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Lagerkoller von Eyssen, Remy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.05.2020
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Lagerkoller

Aus dieser Wohnung gibt es kein Entkommen
Seit drei Wochen verlassen Oliver und Tanja ihre gemeinsame Wohnung nur noch, um den Müll runterzubringen. In ihrer Ehe lief es schon vorher nicht gut, jetzt hat Tanja sich im Arbeitszimmer verschanzt und weigert sich mit Oliver zu sprechen. Stromausfall. Ein Rütteln an der Tür. Ein Schatten im Nachbarhaus - Tanja schweigt. Als das Licht wieder angeht ist nichts mehr so, wie es vorher war ...
Bestsellerautor Remy Eyssen ist ein Meister unserer dunkelsten Ängste. Jetzt auch entdecken: DUNKLES LAVANDOU - ein neuer Fall für Gerichtsmediziner Leon Ritter in der Provence.



Remy Eyssen (Jahrgang 1955), geboren in Frankfurt am Main, arbeitete als Redakteur u.a. bei der Münchner Abendzeitung. Anfang der 90er Jahre entstanden die ersten Drehbücher. Bis heute folgen zahlreiche TV-Serien und Filme für alle großen deutschen Fernsehsender im Genre Krimi und Thriller. Mit seiner Krimireihe um den Gerichtsmediziner Leon Ritter begeistert er die Leserinnen und Leser und landet regelmäßig auf der Bestsellerliste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 48
    Erscheinungsdatum: 15.05.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843724517
    Verlag: Ullstein
    Größe: 2469 kBytes
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Lagerkoller

1. Kapitel

Wenn Oliver sich streckte und ein wenig in seinem Arbeitsstuhl aufrichtete, konnte er die Kastanie im Hinterhof sehen. Der Baum trug Anfang April noch keine Blätter, aber die Knospen waren dick wie Murmeln, und die braune Hülle, die sie eigentlich vor verspäteten Frosteinbrüchen schützen sollte, war bereits aufgeplatzt. Jetzt war es noch einmal kalt geworden. Viel zu kalt für die Jahreszeit, hatte es in den Nachrichten geheißen. Zu kalt, zu warm, Oliver war es egal. Er saß an seinem Schreibtisch gleich neben dem Wohnzimmerfenster, eingesperrt zwischen Designercouch und Fernseher und richtete seinen Blick wieder auf die Wand vor sich, wo ein Druck des Seerosenteiches von Monet hing. Eine Erinnerung an die Parisreise mit Tanja, die damals noch nicht seine Frau war. Paris, dachte Oliver. Wie lange war das her - sechzehn Jahre? Wieso konnte sich das Leben, das einmal so schön gewesen war, in einen so riesengroßen Haufen Müll verwandeln?

Drei Wochen Ausgangsbeschränkung, drei Wochen Stumpfsinn, drei Wochen zusammen in der Dreizimmerwohnung, die immer weiter zu schrumpfen schien. Als sie vor ein paar Jahren die Wohnung über einen Bekannten vermittelt bekommen hatten, erschien sie ihm wie das Paradies. Vierter Stock, mitten in Schwabing, mit Blick über die Dächer der Stadt. Aber inzwischen fühlte er sich darin eingesperrt. Erledigte anderer Leute Steuererklärungen und starrte dabei stundenlang auf den Bildschirm seines Laptops. Manchmal verschwammen ihm die Zeilen vor den Augen. Dann schienen die Buchstaben und Zahlen sich selbstständig zu machen und wie auf einem Ölfilm von seiner Iris abzurutschen. In seinen Augenwinkeln zuckten Blitze auf, und fette Punkte taumelten wie müde Fliegen durch sein Gesichtsfeld. Am Anfang hatte er gedacht, er würde blind, aber Tanja hatte nur gelacht. Tatsächlich hatten sich seine Augen nach zwei Stunden wieder erholt, und er konnte weiterarbeiten. Mehr Steuererklärungen sichten und weiter für diesen Mist sein Augenlicht aufs Spiel setzen. Er hasste Steuererklärungen. Dieser Job war seine Nemesis, da war er sich sicher. Vor zwölf Jahren hätte er die Chance gehabt, sich selbstständig zu machen. Ein Studienkollege war dabei gewesen, eine Kanzlei speziell für IT-Unternehmen aufzubauen, und bot Oliver eine Beteiligung an. Und was tat er? Er hatte den Job bei Patrik nicht aufgeben wollen. Dabei hatte er nicht einmal einen Arbeitsvertrag. Wozu auch? Patrik war ein Freund seit Kindertagen. Als freier Mitarbeiter konnte Oliver sich die Arbeit einteilen. Keine festen Arbeitszeiten, kein Druck, eine lockere Atmosphäre. Sie hatten einen »Deal«, wie Patrik das nannte. Oliver konnte so viel arbeiten, wie er wollte, und rechnete dafür in Tageshonoraren ab. Das war vielleicht nicht perfekt, aber die Work-Life-Balance stimmte. Nur in der letzten Zeit, da gab es immer mal wieder ein paar Unstimmigkeiten zwischen Patrik und ihm.

Oliver hatte aufgehört zu tippen und starrte gedankenverloren vor sich hin. »Sag doch mal die Wahrheit«, mahnte er sich. »Du hattest damals nicht die Eier, dich mit einer eigenen Firma selbstständig zu machen.«

Er sah auf den Boden, wo die Schale mit dem Katzenfutter Stand. Frieda, die Katze, hatte ihr Trockenfutter nicht angerührt. Oliver war sicher, dass die Katze das extra tat, nur um ihn zu ärgern. Weil Tanja dann wieder eine Diskussion darüber anfangen könnte, dass er die Katze falsch behandelte, das falsche Futter kaufte und sowieso überhaupt keine Beziehung zu Tieren besaß. In diesem Punkt musste Oliver seiner Frau ausnahmsweise Recht geben. Er konnte dieses hinterhältige Vieh nicht leiden. Frieda schlich geräuschlos durch die Wohnung, wie ein böser Geist. Und wenn sie nichts mehr fand, was sie zerkauen oder zerreißen konnte, hockte sie stundenlang bewegungslos hinter dem Fenster, um die Vögel in der Kastanie zu beobachten. Dabei legte sie ihren Kopf auf ein Kissen und verharrte, ohne sich zu bewegen, als wäre sie aus Marmor. Nur

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