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Kellers Gehirne Ein Telegrafenbergkrimi. von Johannsen, Lorna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.05.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Kellers Gehirne

In der Reihe Telegrafenbergkrimi ermittelt Luzian Keller im Potsdamer Wissenschaftsmilieu. Spannende Unterhaltung, faktenreiche Vermittlung gesellschaftlich relevanter Forschung und ein Ermittler zwischen den Geschlechterrollen. Auf dem Gelände des Wissenschaftsparks 'Albert Einstein', Sitz des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), wird vor dem historischen Einsteinturm ein Hirn gefunden - nur ein böser Scherz? Als wenig später in der Kantine ein weiterer ekelerregender Fund auftaucht, nimmt der Held wider Willen, Luzian Keller, die Spur auf. Als Mathematiker am PIK erforscht er das 'Daisyworld'-Modell und trägt zuweilen gerne ein Twinset, um seiner Inspiration auf die Sprünge zu helfen. Das von ihm vor der Entsorgung gerettete Gehirn führt ihn zunächst ins Naturkundemuseum und schließlich zu der Vermutung, dass jemand die Menschheit mit ungewöhnlichen Mitteln davor warnen will, welche Konsequenzen ihr Handeln für den Planeten haben wird. Währenddessen versucht der Soziologe und Physiker Lars Petershagen mit hochfliegenden Plänen den neuen Forschungsbereich 'Langfristige Mensch-Natur-Koevolution' aufzubauen, er fühlt sich dabei von Direktor Andersson blockiert. Als der Keller vorwirft, die Polizei vorschnell alarmiert zu haben, steht Petershagen Keller zur Seite. Dann verschwindet Petershagens Doktorvater, der berühmte Professor Julian Littlewood.

Lorna Johannsen wurde in Hamburg geboren und lebt seit den neunziger Jahren in Berlin, sie arbeitet als Autorin, Dichterin, Filmemacherin, seit geraumer Zeit widmet sie sich auch der Collage, Frottage, Malerei und Installation.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 232
    Erscheinungsdatum: 30.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741206658
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 553kBytes
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Kellers Gehirne

ERSTER TEIL

1 Gehirne

Nebel umhüllte den Einsteinturm mit ein paar weißen Fetzen, alles hatte sich in Dunst gehüllt. Montagmorgen, auf dem Telegrafenberg in Potsdam, sieben Uhr früh, kaum jemand unterwegs, der Betrieb fängt später an. Vom Hauptgebäude sind es nur 197 Schritte bis zum Turm, kurz vorher gabeln sich die Wege, der Sandweg hört auf, links und rechts Katzenköpfe, und bis zum Turm Asphalt, dazwischen das Gehirn aus Messing, eine Walnuss im Taubeneiformat, ein kleines, absurdes Geheimnis, das nicht jeder im Sand zwischen dem Pflaster entdeckt, obwohl das Kunstwerk schon vor Langem dort eingelassen wurde. Möglicherweise keine Katzenköpfe, weil zu eckig, aber es ist schön zu denken; das kleine Gehirn liegt glänzend zwischen den Katzenköpfen im Sonnenlicht.

In eben dieser Folge dachte Luzian Keller seit Jahren fast das Gleiche, an diesem Montagmorgen ebenso wie an allen vorangegangen, es war sein Morgenmantra, er liebte dieses Ritual.

Auf der roten Lache vor dem Unerwarteten rutsche er fast aus. Keller schaffte es gerade noch bis zum nächsten Gebüsch und übergab sich so lange, bis er sicher war, dass sich von seinem Frühstück nichts mehr in ihm befand, dann fischte er nach seinem Smartphone und wählte 110.

Zwanzig Minuten später wimmelten ein Dutzend Polizisten auf dem Gelände, der Fund eines menschlichen Gehirns, das sich, blutig auf vier japanische Essstäbchen gespießt, genau über dem Gehirn aus Messing befand, hatte die Potsdamer Polizei zügig in Bewegung gesetzt, und nun suchten alle nach der Leiche desjenigen, der noch bis vor Kurzem mit diesem Hirn gedacht hatte. Aber weder im Turm noch im Park war bisher eine brauchbare Spur gefunden worden, keine Schleifspuren, keine Textilfetzen, keine Leiche, nicht ein Fitzelchen. Dann kam endlich der Gerichtsmediziner, und die Suche nach dem Opfer wurde wenig später eingestellt.

"Schöne Sauerei, aber kein Mord, jedenfalls keiner, der sich in diesem Jahrhundert abgespielt hat. Das Blut ist frisch, aber das Hirn ist alt, das hat lange in Spiritus gelegen, bevor es jemand hier drapiert hat." Dr. Flebbe kam ächzend aus der Hocke und fummelte sich die Gummihandschuhe von den Fingern, Kommissar Bärlauch runzelte die Brauen, "Wie jetzt? Bitte noch mal zum Mitdenken."

"Ganz einfach, da hat sich jemand einen Scherz erlaubt, sammeln sie ihre Leute wieder ein, das hier ist kein Mordfall, sondern grober Unfug. Dieses Hirn..."

"...gehört nicht zu einem Anzugträger...," von allen unbemerkt hatte sich eine der Doktorandinnen über den Fund gebeugt, "das hier ist das Gehirn eines Hominiden."

"Eines was?"

"Eines Gorillas!" Manon Duval lächelte, das Lächeln der Wissenden, und zuckte mit den Achseln, als sie gefragt wurde, ob es von hier sei.

"Nein, sicher nicht, wir haben keine Präparate hier, das ändert nichts an den Tatsachen."

Mit weit ausholenden Schritten kam in diesem Moment Professor Andersson, der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenfor schung 1 , kurz PIK, das sich das Gelände seit der Wende mit ein paar weiteren naturwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen teilte, über den Rasen geeilt, er war nicht zu Scherzen aufgelegt, mit ihm eilte Wolke, der Hausmeister, mit flatternden Kittelschößen, um ihm militärisch knapp die Situation zu schildern. Die Tatsache, dass auf dem Telegrafenberg Beamte der Polizei gerade dabei waren, den Ablauf eines wohl geordneten Montagmorgens zu stören, hätte ausgereicht, die Laune von Professor Andersson drastisch zu verschlechtern, der Umstand, dass die ganze Aufregung durch ein Affenhirn verursacht war, ließ sie gefrieren, der Urheber der unnötigen Turbulenzen, Luzian Keller, wurde mit einem Blick gemessen, für zu leichtsinnig befunden, und sollte mit dem zweiten Blick vernichtet werden. Doch dazu kam es nicht, Professor Petershagen, der "Neue", stellte sich schützend vor Keller, was bitte schön hatte Dr. Keller denn tun

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