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Manche mögen's tot Die K&K Schwestern ermitteln von Kruse, Tatjana (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2019
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
10,99 €
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Manche mögen's tot

Wie man sich bettet, so liegt man. Gilt auch für Särge. Konny geht bis zum Äußersten und serviert den Gästen ihrer Pension koffeinfreien Kaffee. Während ihre Schwester Kriemhild beim Pilzesuchen den Schuss gehört hat. Mit dem ein stadtbekannter Wohltäter eine Frau erschossen hat, die er anschließend im Kofferraum abtransportiert. Nicht ohne vorher zu versuchen, Kriemhild auch aus dem Weg zu räumen. Mithilfe von schwarzem Johannisbeersaft überzeugt sie den Mörder, dass sein Versuch, sie unschädlich zu machen, ausreichend war. Als leidlich unsichtbarer Geist sucht Kriemhild nach Beweisen für den Mord, während Konny ihre "Beerdigung" plant. Nacktkater Amenhotep, der dauerfluchende Papagei Chuck Norris und die nervtötend anspruchsvolle Gästeschar sind dabei nicht hilfreich. Tatjana Kruse, Jahrgangsgewächs aus süddeutscher Hanglage, wuchs in einem reinen Frauenhaushalt auf.Zudem befand sich dieser Frauenhaushalt in einem Kleinstadthotel, das von ihrer Mutter geleitet wurde. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Tatjana Kruse das literarisch aufarbeitete. Mittlerweile ist sie von Beruf Kriminalschriftstellerin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 17.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458762614
    Verlag: Insel Verlag
    Serie: insel taschenbuch 4710
    Größe: 2499 kBytes
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Manche mögen's tot

Tot, toter, am tötesten

Die Binse, dass es nie so schlimm kommt, wie man befürchtet, ist frech gelogen.

Dachte Kriemhild, als sie die Kugeln auf sich zufliegen sah ...

Natürlich kann man abgefeuerte Pistolenkugeln im Flug nicht wirklich sehen. Dafür sind sie viel zu schnell. Aber in diesen Momenten zwischen Leben und Tod verlangsamt sich die Zeit. Wie in einem Matrix-Film. Nicht nur auf der Leinwand, auch in der süddeutschen Provinz.

In dieser verlangsamten Zeit sah Kriemhild sich selbst, wie sie an diesem Morgen in ihrem grauen Staubmantel die Pension, die sie mit ihrer Schwester führte, verlassen hatte.

Alle anderen schliefen noch. Die Sonne ging gerade auf. Eine Amsel zwitscherte, ein Schaf blökte, die vorüberfahrende Zeitungsfrau rief einen Morgengruß. Jeder andere hätte das für pure Idylle gehalten.

Nicht so Kriemhild.

Kriemhild fand die Sonne, die gerade so über die Hügel auf der anderen Talseite lugte, zu grell. Die Amsel und das Schaf waren ihrer Meinung nach vermutlich auf Speed, weil sie so enthemmt klangen wie Death-Metal-Leadsänger auf dem Wacken Open Air. Und die Tageszeitungen vorn an der Auffahrt aus einer fahrenden Rostlaube zu werfen, wie es die Zeitungsfrau tat, während sie "Guten Morgen" oder "Ihr könnt mich alle mal" rief (aufgrund der Entfernung konnte man das nicht recht verstehen), erschien Kriemhild wie ein Fehdehandschuh, den man ihr ins Gesicht knallte.

Es gibt Menschen, die die Welt rosarot sehen. Oder doch mehrheitlich bunt. In Kriemhild waren diese Wahrnehmungsfarbskalen nicht angelegt. Für sie war alles grau. Es entsprach nicht ihrem Naturell, heiter zu sein. Das stieß manch einem sauer auf, aber wenn man sie erst einmal näher kannte oder sie auch einfach nur so sein ließ, wie sie war, dann wurde einem klar, dass in ihrem hageren Bohnenstangenkörper ein gutes Herz schlug.

Sie hatte es nicht leicht gehabt. Nie viel Geld, dafür viele Schicksalsschläge in ihrem über sechzigjährigen Leben. Weil sie immer filterlos die Wahrheit sagte - oder das, was sie dafür hielt -, war ihr Freundeskreis eher klein zu nennen. Sie erfüllte ihre Pflichten; ohne zu murren, aber auch ohne Spaß. Kriemhild verstand nicht, warum der eine oder die andere sie bemitleidete. So war das Leben eben. Man kam auf die Welt, dann ging es auf und ab wie in einer Achterbahn (bei manchen mehr ab als auf, aber sei's drum), und am Ende starb man.

Das hieß nicht, dass Kriemhild unfähig war, die kleinen Freuden des Lebens zu genießen. An diesem Morgen hatte sie beispielsweise ausgiebig heiß geduscht - ein Luxus, der vor der jüngsten Rundumsanierung der Pension nicht garantiert war, weil die Warmwasserversorgung ein Eigenleben geführt hatte. Und jetzt wollte sie in den Wald und Pilze sammeln. Weil sie das an ihre Kindheit erinnerte, in der sie mit ihrem bärbeißigen Opa "in die Pilze" gegangen war. Stundenlang hatte er vor sich hin gebrummt, wem er alles einen Fliegenpilz vorsetzen würde, wenn er denn einen fände (er fand nie einen), während Klein-Kriemhild durchs Unterholz hüpfte. Seitdem weckte das Pilzsammeln stets Glücksgefühle in ihr. Auch wenn sie nicht mehr hüpfte.

Von der Pension zum Wald war es fußläufig, und nur knapp zwei Kilometer weiter begann schon die Schleifbachklinge, die hinunter ins Tal führte. Geomorphologen verstehen unter einer Klinge kurze, schmale, meist sehr Gefälle-starke Kerbtäler, die durch Wasser- oder Schutterosion entstanden sind. Für Nicht-Geologen waren die Klingen, von denen es in der Nähe der Pension mehrere gab, echte Wohlfühlparadiese, in denen man begriff, warum die Japaner von Shirin Yoku sprachen, dem Waldbaden. Zumal der Bach ständig neben einem dahinplätscherte. Man erfasste tief innerlich, warum Hildegard von Bingen einst gesagt hatte, die Ewigkeit habe eine Farbe und die sei Grün. Weniger spirituelle Menschen fanden solche bewaldete Klingen einfach herrl

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