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Magisches Glas PreußenKrimi von Münchow, Werner (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.08.2013
  • Verlag: be.bra verlag
eBook (ePUB)
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Magisches Glas

Berlin 1797. Auf dem Koppenschen Armenfriedhof wird eine Leiche gefunden, doch es gibt keinerlei Hinweise auf die Todesursache. Bei der Sektion in der Charité findet sich im Magen des Toten eine Kette mit einem Pentagramm. Bevor Polizeisergeant Gustav Reiser der Sache weiter auf den Grund gehen kann, wird die Leiche gestohlen. Als wenig später auch noch die Nichte seiner Zimmerwirtin spurlos verschwindet - und mit ihr das mysteriöse Pentagramm - steht Reiser vor einer Bewährungsprobe. Gegen den Willen seiner Obrigkeit kommt er einem schier unglaublichen Geheimnis auf die Spur ... Ein spannender Fall um Okkultismus, Geisterbeschwörung und eine Intrige, die bis in die höchsten Ebenen der Macht reicht. Der Auftakt einer neuen PreußenKrimi-Reihe mit Kriminalkomissar Gustav Reiser.

Werner Münchow, geboren 1945, besuchte die Schule in Lübeck und Bochum, studierte in Mannheim und Gießen und hatte im Rahmen der deutschen und internationalen Entwicklungszusammenarbeit zahlreiche Einsätze in Afrika, Ostasien und im Vorderen Orient. Neben Sachliteratur veröffentlichte Münchow in den letzten Jahren Hörbücher, Kurzkrimis und Kriminalromane, zuletzt 'Scharfes Glas' (2010).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 15.08.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839361252
    Verlag: be.bra verlag
    Serie: Gustav Reiser Bd.1
    Größe: 1078 kBytes
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Magisches Glas

3

Als die drei die Friedrichstraße erreichten, war es vor den Stallungen der reitenden Artillerie wieder ruhig geworden. Ein alter Mann kehrte mit dem Besen Pferdeäpfel auf ein Blech und kippte sie in einen Handwagen. Er zeigte auf seine Ernte, zwinkerte Reiser zu und verriet ihm streng vertraulich, die seien für den Garten die besten. Weil die Gäule so gut genährt würden, viel besser als die Schindmähren der Droschken, die oft nicht mal einen richtigen Stall hätten und jeden Dreck zu fressen kriegten, sogar Blätter und Schilf. Dabei könne doch kein manierlicher Mist herauskommen.

Vor dem Oranienburger Tor patrouillierten Soldaten. Sobald das seltsame Trio näher kam, alarmierten sie ihre Kameraden. Bald hing ein gutes Dutzend von ihnen in den Fenstern der Wache und übertrumpfte sich gegenseitig mit Hänseleien. Ob dem Passagier die holprige Fahrt der Karosse nicht bekommen sei? Oder das ewige Rumpeln? Oder waren sie schon so lange unterwegs, dass er darüber verstarb? Zum Friedhof ginge es aber in die andere Richtung. Die Kiste ließe sich viel bequemer tragen, wenn Griffe dran wären. Einfach an den Seiten Löcher reinsägen und Arme und Beine durchstecken.

Die beiden ließen sich nichts anmerken, Reiser tat unbeteiligt. Die Scherzbolde wollten sich schier ausschütten vor Lachen, und ihr Johlen verfolgte sie noch, als sie schon in die Charitéstraße eingebogen waren.

Hier wurde der Gestank der Artillerieställe, von der feuchtkalten Luft noch verstärkt, atembeklemmend. Pferdepisse lief in den Rinnstein, schwappte träge darin herum, versickerte im Boden. Die ätzenden Ausdünstungen machten den Gebäuden zu schaffen, drangen in den Putz der Wände und die Balken der Decken. Die Fassaden bröckelten vor sich hin. Um nicht von Brocken getroffen zu werden, die bisweilen herabstürzten, gingen die Passanten so nah wie möglich an der Akzisemauer. Hinter ihr, schon außerhalb der Stadt, lag der riesige Garten der Charité. Jeder Patient des Krankenhauses musste dort tatkräftig seinen Beitrag zur Versorgung mit frischem Obst und Gemüse leisten, ausgenommen er lag gerade unter dem Messer eines Chirurgen.

Bei der Panke endete die Bebauung. Die sowieso recht schmale und schlechte Straße ging in den Patrouillenweg entlang der Palisaden über, wenig gepflegt und voller Löcher. Als der Sarg auf dem schwankenden Karren zu poltern begann, ermahnte Reiser die beiden, mehr achtzugeben, damit dem Toten nicht nachträglich noch alle Knochen gebrochen würden.

"Dett wird den nich mehr jucken, der is fern von alle weltlichen Freuden und Leiden."

Reiser erwiderte nichts und ging neben dem Karren her, um Sarg und Leichnam zu sichern, falls sie zu rutschen begannen. Linker Hand lagen die Weiden der Tierarzneischule. Rinder, Pferde, Schafe hoben gelangweilt ihre Köpfe und folgten den drei Männern und ihrem Karren mit großen Augen, ohne die malmenden Bewegungen ihrer Kiefer zu unterbrechen.

Im Hintergrund erhob sich eine imposante Kuppel. Das Gebäude darunter wurde von Sträuchern und Bäumen verdeckt. Von Nahem hatte Reiser es noch nie gesehen.

Sie bogen in eine schmale Allee ein, die an der rückwärtigen Seite des Hauptgebäudes der Charité verlief. Hecken begrenzten bescheidene Grünflächen, auf denen Patienten Laub zusammenharkten und innehielten, als sie den Karren mit seiner Fracht erblickten. Reiser fragte einen von ihnen, wo er den Chirurgen finden könne. Der Mann wies, ohne ein Wort zu sagen, auf den Querriegel des ursprünglichen Pesthauses. Mit seinem durchhängenden Dach glich es mehr einer abbruchreifen Ruine als einer berühmten Krankenanstalt.

Aus der Nähe wurde erst richtig deutlich, wie heruntergekommen der ganze Bau war. Die Ständer des Fachwerks begannen zu verrotten, überall bröselte der nackte Lehm aus den Fächern. An Türen und Fenstern platz

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