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Lassiter - Folge 2363 Inferno in Idaho von Slade, Jack (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.10.2017
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Lassiter - Folge 2363

Die Postkutsche der Northern Stagecoach fuhr mit hohem Tempo durch die grasbewachsene Ebene nördlich von Samaria. Sie war mit vier Warmblütern bespannt, die sich unter den Peitschenhieben des Kutschers abwechselnd gegen die Deichsel drängten. 'Sie sind bald am Kanal', sagte Seth Rogers. Er folgte der Kutsche eine Weile mit dem Blick. 'Vor der Brücke am Weiher schlagen wir zu.' Die beiden anderen Männer in ihren Sätteln sprachen kein Wort. Sie hatten den Überfall seit etlichen Wochen geplant und wussten, dass die Sache bei Rogers in guten Händen war. Er hatte ihnen bei mehr als einer Gelegenheit bewiesen, dass er wie sie von Blutdurst und Skrupellosigkeit getrieben war. Sie konnten ihm trauen. Wenigstens glaubten sie zu dieser Stunde daran...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 64
    Erscheinungsdatum: 28.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732554232
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1067 kBytes
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Lassiter - Folge 2363

4. Juli 1876, nahe Samaria, Idaho

Der Unabhängigkeitstag dieses verdammten Landes hatte Budd R. Wilcox schon immer kalt gelassen, obgleich der frühere Sergeant mit nationalen Tapferkeitsorden überhäuft und vom Präsidenten eingeladen worden war. Wilcox erschloss sich schlicht nicht, weshalb man sich an einem einzigen Tag im Jahr in Jubellaune stürzte und die Straßen mit Wimpeln und handgenähten Sternenbannern dekorierte.

Der Militärdienst hatte Wilcox gelehrt, dass die Nation an jedem Tag im Jahr zählte.

Beinahe hätte Wilcox bei diesem Gedanken vor Lachen losgeprustet, so leer und hohl kam er ihm vor. Er hatte Amerika eine halbe Ewigkeit gedient, und zum Dank hatte ihn das Land of the Free wegen einer verfluchten Prügelei aus allen Diensten entlassen. Er hatte einem Sergeant den Stuhl über den Schädel gezogen, nachdem der Wilcox beleidigt und seine Verdienste als Indianerjäger in Zweifel gezogen hatte.

"Was grübelst du schon wieder, Budd?", rief ihm Jacob Haggy zu, der auf der anderen Dachseite der Northern-Stagecoach- Postkutsche saß. Er umklammerte seine Springfield Model 1873 und wischte sich den Staub von der Nase. "Seit einer Stunde starrst du vor dich hin."

Die metallbeschlagenen Speichenräder der Concord-Kutsche holperten durch eine Wegrinne und ächzten gequält. Das Gespann war von Samaria aus nach Norden gefahren und hielt nun auf die fruchtbare Ebene westlich von Malad City zu. Sie hatten einige Ranches und Farmen passiert, die Mormonensiedlern gehört hatten.

"Nichts von Bedeutung!", knurrte Wilcox und wusste zur gleichen Zeit, dass Jacob ihn durchschaute. Sie hatten unzählige Fahrten miteinander absolviert, und der rothaarige Mann aus Kentucky kannte ihn gut. "Die Northern Stagecoach zahlt uns den Hungerlohn nicht fürs Denken."

Haggy nickte und ließ den Anflug eines Lächelns erkennen. Er hatte ein schmales Gesicht, dessen ausgezehrte Züge wie gemacht waren für die trostlose Gegend im südlichen Idaho. "Wo du recht hast, hast du recht."

Mit diesen Worten endete das Gespräch und machte dem Rattern und Quietschen der Postkutsche Platz, in dessen eintönigem Takt Wilcox die sonderbarsten Gedanken kamen. Er musste an die beiden Damen unter ihm in der Kutschkabine denken, die angeregt miteinander geplaudert hatten, noch während sie an der Station in Samaria gestanden hatten. Sie waren hübsch und schienen einem Abenteuer nicht abgeneigt.

Außer den Frauen war nur noch ein älterer Handelsreisender an Bord, der sein Ticket mit zwei zerknitterten Dollarscheinen beim Fahrer bezahlt hatte. Er hatte Haggy an einen früheren Präsidenten - Buchanan oder Pierce - erinnert, weshalb sie den Alten nur noch El Presidente genannt hatten.

Die Zügel vorn auf dem Bock hielt Abe Richfield in der Hand, ein bärtiger Haudegen, von dem Wilcox wusste, dass er selbst Mormonenfrauen um den Finger gewickelt hatte. Er redete nicht gern mit Richfield, der einen blökenden Ton pflegte und wie alle Fahrer nicht zu den Hellsten zählte.

"Fünf Meilen bis Malad City!", brüllte ihnen Richfield im selben Augenblick zu. Er drehte halb den Kopf zu ihnen. "Haltet die Flinten bereit! In der Gegend wimmelt's von Landstreichern!"

Was Wilcox betraf, hätte es einer solchen Mahnung nicht bedurft. Er war schon für die Northern Stagecoach gefahren, als all die Richfields und Turkmans und Shelleys noch Rinder von Texas nach Kansas getrieben hatten. Er kannte die Gegend zwischen Samaria und Malad City wie seine Westentasche.

Pffft!

Die Kugel zischte so knapp über Wilcox hinweg, dass er sie in der ersten Sekunde für einen vom Hinterrad heraufgeschleuderten Stein hielt. Als der "Stein" jedoch die Stirn von Jacob Haggy zerfetzte und mit einer Blutfontäne aus dessen Schädel schoss, riss Wilcox seinen Sharps-Karabiner an sich und warf sich flach aufs Kutschdach.

Rich

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