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Liebessiegel Kriminalroman von Mucha, Martin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2015
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (PDF)
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Liebessiegel

Arno Linder ist am Ziel seiner Tr"ume angekommen. Er ist endlich Professor, er ist verheiratet und seine Laura erwartet ein Kind. Die schlimmen Tage scheinen hinter ihm zu liegen und allem kann er widerstehen - bloá der Versuchung nicht ... Die steht in Form seiner alten Jugendliebe Kaede Yoshikawa unerwartet vor der T r. Als diese pl"tzlich die Stadt verlassen muss kann Arno aufatmen - doch nur kurz. Kaede wird ermordet und Arno versucht, ohne das Wissen seiner Frau und der Polizei, den M"rder zu entlarven. Dr. Martin Mucha, geboren 1976 in Graz, studierte in Wien Philosophie, Geschichte und Theologie. Er arbeitet seit ber zehn Jahren im Bereich Drehbucherstellung f r Kino- und Fernsehfilme. Seiner ausgedehnten Reiset"tigkeit, vor allem nach Asien und Afrika, entsprang bislang ein Bild-Text-Band ber Afghanistan und Tadschikistan. Nach seinem viel beachteten Krimideb t ¯Papierkrieg® und den Folgeb"nden ¯Seelenschacher®, ¯Beziehungskiller® und ¯Erbschleicher®, die ebenfalls in seiner Wahlheimat Wien spielen, ist ¯Liebessiegel® sein f nfter Arno-Linder-Krimi im Gmeiner-Verlag. ¯Seelenschacher® stand 2011 auf der Shortlist f r den Leo-Perutz-Preis.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 278
    Erscheinungsdatum: 01.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839247679
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 2615 kBytes
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Liebessiegel

I

Institutssitzungen haben immer was Langweiliges. Administrative Angelegenheiten. Enervierendes Ennui. Immerzu Intrigen. Omnipräsente Omnachtung. Unpackbare Umsonstigkeit. Schon beim Gedanken daran switcht mein Hirn auf Deep Sleep Mode. Nicht mal Stabreime machen da mehr Spaß.

Es war einer dieser langen Nachmittage, und ich hörte dem Plappern einer Kollegin zu. Ob es um Sexismus, Heteronormativität oder das Aufbrechen patriarchaler Strukturen ging, ist mir nicht mehr erinnerlich. Jedenfalls startete die ganze Diskussion mit der Auswahl des neuen Kopierpapiers für das Institut. Von da war es nur mehr ein kleiner Schritt bis zum Geschlechterkampf. Da ich der einzige Vertreter meines Geschlechts in der Sitzung war, brach die gesamte Frustration des weiblichen Lehrkörpers über mich herein. Was sich in mancher Situation als lustvolle Erfahrung denken lässt. Nur halt nicht im Rahmen einer Institutssitzung. Ich zog mich in meinen Seelenpalast zurück und ließ die Damen diskutieren. In meinem Seelenpalast saß ich auf einem handgegerbten Ledersessel, trank Sencha und las Ovid. Wenn der gewusst hätte ...

Jedenfalls schreckte mich irgendwas auf. Ich kehrte an die Oberfläche meines Bewusstseins zurück und versuchte herauszufinden, was da nicht stimmte. Ich brauchte nur einen Augenblick. Es war still. Viel zu still. Alle blickten auf mich. Ich hatte doch nicht wieder laut gedacht? Nein, nein beruhigte ich mich. Langsam räusperte ich mich und blickte hoheitsvoll in die Runde. Nur keine Unsicherheit zeigen. Sie können Angst riechen. Um keinen Blödsinn zu sagen, biss ich die Zähne aufeinander und schwieg.

"Herr Professor Linder?", sprach mich Frau Glanicic-Werffel an. Ein hintergründiges Lächeln umspielte ihre Lippen. Meine Chefin, die Vorständin des Instituts, kannte mich genau. "Was halten Sie von dem Vorschlag?"

"Hm", machte ich und versuchte, gewichtig zu klingen. "Ein zweischneidiges Schwert."

Wieder machte ich eine kleine Pause und hoffte darauf, dass mich irgendeine der Kolleginnen unterbrechen würde. Normalerweise taten sie das alle Augenblicke. Aber jetzt nicht. Alle starrten mich an und warteten auf eine Wortspende. Ich war ins Eck gedrängt und fühlte mich wie Friedrich der Große im Siebenjährigen Krieg. Bloß ohne Siege, und Zarin Elisabeth wollte auch nicht sterben. Außerdem würde die Worte 'der Große' auch nie wer hinter meinen Namen auf einen Grabstein schreiben. Bitter.

"Also gut, ich bin dabei", meinte ich und hoffte inbrünstig, dass ich mich weder blamiert noch in irgendeine unangenehme Situation geritten hatte.

"Ausgezeichnet", meinte Glanicic-Werffel und hakte irgendwas auf ihrer Liste ab. "Und nun zurück zum ersten Punkt. Was ist mit dem Kopierpapier?"

Ein Summen und Brausen zog durch das Zimmer, wirbelte in den Ecken und verdichtete sich über dem langweilig modernen Schreibtisch, um den wir saßen, zu einer Gewitterstimmung.

"Es kann nicht sein, dass wir weiterhin Papier von einem Hersteller beziehen, der keine Frau in der Geschäftsführung hat. Wie vorhin schon ausgeführt: Ich habe recherchiert, war vor Ort, das ist eine Tatsache. Wir müssen dem Sexismus, den das männliche Patriarchat ..."

Weiter hörte ich ihr nicht zu. Das würde jetzt wieder eine halbe Stunde so weitergehen und damit enden, dass wir ein Papier haben würden, das doppelt so schlecht und vierfach so teuer war wie bisher. Was wiederum dazu führen würde, dass wir weniger Bücher ankaufen und weniger alte wieder instand setzen lassen können würden. Aber wir müssen halt alle Opfer bringen im großen Kampf. Ich beneidete den alten Gruber, das einzige andere männliche Mitglied des Instituts. Der musste nicht mehr an diesen Sitzungen teilnehmen, seitdem er ohne Schuhe und mit den Socken an der Nase am Institut aufgetaucht war. Er durfte nun zu Hause arbeiten. Wie man hörte, musste er allerdings auch ständig eine Windel tragen, aber das war ein kleiner Preis, wie

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