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Kuchentage Kommissar Kattenstrohts dritter Fall von Boer, Hans-Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2013
  • Verlag: Landwirtschaftsverlag
eBook (ePUB)
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Kuchentage

Nach einer Weihnachtsjagd wird die Leiche eines Mannes gefunden. Das Tatwerkzeug ist mehr als ungewöhnlich, die Umstände sind rätselhaft. Kommissar Klaus Kattenstroht aus Münster und seine junge Assistentin Kathrin Eilers erforschen die dunklen Hintergründe und begegnen dabei Charakteren, die ebenso düster sind wie die Jahrezeit, in der die Polizisten ermitteln: Wenn das Leben auf den Bauernhöfen einen ruhigen Gang geht und die Familien auf dem Lande sich zu 'Kuchentagen' gegenseitig besuchen und am Herdfeuer zusammenfinden.

Hans-Peter Boer wurde 1949 im münsterländischen Nottuln geboren. Nach Abitur und Studium der Germanistik und Geschichte trat er 1972 in den Schuldienst ein. Zahllose Veröffentlichungen zur Kultur, Geschichte und Landeskunde des Münsterlandes folgten. Neben der Arbeit als erfolgreicher Autor ist Hans-Peter Boer seit Sommer 2007 Kulturdezernent der Bezirksregierung Münster. Er lebt mit seiner Familie in Nottuln.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 184
    Erscheinungsdatum: 01.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783784390567
    Verlag: Landwirtschaftsverlag
    Serie: Der Land-Kommissar Bd.3
    Größe: 1409kBytes
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Kuchentage

B ereits in der Luft war Stellmacher klar, dass das danebengehen musste. Unter sich sah er im Sekundenbruchteil das dunkel blinkende Wasser des Grabens, als er schon auf dem anderen Steil-ufer landete, seine Stiefelspitzen sich in die braunen Grassoden bohrten und diese augenblicklich nachgaben. Die Knie tauchten ins Feuchte, das sofort durch den Hosenstoff drang. Mit ruckartigen Bewegungen seiner Füße versuchte Stellmacher, Halt zu finden, wo es kein Halten mehr gab: Mit verzweifelt anmutenden Bewegungen grabschte der Leitende Oberstaatsanwalt aus Münster nach einem verloren dastehenden Ginsterstrauch und erwischte tatsächlich noch einen der harten, dünnen grünen Zweige. Aber der gab nach, wenn auch erst, nachdem er eine kleine Schrunde in seine Hand gerissen hatte. Der Uferrand indes war unter Stellmachers Gewicht längst weggedrückt worden, so dass der sich mit seinen Füßen teilweise bereits im Wasser, teilweise am verschlammten Ufer wiederfand. Mit den Knien steckte er im feuchten Wintergras, und ans Aufstehen war kaum zu denken, denn der Modder des Grabenrandes hatte fast magisch die Stiefel eingezogen. Gequält schaute sich Stellmacher um und meinte schon zu spüren, wie das kalte Wasser in seine Stiefel schwappte.

Über dem Rand des tief eingeschnittenen Vorfluters kam einer seiner Treibergenossen in Sicht, ein älterer, aber drahtiger Bauer, der sich das Grinsen nicht verkneifen konnte, als er die Situation des Stadtfracks erfasste. Er schüttelte nachsichtig den Kopf und stieg dann, die Füße vorsichtig seitlich aufsetzend, den Grabenrand so weit herunter, dass er Stellmacher seine kräftige Hand reichen konnte: "Nun man to, Herr Doktor! Packen Se feste zu, dat wir Sie aus der Driete rauskriegen!" Zweifellos schwang da ein wenig Schadenfreude mit.

Dankbar packte der Münsteraner zu und sah sich schon bald wieder am oberen Grabenrand auf festem Boden. Reichlich selbstmitleidig schaute er an sich herunter: die Stiefel total verdreckt, die Hose an beiden Knien feucht, eine Hand aufgerissen und die andere mit Schlamm verschmiert. Schlagartig wurde Stellmacher klar, dass Abenteuer wie
diese Treibjagd in seinem Leben eine Ausnahme bleiben würden. Seine ausgeprägte Affinität zu einem sauberen Schreibtisch, seine Freude an einer gepflegten Umgebung und sein – zugegebenermaßen etwas eitler – Hang zu einer gekonnten Selbstdarstellung waren zweifelsfrei stärker als der urtümliche Trieb, sich in freier Natur als ganzer Mann zu erweisen und dem Wilde nachzustellen.

So ein Unfug aber auch, zwei Tage nach Weihnachten bei nasskaltem Wetter an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen. Stellmachers Jagdeifer hatte sich bisher auf Übeltäter im Landgerichtsbezirk Münster beschränkt, aber dessen Präsident, der sich jeden Tag über sein schönes Amt in der früheren Provinzialhauptstadt zu freuen schien, hatte über Monate gedrängt und getrieben, Stellmacher möge doch wenigstens einmal als Gast an einer der großen Veranstaltungen der Wodansjäger teilnehmen. Immerhin sei das eine der ältesten, ehrwürdigsten und angesehensten Jagdgesellschaften in ganz Norddeutschland, schon eine Einladung sei eine Ehre, von dauernder Mitgliedschaft ganz zu schweigen; aber in etwa sieben, acht Jahren würde ein Platz für einen aktiven Jäger frei werden, und als jüngerer Jurist in Münster müsse sich der Leitende Oberstaatsanwalt doch rechtzeitig bei dieser noblen Gesellschaft in Erinnerung bringen und auf die Liste setzen lassen. Den Jagdschein könne er bis dahin ganz nebenbei auch noch machen.

Zugegeben, schlecht war der Tag bisher nicht verlaufen. Bereits am frühen Morgen waren die Jäger in Münster aufgebrochen und hatten sich am Kirchplat

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