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Maibock Ein Fall für Anne Loop von Steinleitner, Jörg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2015
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Maibock

Eine Bootsfahrt über den Alpensee - romantischer könnten sich Fiorella und Thorsten Franke ihre Flitterwochen kaum vorstellen. Doch beim Blick über die Reling trauen sie ihren Augen kaum: Ein lebloser Körper schwimmt geistergleich hinter dem Schiff her! Sieht so die weiß-blaue Urlaubsidylle aus? Für Anne Loop, die zuständige Polizistin, stellen sich noch ganz andere Fragen: Wer ist der Tote im Nadelstreifenanzug? Und besteht ein Zusammenhang mit dem hinterfotzigen Maibaum-Diebstahl, der die Seegemeinden gerade in Aufruhr versetzt?

Jörg Steinleitner, geboren 1971 im Allgäu, studierte Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule in Krems/Wien. 2002 ließ er sich nach Stationen in Peking und Paris als Anwalt in München nieder. Er veröffentlichte mehrere Bücher - neben den bei Piper erschienenen Anne-Loop-Krimis auch das kulinarische Erlebnisbuch "Heimat auf dem Teller", für das er eine Auszeichnung erhielt. Für das Online-Literatur- und Kulturmagazin Buchszene schreibt er die Kolumne "Steinleitners Woche". Seine Lesungen inszeniert er als kriminalistisches Hörspiel-Kabarett. 2013 gründete der Autor den Stiftungsverein für Leben und Kultur e.V., mit dem er existenzielle und kulturelle Projekte fördert. Steinleitner teilt sein Leben am oberbayerischen Riegsee mit einer Frau, drei Kindern und ebenso vielen Wachteln.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 09.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492967938
    Verlag: Piper
    Serie: Anne-Loop-Reihe 5
    Größe: 1127 kBytes
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Maibock

Ein Sektionssaal ist kein Kindergarten.

Johnny Fritzenkötter, Pathologe

ZWEI

Donnerstag

Am nächsten Vormittag fanden sich Anne Loop, Sepp Kastner und Kurt Nonnenmacher im Sektionssaal der Rechtsmedizin ein. Als der Dienststellenleiter der kleinen Inspektion vom See Gerald "Gerry" Adamos Leiche auf dem Sektionstisch erblickte, entfuhr ihm ein "Halleluja". Doch Schwester Heike stand schon hinter ihm und stärkte dem schweren Mannsbild den Rücken. Einmal mehr bewahrheitete sich die Regel, dass sich in den gröbsten Klötzen die zartesten Seelen verbergen. Würde Nonnenmacher auch dieses Mal wieder ohnmächtig werden?

Rechtsmediziner Fritzenkötter, der ein kleiner, dicker, blondgeschopfter, dem Alkohol nicht abgeneigter kettenrauchender Franke war, pflegte bei der Arbeit stets auch den halben Filter seiner billigen Zigaretten mitzurauchen. Anne vermutete, dass dies an seiner außergewöhnlichen Konzentrationsfähigkeit lag und dass Fritzenkötter mithin gar nicht merkte, wie er den hochgiftigen Filterrauch in sich hineinsog. Der Geruch der Billigzigaretten - darüber waren sich die Ermittler einiger als die bayerische Bevölkerung darüber, welcher der beste Fußballverein der Welt war - grenzte an Körperverletzung.

Fritzenkötter hielt sich nicht lange mit Höflichkeitsfloskeln auf, sondern erstattete den Ermittlern Bericht: "Also erst einmal is er dod", eröffnete er seinen Vortrag. Keiner wagte es, einen Kommentar zu dieser überflüssigen Einleitung abzugeben, aber alle verdrehten innerlich die Augen. Fritzenkötters Blick fixierte den vor ihm liegenden Körper. "Zweidens ist er erdrunken. Drittens war des zwischen vierundzwanzig Uhr und sechs Uhr."

"Das kann nicht sein", würgte Nonnenmacher hervor - der Leichengeruch und Fritzenkötters Zigarette machten ihm zu schaffen -, "weil nach Mitternacht ist das Schiff nicht mehr gefahren bis um Viertel vor zwölf." Wie ein Blinder suchte der Dienststellenleiter mit seinen Pranken Halt im Brustbereich von Schwester Heikes Arztkittel. Doch die war zum Glück eine kräftige Person und stand fest wie eine Eiche am Hirschberg.

"Kurt, magst nicht rausgehen?", schlug Kastner geradezu zärtlich besorgt vor.

"Ja, Herr Nonnenmacher, wir halten die Stellung für Sie", stimmte Anne dem Kollegen bei.

Als hätte er den Wortwechsel nicht gehört, sagte Fritzenkötter zu seiner Assistentin: "Ach, Heigge, könnten S' uns net a weng a Mussik anmachen?" Schwester Heike wandte sich zu dem neben einem Foto des neuen Papstes stehenden Radioapparat und drehte den Einschaltknopf.

"Also nochmal ... ertrunken ... urrrrgh", würgte Nonnenmacher, "sakra, stinkt dieses Leicheng'lump! ... Also ertrunken kann der nicht sein, weil das Schiff nicht bewegt worden ist in der Zeit."

"Wenn ich sagen tu, dass der erdrunken is, dann is der erdrunken." Der Rechtsmediziner ließ sich nicht aus der Fassung bringen und zündete eine neue Zigarette am glimmenden Filter der alten an. "Der Mann is ganz glar erdrunken. Ob des Schiff bewegt worden ist oder net, weiß ich net. Ich bin kein Audomechaniker. Aber erdrunken ist der."

"Was macht Sie denn so sicher, Herr Fritzenkötter?" Anne glaubte dem Arzt und wollte das Gespräch wieder in sachlichere Bahnen führen. Fritzenkötter zog noch einmal so stark an der Zigarette, dass es knisterte, dann sagte er: "Des is ganz einfach: Erstens ist im Magen mehr Wasser drin wie normal. Zweitens seht ihr noch weiße Trocknungsspuren von anner Schaumbilzbildung um den Mund rum. Der Schaumbilz aber entsteht bloß bei Erdrunkenen."

"Könnten Sie das bitte etwas genauer erklären?", forderte Anne, und einmal mehr dachte sich Kastner, dass mit jedem Satz, den die an sich sympathische Rheinländerin sprach, zwischen den Zeilen ein ungeduldiges "Ja, aber, ja, aber, ja, aber" mitschwang, was - dessen war sich Kastner einigermaßen sicher - jedoch keineswegs unfreundlich gemeint war,

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