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Mörderisches Lavandou Leon Ritters fünfter Fall von Eyssen, Remy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.05.2019
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Mörderisches Lavandou

Die Feriensaison in Le Lavandou ist zu Ende, und der kleine Ort sollte sich vom sommerlichen Trubel erholen. Auch Rechtsmediziner Leon Ritter hat nun mehr Zeit, um seinen Lieblingsbeschäftigungen nachzugehen: Café au lait trinken und Boule spielen. Da verschwindet eine Hotelangestellte in den einsamen Hügeln der Provence, und kurz darauf wird ihre Leiche gefunden. Damit sind auch Leon Ritters Hoffnungen auf einen beschaulichen Spätsommer dahin. Schnell gibt es einen ersten Verdächtigen, doch Leon zweifelt an dessen Schuld. Er stellt eigene Nachforschungen an und steht deshalb bald selbst in der Kritik. Die einzige, die noch zu ihm hält, ist seine Lebensgefährtin, Capitaine Isabelle Morell, doch plötzlich ist die stellvertretende Polizeichefin verschwunden...

Remy Eyssen (Jahrgang 1955), geboren in Frankfurt am Main, arbeitete als Redakteur u.a. bei der Münchner Abendzeitung. Anfang der 90er Jahre entstanden die ersten Drehbücher. Bis heute folgen zahlreiche TV-Serien und Filme für alle großen deutschen Fernsehsender im Genre Krimi und Thriller. Mit seiner Krimireihe um den Gerichtsmediziner Leon Ritter begeistert er die Leserinnen und Leser und landet regelmäßig auf der Bestsellerliste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 02.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843720731
    Verlag: Ullstein
    Serie: Ullstein Taschenbuch 29126
    Größe: 2955 kBytes
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Mörderisches Lavandou

Prolog

Die Frau lief den schmalen Pfad entlang, der sich viele Kilometer weit über die Höhen des Massif des Maures schlängelte. Vorbei an den immergrünen Ginsterbüschen und unter den gewaltigen Esskastanien hindurch, aus deren Früchten man in dieser Gegend Maronencreme herstellte. Von hier oben reichte der Blick weit über das Naturschutzgebiet bis hinunter zur Küste. Im Osten konnte man im Dunst des Nachmittags die schneebedeckten Gipfel der Alpes Maritimes erahnen. Vor sich, genau im Westen, sah die junge Frau jetzt die flache Sonne, die sich hinter Toulon auf das Meer zu senken schien.

Doch die junge Frau konnte den Zauber dieser grandiosen Landschaft nicht genießen. Die Frau hatte Angst. Was hatte sie sich nur dabei gedacht, hier oben zu laufen? Sie hätte wissen müssen, dass sie zu dieser Jahreszeit ganz allein auf ihrer Lieblingsstrecke sein würde. Hätte wissen müssen, dass es Anfang Oktober schon viel früher dunkel wird. Verdammt, sie hätte gar nicht hierherkommen sollen. Die Läuferin war professionell ausgerüstet: halblange Jogginghose, atmungsaktives Shirt und eine federleichte Gore-Tex-Jacke gegen den Wind. Doch sie lief unsicher, stolperte, fing sich wieder und versuchte verzweifelt ihren Rhythmus zu finden. Sie warf einen gehetzten Blick über die Schulter. Folgte ihr jemand?

Die Läuferin versuchte, sich ganz auf den Pfad zu konzentrieren, der jetzt bergan führte. Ihr Atem ging stoßweise. Ihre Schritte waren unbeholfen, sie fürchtete, erneut zu stolpern. Noch ein Fehltritt und sie würde stürzen. Irgendwohin zwischen die Dornen der Zistrosen und die harten Zweige der Rosmarinbüsche. Seit einer Viertelstunde fühlte sie den stechenden Schmerz im linken Fuß - bei jedem Schritt. Sie hätte den Lauf längst abbrechen müssen. Sie wollte sich doch schonen, wollte mehr Verantwortung zeigen. Ja, verdammt, sie wusste, dass sie auf sich achten musste, gerade jetzt. Aber sie konnte sich nicht schonen. Jetzt musste sie laufen, so schnell sie konnte. Sie hatte Angst, panische Angst. Die junge Frau verlor für einen Augenblick den Halt, glitt mit dem Fuß von einem glatten Felsen ab und taumelte. Sie unterdrückte einen Schrei, als ihr der Schmerz wie ein Messer in das Fußgelenk fuhr. Es ist bestimmt nur eine Zerrung, beruhigte sie sich, nur eine Zerrung.

Auf keinen Fall durfte sie in Panik geraten. Vielleicht bildete sie sich ja alles nur ein. Das Knacken kam vom Wind in den Ästen. Das Rascheln waren Kaninchen und Dachse, die sie mit ihrem einsamen Lauf aufscheuchte. Es gab niemanden, der ihr folgte. Sie war einfach nur überempfindlich. Das hatte auch der Arzt gesagt. War das ein Wunder? Die Beerdigung ihrer Mutter lag noch kein halbes Jahr zurück. Und trotzdem griff sie gelegentlich noch zu ihrem Handy, um sie anzurufen. Ob dieser Impuls jemals verschwinden würde? Sie hatte sich das anfangs nicht eingestehen wollen, aber mit dem Tod der Mutter hatte sie auch einen Teil ihrer Selbstsicherheit verloren. Die war einfach verschwunden, wie Wasser im Sand.

»Wir schaffen das schon, du musst Geduld haben«, hatte ihr Vater gesagt. Aber die Tränen in seinen Augen sagten, dass er den eigenen Worten nicht glaubte.

Die junge Frau versuchte, regelmäßiger zu atmen. Sog die warme Oktoberluft ein und ließ sie langsam wieder aus der Lunge herausströmen. Zwei Schritte ein-, vier Schritte ausatmen. Wäre es nach ihr gegangen, hätte sie bestimmt nicht den Job in Lavandou angenommen. Aber sie hatte es ihrer Mutter versprochen, kurz vor deren Tod. Das Hotel in Arles konnte ihr Vater unmöglich allein führen und ihr fehlte die Erfahrung. Also war sie in Le Lavandou gelandet. Sechs Monate Praktikum in einem Viersternehotel. Am Anfang dachte sie, sie würde es keine Woche aushalten. Das war jetzt vier Monate her. Sie hätte das Hotel der Eltern nicht so früh übernehmen wollen. Sie wollte erst mal herumreisen. New York, Paris, London, Singapur. Es gab so viele aufregende Orte auf der Welt.

In diesem

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