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Leas Plan Kriminalroman von Beckmann, Herbert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.11.2015
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
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Leas Plan

Wo ist Lea? Vergeblich wartet die Psychotherapeutin Rike van Punten auf ihre junge autistische Patientin. Das Mädchen ist spurlos verschwunden. Die Kriminalpolizei wird eingeschaltet, tritt aber auf der Stelle. Wurde Lea entführt? Lebt sie überhaupt noch? Rike van Punten ist in großer Sorge und ermittelt schließlich auf eigene Faust. Unterstützt von ihrem niederländischen Freund und Kollegen Henk deckt sie ein ungeheures Verbrechen auf: ein Netzwerk des Bösen, das keine Grenzen kennt. Und bald auch Rike selbst bedroht.

Herbert Beckmann, Jahrgang 1960, lebt mit seiner Familie in Berlin und ist Mitglied im VS Berlin-Brandenburg. Er schreibt Romane und Hörspiele. 2007 erschien sein erster Kriminalroman, er war mehrfach für den Sir-Walter-Scott-Preis nominiert (2010 und 2012). Im Gmeiner-Verlag erschienen historische und zeitgenössische Kriminalromane von ihm.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 291
    Erscheinungsdatum: 01.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783734993701
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 1824 kBytes
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Leas Plan

9. Kapitel

Draußen überwuchert ein Dickicht aus grauen Wolken die Sonne. Der Schatten hat für heute den Kampf gegen das Licht gewonnen. Und ich den gegen Zerberus verloren.

Aber manchmal, wenn man gerade aufgeben will, spielt einem das Schicksal im selben Moment eine Karte zu. Ich bin den backsteinigen Weg zurückgeschlichen, mein Blick streift ratlos eine Reihe niedriger Gebäude, da schießt er vom Parkplatz her auf mich zu. Der Junge mit der Weizenmähne hat es verdammt eilig in seinem Rollstuhl.

"He, Kevin, kann ich helfen?", rufe ich ihm zu, damit die Fahrt hierher nicht völlig nutzlos war. Zu meiner Überraschung nickt er atemlos und lässt die Räder ausrollen.

"Kannst mich schieben. Bin zu spät. Muss doch um ... um sechs in der Gruppe sein." Leichte Panik strahlt aus seinen braunen Augen.

Ich fasse die beiden weißen Plastikgriffe oben an der Rückenlehne und frage, wohin es gehen soll. Er dirigiert mich quer über den Parkplatz, zwischen den niedrigen Gebäuden hindurch bis zu einer Gruppe mächtiger Kastanien, lässt mich dort rechts abbiegen. Man sieht jetzt kaum noch einen Menschen auf dem Gelände, die Bewohner sind in ihren Gruppenräumen.

"Schneller!", fordert Kevin. "Oder rauchst du?"

"He, das ist ja wohl ...!" Eine Spitze, die ich ihm gar nicht zugetraut hätte. "Ich rauche nicht", keuche ich. "Aber schneller kann ich trotzdem nicht, Kevin!"

Wir steuern am Spielplatz vorbei auf einen der dahinter liegenden Pavillons zu. Endlich angekommen, wische ich mir mit dem Arm den Schweiß von der Stirn, ich fühle mich heiß und glitschig wie ein Reibekuchen.

"Danke", sagt er vor der Eingangstür seiner Wohngruppe und schaut befriedigt auf seine Armbanduhr. "Gerade noch rechtzeitig."

Ich brauche ein paar Sekunden, bis ich begreife, dass die Uhr keinen Glasdeckel und nur noch den Minutenzeiger hat. Kevin schaut zu mir auf, mit einem Gesicht wie ein Weihnachtsengel. Es ist dieses Flackern in den Augen, wie bei Lea manchmal, das mich ihn auf einmal fragen lässt, ob er sie eigentlich kennt. "Die Lea von der Gruppe Antonia", ergänze ich.

Unnötig. Er weiß, wen ich meine, nickt bedächtig, der Glanz verschwindet von seinem Gesicht wie eine kurze schöne Erinnerung. "Lea", sagt er tonlos. "Sie ist weg."

"Ja, weißt du etwas darüber? Hast du eine Ahnung, wo sie sein könnte?"

Er schüttelt den Kopf.

"Hm", sage ich wie zu mir selbst. "Ich würde zu gerne ihr Zimmer sehen. Einfach so."

"Pforte." Kevin weist mit dem spitzen Kinn in Richtung Hauptgebäude jenseits des Spielplatzes.

"War ich schon."

Kevin schaut mich plötzlich durchtrieben an, als wüsste er Bescheid. Über Zerberus. Dann weist er mit der Hand auf den hinteren Teil des Hauptgebäudes. Er ist, wie ich jetzt erst bemerke, offenbar weit älteren Datums als der vordere Teil, der etwa zwei Drittel des Gesamtkomplexes ausmacht. Hier wurde also zur Eröffnung mächtig an- und neugebaut.

"Siehst du den Hut?", fragt er.

"Den alten Turm mit der Spitze, am Gebäude hinten, meinst du?"

Er nickt. "In dem Hut ist noch ein Aufgang." Er grinst mich frech an. "Darf aber niemand benutzen. Nur Feuerwehr."

Ich lache und fahre dem Schlitzohr durch seine unglaubliche Goldmähne, streiche sie ihm in die sonnige Stirn.

"Kommst du mal wieder her, Rike? Am Wochenende?", fragt er sehr ernst.

"Ich kann's nicht versprechen, Kevin", lache ich verlegen.

Der Junge im Rollstuhl bleibt ernst. Schaut traurig zu mir hoch. Diese Antwort hat er sicher schon oft gehört.

"Tschüs, du Schlawiner!", sage ich etwas gezwungen zum Abschied und schleiche mit schlechtem Gewissen über die Spielwiese auf den Hintern von Haus Niklas zu. Als ich mich nach einer Weile noch mal umdrehe, ist Kevin verschwunden wie der Engel des Herrn.

Auf einem schmalen Schotterweg umrunde ich an gelblichen, vertrockneten Rasenstücken vorbei das Gebäude. Ein schm

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