. Das Kellerabteil drehte sich, Magensäure schoss ihm in die Kehle. Er konnte sein linkes Bein bewegen, sein rechtes, seine linke Hand ... Nur nicht die rechte Hand anschauen, scheiß auf die rechte Hand. Er musste hier raus, so schnell wie möglich, das war wichtiger. Geh! , sagte das Reptil. Er stieß die Tür des Kellergitters auf, tastete sich zur Treppe und schleppte sich Stufe für Stufe hinauf, ein verwundetes Tier ohne Geschichte. Das Reptil hatte das Kommando übernommen, es wusste, was zu tun war. Und dass er nicht nach hinten schauen durfte, nicht jetzt.

Finn ignorierte den Löffel voll Pastinakenbrei, der auf seinen Mund zuschwebte. Er legte den Kopf in den Nacken und krähte: "Bäh bäh omen."

"Komm, Finn, das schmeckt dir doch sonst immer. Mund aaaaauf!"

Er lehnte sich mit einem Juchzer zurück. Der Pastinakenbrei flog in hohem Bogen durchs Esszimmer. "Bäh bäh. Doosse bäh bäh. Omen."

Finns Mutter seufzte. Wenn sie nur ein Wort dessen verstehen würde, was er den ganzen Tag vor sich hin brabbelte. Er warf sich in seinem Hochstuhl vor und zurück, den Blick starr zur Zimmerdecke gerichtet. Seine Ärmchen ruderten. "Mama omen! Mama omen! Bäh bäh!"

Ein Tropfen dunkelroter Flüssigkeit platschte zwischen Finns Augen und rann die Wange hinunter. Sein Mund verzog sich zu einem zahnlosen Grinsen. Er quiekte.

Finns Mutter sah nach oben. Und dann quiekte auch sie, aber nicht vor Entzücken.

Hannes nahm zwei Stufen auf einmal. Die Treppe war mit einem fleckigen grünen Teppichläufer überzogen. Ein Spureninferno, an dem die Spurensicherung ihre Freude haben würde. Scheinwerfer warfen Schlaglichter ins Treppenhaus und ließen den Stuck lebendig werden. Im dritten Stock stand die Wohnungstür offen, drinnen war es taghell erleuchtet, weiß gekleidete Gestalten bewegten sich träge umher wie bei einer Mondlandung.

Auf dem Treppenabsatz kauerte Tumblinger von der Spurensicherung und puschelte am Türrahmen herum.

"Auch schon da?" Er drehte sich nach Hannes um, den Rußpulverpinsel in der Hand. "Waechter wollte schon eine Vermisstenanzeige aufgeben."

"Ich war fast ..." Gerade noch rechtzeitig, bevor er sich rechtfertigte, unterbrach sich Hannes. Er musste aufhören, sich für alles zu entschuldigen. Als wäre er immer am falschen Ort. Verdammt, er war Hauptkommissar.

Tumblinger musterte ihn. "Jedes Haar am Tatort kostet ein Tragl Bier."

"Schon gut." Hannes stopfte eine widerspenstige Strähne unter die Haube des Schutzanzugs. Seine Augen flimmerten immer noch von zwei Stunden Fahrt durch wirbelnden Neuschnee. Eine Wolke abgestandenen Zigarillorauchs verriet ihm, dass Waechter hier entlanggegangen sein musste. Der Geruc

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