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Lindner und der klare Fall Filstal-Krimi von Seibold, Jürgen (eBook)

  • Verlag: Silberburg-Verlag
eBook (ePUB)
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Lindner und der klare Fall

Ausgerechnet Lindners langjähriger Intimfeind Kriminalkommissar Roeder bittet ihn um Hilfe. Dabei scheint der Fall klar: In Schlat bei Göppingen wird ein Geschäftsmann erstochen aufgefunden, daneben seine junge Frau mit blutigem Messer. Sie gesteht den Mord, doch Roeder hat Zweifel. Als Lindner übernimmt, ahnt er nicht, wie tief er sich in diese verwickelte Geschichte hineinziehen lassen wird, aus der er wohl nicht mehr unbeschadet herauskommt. Jürgen Seibold, 1960 in Stuttgart geboren, war Redakteur der Esslinger Zeitung, arbeitete als freier Journalist für Tageszeitungen, Zeitschriften und Radiostationen und veröffentlichte 1989 seine erste Musikerbiografie. Es folgten weitere Sachbücher für verschiedene Verlage (Heyne, Moewig, Knaur) mit einer verkauften Gesamtauflage von rund 1,2 Millionen Exemplaren. 2007 erschien bei Silberburg sein erster Regionalkrimi, 2010 die erste Komödie. Außerdem schreibt er Thriller und Jugendbücher. Jürgen Seibold lebt mit Frau und Kindern im Rems-Murr-Kreis und macht Musik - wenn er mal Zeit dafür findet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783842518186
    Verlag: Silberburg-Verlag
    Größe: 375 kBytes
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Lindner und der klare Fall

Mittwoch, 10. Oktober

"Und?", fragte Ruth Lindner und blinzelte knitz über den Tisch, "was hoschd heit?"

Eigentlich hatte sich die verwitwete Bauersfrau in den vergangenen Monaten den früher breiten Älbler-Dialekt abgewöhnt, und das auf ihre alten Tage. Denn die Städter, die ihr über die Wiesen am Albtrauf hinterhermarschierten, während sie mit dem alten Traktor vorneweg knatterte und das zügige Tempo vorgab, verstanden sie nun mal besser, wenn sie sich zu dem bequemte, was sie für reines Hochdeutsch hielt. Und auf das schöne Zugeld zur Rente, das sie sich mit Albtrauf-Touren rund um Bad Boll verdiente, mochte sie nicht mehr verzichten.

Das war auch vielen anderen nur recht: Sie war inzwischen eine der Attraktionen der Gegend, kein Ferienprogramm, nicht einmal der überaus beliebte "Sommer der Verführungen", kam ohne eine, zwei oder gar drei Veranstaltungen mit der rührigen Ruth aus - und manchmal blieben Boller Kurgäste oder andere Spaziergänger stehen, fotografierten sogar, wenn Ruth Lindners Traktor vor ihnen auftauchte und über Wiesen und Wanderwege rumpelte, dicht gefolgt von einer Traube stramm ausschreitender Gäste mit geröteten Gesichtern und fabrikneuer Wanderausrüstung.

Alle Stunde hatte Ruth ein Einsehen mit ihren Begleitern. Dann lenkte sie ihren Schlepper zu einer Stelle mit besonders schönem Blick auf Boll und die Drei Kaiserberge, schlug die Plane auf der Ladefläche zurück und bewirtete die Ausflügler mit Most, Hartwurst und selbst gebackenem Bauernbrot. Manchmal endeten die Touren ein Stück oberhalb des Lindner-Hofs an der Gruibinger Straße, wo es dann im Badhotel Stauferland ein zünftiges Büffett gab und die Wanderer aus der Stadt bei Bier und Wein wieder zu Atem kommen konnten. Manchmal teilte Ruth zum Abschluss frisch gebackene, aber während der Tour natürlich leider kalt gewordene Bätscher im Tempele aus, dem überdachten Aussichtspunkt beim Schützenhaus. Und manchmal führte sie ihre Gäste in den Hirschen in der Boller Ortsmitte, wo Wirtin Chiara ihren berühmten Wurstsalat Speciale servierte - in dem luftgetrocknete Salami die sonst übliche Schwarzwurst ersetzte.

Seit ihrem Erfolg mit diesen Touren sprach sie nur noch in drei Fällen den ursprünglichen Dialekt so ausgeprägt wie früher: Wenn sie mit ihren "Boller Mädle", allesamt schon etwas reifere Jahrgänge, im Bürgertreff zusammensaß und mit reichlich Likör anstieß, wenn sie mit ihrem Freund Eugen turtelte - und wenn sie ihren Sohn Stefan auf die Schippe nahm. Entsprechend mürrisch antwortete der nun auch auf die Frage.

"Nix hab ich, was soll ich auch haben?"

"Koine Schmerza?"

"Nein."

"Koin Schnupfa?"

"Nein, auch keinen Schnupfen, Mutter - und jetzt lass gut sein, bitte! Was willst du eigentlich? Hab ich mich heut wegen irgendetwas beschwert?"

Ruth Lindner zwinkerte ihm zu und kicherte. Sie nahm den Apfel von ihrem Teller und schnitt ihn in schmale Spalten.

"Noi, du hosch di net beschwert", sagte sie schließlich. "Aber i will halt net, dass du schlapp machsch, wenn du nochher mit dr Maria ausgohsch ..."

Sie kicherte erneut, und als Lindner die Augen verdrehte, lachte sie schallend.

"Was gibt's denn hier so Lustiges?", fragte Maria, die in diesem Moment in die geräumige Küche kam. Lindner winkte nur ab, stand auf und ging ins Bad.

Als er zwanzig Minuten später frisch geduscht und umgezogen in die Küche zurückkehrte, lachten die beiden Frauen so herzlich miteinander, dass Lindner fast ein bisschen eifersüchtig wurde. Doch Maria stand auch schon auf, schnappte sich ihre Handtasche und gab ihrem Freund einen Kuss. Dann hakte sie sich unter, nickte Ruth noch einmal zu und bugsierte Lindner in Richtung Haustür.

"

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