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München von Harris, Robert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.10.2017
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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München

September 1938 - in München treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz. Der Weltfrieden hängt am seidenen Faden. Im Gefolge des britischen Premierministers Chamberlain befindet sich Hugh Legat aus dem Außenministerium, der ihm als Privatsekretär zugeordnet ist. Auf der deutschen Seite gehört Paul von Hartmann aus dem Auswärtigen Amt in Berlin zum Kreis der Anwesenden. Den Zugang zur Delegation hat er sich erschlichen. Insgeheim ist er Mitglied einer Widerstandszelle gegen Hitler. Legat und von Hartmann verbindet eine Freundschaft, seit sie in Oxford gemeinsam studiert haben. Nun kreuzen sich ihre Wege wieder. Wie weit müssen sie gehen, wenn sie den drohenden Krieg verhindern wollen? Der neue Politthriller von Robert Harris - ein Roman über Hochverrat und Unbestechlichkeit, über Loyalität und Vertrauensbruch. Und wie immer bei Robert Harris lassen sich über die historischen Figuren und Ereignisse erhellende Bezüge zur aktuellen Weltpolitik herstellen. Robert Harris wurde 1957 in Nottingham geboren und studierte in Cambridge. Seine Romane "Vaterland", "Enigma", "Aurora", "Pompeji", "Imperium", "Ghost", "Titan", "Angst", "Intrige", "Dictator", "Konklave", "München" und zuletzt "Der zweite Schlaf" wurden allesamt internationale Bestseller. Seine Zusammenarbeit mit Roman Pola?ski bei der Verfilmung von "Ghost" ("Der Ghostwriter") brachte ihm den französischen "César" und den "Europäischen Filmpreis" für das beste Drehbuch ein. Die Verfilmung von "Intrige" - wiederum unter der Regie Pola?skis - erhielt auf den Filmfestspielen in Venedig 2019 den großen Preis der Jury, den Silbernen Löwen. Robert Harris lebt mit seiner Familie in Berkshire.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 30.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641213725
    Verlag: Heyne
    Serie: Heyne Bücher 47168
    Originaltitel: Munich
    Größe: 2179 kBytes
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München

2

Die Wilhelmstraße im Herzen des Regierungsviertels von Berlin. Paul von Hartmann saß an seinem Schreibtisch in dem weitläufigen, dreistöckigen Bau aus dem 19. Jahrhundert, der das deutsche Außenministerium beherbergte. Er dachte über das Telegramm nach, das in der Nacht aus London eingetroffen war.

Vertraulich

London, 26. September 1938

Im Namen unserer alten Freundschaft und unseres gemeinsamen Wunsches nach Frieden zwischen unseren Völkern bitte ich Eure Exzellenz dringend, allen Einfluss geltend zu machen, um eine Verschiebung des entscheidenden Vorrückens am 1. Oktober auf einen späteren Zeitpunkt zu erreichen, damit die hitzigen Gemüter sich abkühlen können und sich Gelegenheit findet, eine Regelung der Angelegenheit zu erzielen.

Rothermere, Fourteen Stratton House, Piccadilly, London

Von Hartmann zündete sich eine Zigarette an und grübelte über die passende Form der Antwort nach. In den sieben Monaten seit Joachim von Ribbentrops Amtsantritt als Reichsaußenminister war er oft damit betraut worden, eingehende Nachrichten vom Englischen ins Deutsche zu übersetzen und dann im Namen des Ministers eine Antwort zu entwerfen. Zunächst hatte er sich an den herkömmlichen formellen und neutralen Tonfall des Berufsdiplomaten gehalten. Viele dieser Entwürfe waren als unzureichend nationalsozialistisch zurückgewiesen worden - manche hatte ihm SS -Sturmbannführer Sauer aus von Ribbentrops Stab sogar persönlich überbracht -, durchgestrichen mit einem dicken schwarzen Stift. Da er auf der Karriereleiter weiter aufsteigen wollte, hatte er sich gezwungen gesehen, eine gewisse Anpassung seines Stils vorzunehmen. Nach und nach hatte er sich antrainiert, das bombastische Gehabe und die radikale Weltsicht des Ministers zu imitieren. Und in diesem Geiste machte er sich an die Arbeit, für Viscount Rothermere, den Besitzer der Daily Mail, eine Antwort zu formulieren. Er steigerte sich in eine Pseudoempörung hinein und hackte geradezu mit der Schreibfeder auf das Papier ein. Besonders der letzte Absatz erschien ihm meisterhaft gelungen:

Der Gedanke, das wegen des Sudetenproblems, das für England völlig nebensächlicher Natur ist, zwischen unseren beiden Völkern der Frieden gebrochen werden könne, scheint mir Wahnsinn und ein Verbrechen an der Menschheit. Deutschland hat England gegenüber eine schnurgerade Politik der Verständigung verfolgt. Es wünscht den Frieden und die Freundschaft mit England, aber wenn fremde bolschewistische Einflüsse in der englischen Politik Oberwasser bekämen, ist Deutschland auf jede Eventualität vorbereitet. Die Verantwortung vor der Welt für ein solches Verbrechen würde aber niemals auf Deutschland fallen können, das wissen Sie, mein lieber Lord Rothermere, am besten von allen.

Er blies auf die Tinte. Bei von Ribbentrop konnte man wirklich nie zu dick auftragen.

Von Hartmann zündete sich eine neue Zigarette an. Er begann noch einmal von vorn, blinzelte durch den Rauch auf das Papier und änderte hier und da eine Kleinigkeit. Seine Augen hatten eine auffallend violette Färbung, sein Blick war leicht verschleiert. Er besaß eine hohe Stirn, der Haaransatz hatte sich trotz seinen erst neunundzwanzig Jahren schon fast bis zur Schädelmitte zurückgezogen. Der Mund war breit und sinnlich, die Nase kräftig - es war ein lebhaftes und ausdrucksstarkes Gesicht: einnehmend, ungewöhnlich, fast hässlich. Und doch war es ihm gegeben, dass sowohl Männer als auch Frauen ihn mochten.

Er wollte gerade den Entwurf in den Korb für die Schreibkräfte legen, als er ein Geräusch hörte. Vielleicht war es präziser zu sagen, dass er das Geräusch spürte . Es schien durch die Schuhsohlen zu dringen und an den Stuhlbeinen emporzukriechen. Die Blätter in seine

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