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Lindner und das Apfelmännle Ein Alb-Krimi von Seibold, Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.12.2015
  • Verlag: Silberburg-Verlag
eBook (ePUB)
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Lindner und das Apfelmännle

Jürgen Seibold legt seinen achten Krimi im Silberburg-Verlag vor: Geheimnisvolle Symbole und ungewöhnliche Tatwaffen sorgen für Spannung. Schauplatz ist diesmal das beschauliche Bad Boll am Fuß der Schwäbischen Alb. Auf einer Streuobstwiese im Bad Boller Ortsteil Eckwälden wird ein Toter gefunden, um ihn herum sind Mostäpfel auf dem Boden verstreut. Alles deutet darauf hin, dass er mit den Äpfeln 'gesteinigt' wurde. Ein Fall für Lindner? Der vom Dienst freigestellte LKA-Kommissar zählte jahrelang zu den besten Ermittlern. Doch der tragische Tod eines Kollegen hat ihn aus der Bahn geworfen - und in seinen Heimatort Bad Boll verschlagen. Zuerst sträubt sich Lindner zu ermitteln, denn Mordsachen sind ihm mittlerweile ein Graus. Und auch die zuständige Göppinger Kripo ist nicht gerade begeistert, dass der ehemalige Kollege auch noch mitmischt. Doch dann wird in der Wohnung des Opfers ein Männchen aus Äpfeln entdeckt - genauso eines, wie es zuletzt auch bei Lindner und vier anderen Boller Bürger morgens auf der Türschwelle stand. Jürgen Seibold, 1960 geboren und mit Frau und Kindern im Rems-Murr-Kreis zu Hause, ist gelernter Journalist, arbeitet als Buchautor, Musik- und Filmkritiker und betreibt eine Firma für Internet-Dienstleistungen. Beim Silberburg-Verlag hat er bisher Kriminal- und Unterhaltungsromane veröffentlicht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 30.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783842517103
    Verlag: Silberburg-Verlag
    Größe: 1022 kBytes
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Lindner und das Apfelmännle

Mittwoch, 21. September

Der Güterzug rollte wieder durch seine Träume, ratterte über die Gleise und nahm seine sterbende Fracht mit hinaus in die Nacht.

Stefan Lindner wälzte sich ein paar Mal hin und her, blieb dann verkrampft auf dem Rücken liegen, hielt unbewusst den Atem an und schreckte nach einigen Sekunden hoch. Er hustete, sah sich verwirrt um und begriff erst allmählich, wo er sich befand. Vor dem Fenster schwankte ein Ast im Wind, und es war kein Zug zu hören, natürlich nicht. Draußen prasselte der Regen auf den Hof herunter und wurde von einzelnen Windböen ab und zu gegen die Fensterscheibe gedrückt.

Lindner knipste die Nachttischlampe an und nahm sein Buch zur Hand. Der Thriller war nicht schlecht, aber irgendwie war ihm im Moment nicht so sehr nach Spannung. Ächzend wuchtete er sich aus dem Bett, schlurfte zum Regal hinüber und zog sich einen Comic heraus. Das zerlesene und etwas vergilbte Heft war jetzt genau das Richtige. Er kuschelte sich wieder in sein Bettzeug, blätterte ein wenig in der Bildergeschichte, und schon glitt ihm das Heft aus der Hand und landete mit einem leisen Klatschen auf dem Boden vor dem Bett.

Die Nachttischlampe erhellte weiterhin das Zimmer. Die Tapete mit den hellen Flecken, an denen früher Poster hingen. Den Kleiderschrank, den Schreibtisch, die Kiste mit den Indianersachen in der Ecke, den tragbaren Kassettenrekorder und die Dampfmaschine auf dem halbhohen Regal neben der Tür. Hier hatte Lindner seine Kindheit und Jugend verbracht, und hier wohnte er nun wieder, seit er vorübergehend außer Dienst gestellt worden war.

Psychische Probleme infolge des Todes eines Kollegen, hatte der Arzt attestiert. Doch daran dachte Lindner im Moment nicht. Er dachte gar nichts, er schnarchte lautstark und völlig entspannt. Für den Rest der Nacht würde er Ruhe haben vor ratternden Güterzügen. Immerhin.

Die Luft in dem kleinen Büro begann schon gegen halb zehn stickig zu werden, aber für den heutigen Vormittag hatten sich die beiden Beamten darauf geeinigt, dass die Fenster geschlossen blieben. Hansgeorg Heiderich war zwar der ältere und ranghöhere der beiden, aber sein Kollege Ralf Stegmüller konnte sehr unangenehm werden, wenn er mal wieder die Symptome einer vermeintlichen Allergie in sich aufsteigen fühlte - und daran war jedes Mal die hereinströmende frische Luft mit all ihren bösen Pollen und sonstigen quälenden Bestandteilen schuld.

Das Telefon klingelte, und Heiderich nahm - den Blick noch auf den Entwurf seines Schreibens gerichtet - ganz in Gedanken den Hörer auf.

"Regierungspräsidium, Heiderich", meldete er sich mechanisch, doch kurz darauf versteifte er sich ein wenig und fischte mit der rechten Hand einen Bleistift aus dem Schreibtischboy vor sich.

"Ja", brummte er nach einer Weile und begann einen Notizzettel mit Kreisen und Dreiecken vollzukritzeln.

Stegmüller fing den Blick seines Kollegen auf, aber der rollte nur genervt mit den Augen, zuckte kurz mit den Schultern und lächelte matt.

"Ja, ich weiß", sagte er dann wieder, und er schien sehr bemüht darum, seine Fassung zu wahren.

Stegmüller beugte sich wieder über seine Akten und kümmerte sich nicht weiter um den Kollegen - bis der plötzlich aufsprang und ein lautes "Nein!" in den Hörer bellte. Stegmüller zuckte zusammen und sah erschrocken auf. Heiderich stand nun verkrampft neben seinem Stuhl, fixierte den Wandkalender und presste die Lippen fest aufeinander. Fast eine Minute stand er so da, dann setzte er sich wieder und holte tief Luft.

"Das ist mir scheißegal!", brüllte er ins Telefon. "Und jetzt will ich meine Ruhe haben!"

Damit knallte Heiderich den Hörer auf den Apparat, drehte sich auf dem Schreibtischstuhl halb zur Seite und starrte zum Fenster hinaus. Stegmüller wartete auf eine Erklärung, aber der Kollege blieb still und unbeweglich sitzen.

"Alles in Ordnung, Herr Heiderich?"

Keine Antwort.

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