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Knochenjagd von Reichs, Kathy (eBook)

  • Verlag: Blessing
eBook (ePUB)
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Knochenjagd

Jeder Knochen erzählt eine Geschichte. Diese Frau kann sie hören. Ein neuer Fall für Tempe Brennan.
Ihr neuester Fall konfrontiert Tempe Brennan, forensische Anthropologin, mit einem albtraumhaften Szenario: In einer verlassenen Wohnung in Montreal findet sich, eingewickelt in ein Handtuch, versteckt unter einem Waschbecken, die Leiche eines Neugeborenen. Schlimmer noch: Neben diesem tauchen noch zwei weitere tote Babys auf. Die fieberhafte Suche nach der Mutter beginnt. Ist sie eine herzlose Mörderin, getrieben von ihren Dämonen? Auf der Flucht vor ihrem Zuhälter? Geriet sie zwischen die Fronten eines Drogenkriegs? Ihre Spur führt Tempe Brennan und ihren Kollegen Andrew Ryan tief in die kanadische Einöde - und in das Revier eines eiskalten Killers, der einen abgründigen, grausamen Plan verfolgt ...

Ein eiskalter Killer. Ein abgründiges Motiv. Die Jagd beginnt jetzt.

Kathy Reichs, geboren in Chicago, lebt in Charlotte und Montreal. Sie ist Professorin für Soziologie und Anthropologie und unter anderem als forensische Anthropologin für gerichtsmedizinische Institute in Quebec und North Carolina tätig. Ihre Romane erreichen regelmäßig Spitzenplätze auf internationalen und deutschen Bestsellerlisten und wurden in 30 Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641083731
    Verlag: Blessing
    Serie: Temperance Brennan Bd.15
    Originaltitel: Bones are forever
    Größe: 1702 kBytes
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Knochenjagd

1

Die Augen des Babys verblüfften mich. So rund und weiß und so pulsierend vor Bewegung.

Wie der winzige Mund und die Nasenöffnungen.

Ich ignorierte die Madenmassen, schob zwei behandschuhte Finger unter den kleinen Torso und zog sanft eine Schulter nach oben. Kinn und Glieder fest an die Brust gepresst, hob sich das Baby ein wenig.

Mit protestierendem Gesumme stoben Fliegen davon.

Ich prägte mir die Details ein. Zarte Augenbrauen, kaum zu erkennen auf einem Gesicht, das nur schwer als menschlich zu identifizieren war. Aufgeblähter Bauch. Durchscheinende Haut, die sich von perfekten, kleinen Fingern ablöste. Unter Kopf und Hintern lagen Pfützen von einer grün-braunen Flüssigkeit.

Das Baby steckte im Toilettentisch eines Badezimmers, eingeklemmt zwischen der Rückwand und einem verrosteten Abflussrohr, das gekrümmt vom Waschbecken herabführte. Es lag in fötaler Haltung, den Kopf verdreht, das Kinn nach oben ragend.

Es war ein Mädchen. Glänzend grüne Geschosse umschwirrten seinen Körper und alles in seiner Umgebung.

Einen Augenblick lang konnte ich es nur anstarren.

Die wabernd weißen Augen starrten zurück, wie verwirrt über die verzweifelte Notlage ihrer Besitzerin.

Meine Gedanken wanderten zu den letzten Augenblicken des Babys. War es bereits im dunklen Leib der Mutter gestorben, als Opfer einer herzlosen Verdrehung der Doppelhelix? Oder im Kampf ums Überleben, an die schluchzende Brust ihrer Mutter gedrückt? Oder kalt und allein, im Stich gelassen und unfähig, sich Gehör zu verschaffen?

Wie lange dauert es, bis ein Neugeborenes das Leben aufgibt?

Ein Sturzbach der Bilder rauschte durch mein Gehirn. Keuchender Mund. Zappelnde Glieder. Zitternde Händchen.

Zorn und Trauer ballten sich in meinen Eingeweiden zusammen.

Konzentrier dich, Brennan!

Behutsam legte ich die winzige Leiche wieder auf ihren Platz zurück und holte einmal tief Luft. Meine Knie knackten, als ich mich aufrichtete und ein Spiralnotizbuch aus meinem Rucksack zog.

Fakten. Konzentrier dich auf die Fakten.

Auf dem Toilettentisch lagen ein Seifenriegel, ein schmuddeliger Plastikbecher, ein stark angeschlagener Zahnbürstenhalter aus Keramik und eine tote Kakerlake. Das Medizinschränkchen enthielt eine Aspirinflasche mit zwei Tabletten, Wattestäbchen, Nasenspray, Tabletten gegen Verstopfung, Rasierklingen und eine Packung Hühneraugenpflaster. Kein einziges verschreibungspflichtiges Medikament.

Warme Luft, die durch das geöffnete Fenster wehte, ließ das neben der Kommode hängende Toilettenpapier flattern. Mein Blick bewegte sich in diese Richtung. Auf dem Spülkasten stand eine Schachtel mit Papiertüchern. In der Schüssel selbst war ein schleimiges, braunes Oval zu erkennen.

Ich ließ den Blick nach links wandern.

Schlaffe Stoffbahnen hingen am abblätternden Fensterrahmen, ein längst grau gewordener Blumendruck. Die Aussicht durch die schmutzverkrustete Scheibe zeigte eine Petro-Canada-Tankstelle und die Rückseite einer Autowerkstatt.

Seit ich die Wohnung betreten hatte, hatte mein Hirn immer wieder das Wort "gelb" gemeldet. Der schlammverspritzte Stuck auf der Fassade des Gebäudes? Die triste Senffarbe im Treppenhaus? Der abgenutzte maisfarbene Teppich?

Was auch immer. Die grauen Zellen säuselten weiter. Gelb.

Ich fächelte mir mit dem Notizbuch Luft zu. Schon jetzt waren meine Haare feucht.

Es war neun Uhr vormittags am Montag, den vierten Juni. Um sieben war ich von einem Anruf von Pierre LaManche geweckt worden, dem Chef der rechtsmedizinischen Abteilung des Laboratoire de sciences judiciaires et de médecine l&e

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