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Knickgeflüster Ein Ostsee-Krimi von Freund, Marc (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.04.2016
  • Verlag: Boyens Buchverlag
eBook (ePUB)
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Knickgeflüster

Ein Schatten verharrt mitten in der Bewegung. Hinter der Folie des Baugerüstes ist er nur undeutlich zu erkennen. Die Silhouette gehört einem Mörder: Diese Erkenntnis durchzuckt Hark Hagendorn wie ein Blitz, als er die tote Frau vor dem Haus an der Ostsee-Steilküste findet. Doch noch ehe Hark reagieren kann, ist der Unheimliche verschwunden. Der junge Baugeologe wird durch dieses Ereignis gezwungen, sich länger als beabsichtigt an der Außenförde Flensburgs aufzuhalten, an die er noch so viele Erinnerungen hat. Er sieht sich nicht nur mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert, sondern auch mit dem gefährlichen Spiel eines skrupellosen Mörders, der aus dem Schutz der Knicklandschaft heraus zuschlägt. Hark muss erkennen, dass nicht nur er selbst in Lebensgefahr schwebt, sondern auch die Menschen, zu denen er gegen seinen Willen wieder Kontakt geknüpft hat. Und plötzlich ist er da - der Tag, an dem Hark bereut, je wieder einen Fuß in seine alte Heimat gesetzt zu haben. In der winterlichen Szenerie der Ostseeküste kommt es zu einer gnadenlosen Jagd gegen die Zeit.

Marc Freund, geboren 1972 in Flensburg, aufgewachsen in Osterholz an der Ostsee. Autor der erfolgreichen Ostsee-Krimis 'Das Haus am Abgrund' und 'Endstation Steilküste', beide im Boyens Buchverlag veröffentlicht. Neben dem Schreiben von Kriminalromanen arbeitet Marc Freund hauptsächlich als Hörspielautor für die beliebten Krimiserien 'Lady Bedfort', 'Edgar Wallace' und 'Sherlock Holmes: Die neuen Fälle'. Weitere Hörspielbearbeitungen aus seiner Feder wurden bereits an verschiedenen Theatern und live im Berliner Rundfunk dargeboten. 2012 erreichte sein Hörspiel 'Freifahrt' den 2. Platz beim Literaturwettbewerb des Timmendorfer Strandes.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 15.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783804230484
    Verlag: Boyens Buchverlag
    Größe: 3278kBytes
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Knickgeflüster

- 1 -

"KOMM SCHON, DU Feigling!"

Der Ruf gellte über das Wasser, und Hark wusste, dass es keine weitere Aufforderung für ihn geben würde. Wenn er jetzt nicht spurte, war er raus. Eine ganz einfache Logik.

Er stand am Ufer, blinzelte gegen die Sonne und fasste den Entschluss, es zu wagen. Er griff nach dem dürren Ast, den er sich mühsam aus dem Gehölz der Steilküste gebrochen hatte und trat auf das Eis hinaus.

Die Ostsee war nicht komplett zugefroren, doch am Ufer hatten sich krustige Schollen gebildet, die teilweise vom kalten Wasser unterspült wurden. Mit aller Kraft stampfte er darauf herum - längst nicht so geschickt, wie es Sascha und Stefan kurz zuvor getan hatten, doch immerhin mit der entsprechenden Prise Glück. Mit einem trockenen Knacken löste sich eine etwa anderthalb Quadratmeter große Eisfläche vom Ufer und wurde sofort vom Sog des zurücklaufenden Wassers erfasst. Hark erschrak, als er erkannte, wie schnell sich die Kluft zwischen ihm und seinem schneeweißen Floß verbreiterte. Er gab sich einen Ruck und sprang auf die Eisscholle. Beinahe wäre er durch den Schwung ausgeglitten, und der Ast fiel ihm aus der Hand. Doch er hatte zum zweiten Mal Glück: Er blieb auf den Beinen, und seine improvisierte Stange landete auf der Eisscholle. Bevor sie ins Wasser rollen konnte, hatte Hark sie gepackt. Seine Finger waren rot vor Kälte und fast ohne Gefühl, doch niemals hätte er zugegeben, dass ihm das etwas ausmachte. Er wollte dazugehören. Und das hier war seine letzte Chance. Wenn man zehn Jahre alt war, wusste man das mit absoluter Sicherheit.

Hark packte die Stange und tauchte sie ins flache Wasser. Er stieß sich vom Ufer ab, um zu den anderen zu gelangen, die weiter draußen bereits auf die Fahrrinne zusteuerten.

Er balancierte sein Gewicht aus, sodass er einen sicheren Stand hatte und rasch vorwärts kam. Die Distanz zu den anderen wurde rasch kleiner. Jetzt hatten sie ihn gesehen, und allein das erfüllte Hark mit Stolz. Er spürte, wie ihm unter der Wollmütze warm wurde, und er hatte das Verlangen, den Schal, der nass von seinem schnell gehenden Atem war, fortzureißen, doch er war zu sehr damit beschäftigt, den richtigen Kurs zu halten.

Inzwischen tauchte die Stange weit tiefer ins Wasser. Bereits zwei Drittel hatten sich nass und dunkel gefärbt.

Fast hatte er die beiden anderen erreicht. Nur noch zwei Meter trennten ihn von den beiden Jungen, die kurz innehielten und zu ihm hersahen. Hark lachte laut und wollte ihnen etwas zurufen, als sein Blick kurz den Boden der Eisscholle streifte. Etwas bewegte sich darunter. Ein dunkler Schatten. Zu spät begriff er, dass es sich dabei um das Wasser der Ostsee handelte, die durch das zentimeterdünne Eis schimmerte. Im gleichen Augenblick brach die Scholle beinahe genau in der Mitte und Hark vollführte einen schmerzhaften Spagat. In seiner Verzweiflung klammerte er sich an die Stange, als die beiden Hälften des Eises unter ihm wegdrifteten.

Jemand lachte laut und meckernd.

Hark schrie auf. Entsetzen und Todesangst machten sich in ihm breit und wuchsen in rasendem Tempo zu einem brüllenden Ungetüm heran. Dann kippte er vornüber und tauchte in die eiskalte Ostsee.

Seine Schreie verstummten, kaum dass das dunkle Wasser über seinem Kopf zusammengeschlagen war ...

Hark blinzelte die Erinnerungen fort und schirmte seine Augen mit der Hand gegen die Mittagssonne ab. Sein Blick wanderte für einige Sekunden über die Ausläufer der Flensburger Förde. Drüben, auf der anderen Seite: Sonderburg - zum Greifen nah, nur fünfzehn Minuten entfernt, wenn man ein gutes Boot besaß. Schroffe Küsten, grüne Hügel und Felder; genau wie hier.

Nicht weit von Hark entfernt, dümpelte ein kleiner Fischkutter. An Bord nahm er die Bewegungen von zwei Männern wahr, die dabei waren, ihre Netze einzuholen.

Weiter draußen, in der Fahrrinne, zog gerade ein größerer Kahn vorbe

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