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Lügengift Spannungsroman von Adams, Michelle (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.05.2019
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Lügengift

Nur mit Glück überlebt Chloe Daniels einen schweren Autounfall - doch seitdem kann sie sich an nichts mehr erinnern. Sie weiß nicht, wer sie ist, sie erkennt ihre Familie nicht, sie hat keine Ahnung, was am Abend des Unfalls und zuvor in ihrem Leben passiert ist. Als sie aus dem Krankenhaus entlassen wird, zieht Cloe wieder zu ihren Eltern. Sie will ihre Amnesie überwinden, doch ihr Vater, ein angesehener Psychiater, drängt sie, die Vergangenheit loszulassen. Zudem darf sie das Grundstück nicht verlassen, die Tür ist mit einem Code gesichert. Und schließlich bestätigt sich Chloes schlimmste Angst: Sie kann ihren Eltern nicht vertrauen ... Michelle Adams ist Britin, lebt aber seit Jahren auf Zypern. Sie ist Teilzeitwissenschaftlerin und hat bereits einige Science-Fiction-Romane unter Pseudonym veröffentlicht. Ihre wahre Leidenschaft aber gilt der psychologischen Spannung. Ihr Debüt "Dunkelschwester" wurde in 14 Länder verkauft.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 20.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641194338
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Between The Lies
    Größe: 1273 kBytes
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Lügengift

1.

Im ersten Moment spüre ich nichts. Keinen Schmerz, keine Angst. Blinzelnd öffne ich die Augen. Im grauen Mondlicht nehme ich schemenhaft meine Umgebung wahr, dunkles Leder und den Teil eines Lenkrads. Glänzend ölige Spritzer, dunkles Blut auf meiner Haut. Was ist passiert? Wo bin ich?

Ich hebe den Kopf. Ein höllischer Schmerz im Nacken. Ist das Regen, der mir kalt ins Gesicht sprüht? Ich höre nur meinen Atem, werfe einen Blick auf den leeren Beifahrersitz neben mir, auf die zerschlagene Windschutzscheibe. Die zersplitterten Ränder sind feuerrot. Mit zitternder Hand taste ich nach dem Sicherheitsgurt, fingere am Gurtschloss herum. Ich habe nicht die Kraft, den Knopf zu drücken. Mir verschwimmt alles vor den Augen. Ich sacke nach vorne wie totes Gewicht, aber ich glaube, ich bin noch am Leben.

Immer wieder verliere ich das Bewusstsein. Wie lange bin ich wohl schon an diesem seltsam einsamen Ort? Kalte Schauer wecken mich, Regen peitscht gegen die Fenster. Mir steht eine ungestüme Nacht bevor. Ich habe Schmerzen in der Brust, die sich bis in die Arme ziehen. In der Ferne blitzt eisblaues Licht auf, das sich in den Scherben der Windschutzscheibe spiegelt und dann wieder zwischen den Bäumen verschwindet. Die Augen fallen mir zu, ich reiße sie wieder auf. Wieder und wieder. Wie Seetang in den Wellen werde ich zwischen Leben und Tod hin- und hergeworfen.

Während der Regen auf das Autodach trommelt, ruft eine Stimme: "Können Sie mich hören?" Jemand schlägt gegen die Seitenscheibe. Öffnet die Tür. Hände zerren an mir, rutschen ab. Blutige Strähnen fallen mir über die Augen. Im Augenwinkel sehe ich eine gelbe Jacke, einen schwarzen Helm, der das Gesicht des Mannes verdeckt. Er ruft irgendetwas. Sind da noch mehr Leute? Wasser rinnt ihm von den Schultern, die eisigen Spritzer treffen mich. Als ich mich rege, knirscht unter mir Glas.

"Halten Sie durch. Bewegen Sie sich möglichst nicht." Ich spüre, wie er sich über mich beugt. "Können Sie mir sagen, wie Sie heißen?"

Keine Ahnung.

Jemand legt mir eine Halskrause um. Es wird kälter, stiller. Ich spüre meine Hände nicht mehr. Immer wieder fallen mir die Augen zu. Dann ertönt ein Kommando, und sie ziehen mich aus dem Wagen. Es geht alles ganz schnell. Ihre Stimmen werden vom Wind davongetragen. "Wir verlieren sie!"

Ich schlage die Augen auf. Es ist kein sanftes Erwachen, kein seichtes Treiben zwischen Traum und Realität. Es geht schnell, wie das Abreißen eines Pflasters oder der Schnitt mit einem scharfen Messer. Ich bin außer Atem und verschwitzt. Allmählich fällt der Traum von mir ab, ich sehe mich im Zimmer um, führe mir ganz bewusst vor Augen, wo ich bin. Dass ich nichts zu befürchten habe. Dass ich am Leben bin.

Ich drehe mich auf den Rücken und setze mich im Bett auf, leise prasselt der Regen gegen die Fensterscheibe. Ich reibe mir die Augen, eine Tür öffnet und schließt sich. Schritte auf der Treppe, gedämpftes Geschnatter aus der Küche.

Familienleben.

Sie sagen, ich heiße Chloe. Als ich im Krankenhaus aufgewacht bin, die Stimme kratzig und heiser, die Kehle so wund, dass ich kaum sprechen konnte, wusste ich nicht, wer ich war. Ich konnte mich an nichts mehr erinnern. Wer ich war, was ich beruflich tat. Wie mein Leben aussah. Ich fragte eine der Krankenschwestern, eine mollige Frau namens Helen, deren zierliche Brille oberhalb der Nasenspitze saß. Sie stemmte eine dicke Hand in die Hüfte. "Erinnern Sie sich denn nicht?", fragte sie.

Ich schüttelte den Kopf. Er pochte, fühlte sich schwer an. Wenn ich in Gedanken zurückging, kam es mir vor, als könnte ich mich vage an den Unfall erinnern, von dieser Erinnerung träumte ich dann jede Nacht. Aber sicher war ich nicht. Ich sah aus dem Fenster, irgendetwas am Regen kam mir vertraut vor, etwas am entfernten Schlagen der Wellen an den Strand. Aber was?

"Ihr Name ist Chloe. Sie hatten einen Unfall. Sie lagen über einen Monat im Koma", sagt

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