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Manhattan Karma Ein Leonid-McGill-Roman von Mosley, Walter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.05.2012
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Manhattan Karma

Leonid McGill, Privatdetektiv mit dunkler Vergangenheit und Familienvater mit Herz, ermittelt in einem scheinbar harmlosen Fall. Als er dabei auf die Abschußliste eines Killers gerät, muß er auf seine alten Kontakte zur New Yorker Unterwelt zurückgreifen. Von dort aus ist es nicht weit zu den angesehensten Kreisen von Manhattan ... Schon als Waisenjunge hat Leonid McGill gelernt, daß man einstecken können muß, um in New York zu überleben - besonders wenn man schwarz ist und einen seltsamen Namen hat. Leonid wurde Boxer. Aber er war für den Sport nicht gemacht. Also versuchte er sein Glück auf der Straße, arbeitete jahrelang als Schnüffler für den Mob. Heute ist er Anfang Fünfzig, lebt mit einer Frau zusammen, die er nicht liebt, um für seine Kinder dazusein, die er - mit einer Ausnahme - nicht gezeugt hat, und versucht, sein Geld endlich auf legale Weise zu verdienen. Doch auch wenn Amerika im Wandel ist und ein schwarzer Präsident das Land regiert - für einen wie McGill ist es nicht leicht, von der schiefen Bahn abzukommen, denn seine Vergangenheit holt ihn immer wieder ein.

Walter Mosley, geboren 1952 in Los Angeles, wurde mit seinem ersten Roman schlagartig bekannt: Teufel in Blau wurde nicht nur von Präsident Clinton zur Lektüre empfohlen, sondern auch mit Denzel Washington erfolgreich verfilmt. Seitdem ist jedes seiner Bücher ein New York Times-Bestseller. Walter Mosley lebt in New York.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 389
    Erscheinungsdatum: 20.05.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518778906
    Verlag: Suhrkamp
    Serie: Leonid McGill Bd.1
    Originaltitel: Long Fall
    Größe: 1882kBytes
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Manhattan Karma

2

Von der Upper East Side nahm ich ein Taxi zur 34th Street, ein Stück westlich der Penn Station. Gordo's Gym belegte den kompletten fünften Stock eines schmutzigen Backsteingebäudes, das irgendwann vor Joe Louis' K.-o.-Sieg gegen den Cinderella Man erbaut worden war. Mittwochmittags war der Ring leer, weil Gordos hoffnungsvolle Talente tagsüber irgendwo jobbten, damit sie ihre Proteine und die Spindgebühr bezahlen konnten.

Ich richtete mich in einer Ecke ein, wo ein schwerer Sandsack hing, direkt neben einem großen Fenster, das sich nicht öffnen ließ und dessen Scheibe so schmutzig war, dass man nicht hindurchschauen konnte. Aber ich kam ohnehin nicht wegen der Aussicht oder dem Geruch von Männerschweiß drei Mal die Woche hierher, und wegen der Gesellschaft schon gar nicht.

Ich zog mich an Ort und Stelle um, streifte meine dicken Lederhandschuhe über (die ebenfalls älter waren als Juliet), und arbeitete mich in einen Rhythmus der Gewalt, der mich in der morschen Infrastruktur meiner Stadt und meines Lebens im Gleichgewicht hielt.

Einen Punch zu setzen, ist das Yang eines Boxerlebens. Das Yin ist die Gabe, Schlägen auszuweichen. Den Yang-Teil beherrsche ich ganz gut. Jeder weiß es, aber nur wenige können es auch umsetzen: Ein guter Schlag kommt zuerst aus dem Fuß und setzt sich in einer Drehung der Hüften fort, bevor er im Arm, in der Faust und mit Glück am Kinn oder Brustkorb des Gegners landet. Deshalb ist Boxen wie der schwankende, stampfende Tanz eines tapferen Schotten an einem taufeuchten Morgen in den Highlands.

Zwanzig Minuten lang führte ich meinen barbarischen Tanz auf, prügelte auf den großen Sack ein und ließ ihn manchmal gegen meine Brust pendeln. Seit ich mit dem Rauchen aufgehört hatte, war ich wieder besser bei Puste. Und ich musste mich gründlich auspumpen, um meiner Wut Luft zu machen.

Ich hasste Roger Brown und Juliet und so vieles, was ich im Laufe der Jahre getan hatte. Früher hatte ich damit leben können, weil ich mir einredete, nur Leute reinzulegen und in die Falle zu locken, die Gauner und irgendeines - meist schlimmen - Vergehens schuldig waren. Aber das ging heute nicht mehr.

Ich verpasste dem Sack Dutzende tödlicher Kombinationen, aber am Ende war ich geschlagen und musste mich keuchend auf den Knien abstützen.

"Nicht übel", sagte eine vertraute, raue Stimme.

"Hey, Gordo." Ich blickte nicht auf, weil ich nicht die Kraft hatte, den Kopf zu heben.

"Du weißt immer noch, wie man alles gibt, wenn du beschlossen hast, alles zu geben."

"Und selbst damit ziehe ich in neun von zehn Fällen den Kürzeren."

"Du hättest Boxer werden sollen", sagte einer von New Yorks unbesungenen Meistertrainern zu mir.

"Dafür haben mir der billige Wein und die langen Nächte zu gut gefallen."

"Ein Bart wie deiner gehört in den Ring."

Ich bin glattrasiert. Gordo machte mir Komplimente für mein Kinn aus Eisen.

"Wenn man lange genug auf mich eindrischt, gehe ich zu Boden wie alle anderen auch", sagte ich.

"1989 hättest du jeden Halbschwergewichtler verprügeln können."

"Irgendjemand hätte mich geschlagen."

"Dieser Jemand warst du selbst", entgegnete Gordo mit Nachdruck. "Du hast dich hängen lassen, anstatt stolz und aufrecht zu stehen."

Ich richtete mich auf, wandte den Kopf und sah meinen besten Freund und schärfsten Kritiker an.

Auch Gordo war klein, irgendwo zwischen eins fünfundsiebzig und eins achtundachtzig. Nach amerikanischem Rassenverständnis war er schwarz, obwohl seine H

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