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Marta schläft Thriller von Hausmann, Romy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.04.2020
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Marta schläft

'Hab dich. Und jetzt spielen wir. Wir spielen: Gericht.' Es ist Jahre her, dass man Nadja für ein grausames Verbrechen verurteilt hat. Nach ihrer Haftentlassung wünscht sie sich nichts sehnlicher, als ein normales Leben zu führen. Doch dann geschieht ein Mord. Und der soll ungeschehen gemacht werden. Ein abgelegenes Haus wird zum Schauplatz eines bizarren Spiels ? denn Nadjas Vergangenheit macht sie zum perfekten Opfer. Und zur perfekten Mörderin ... Ein tief unter die Haut gehender Psychothriller über Schuld, Vergeltung und die Frage, ob ein Täter je wieder frei sein kann. 'Romy Hausmann reüssiert auch mit ihrem zweiten Roman. Zweiter Treffer nach dem Thriller-Debüt: Mit ihrem Roman 'Marta schläft' erobert Romy Hausmann aus dem Stand Platz 4 der SPIEGEL-Paperback-Belletristik. Lisa Starke, buchreport: SPIEGEL-Bestseller-Barometer, 29.4.2020 Romy Hausmann, Jahrgang 1981, hat sich mit ihrem Thrillerdebüt 'Liebes Kind' (Februar 2019) sogleich an die Spitze der deutschen Spannungsliteratur geschrieben: 'Liebes Kind' landete auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste, Übersetzungen erscheinen in 15 Ländern. 2019 erhielt sie den Crime Cologne Award 2019, die Filmrechte wurden hochkarätig verkauft. 'Marta schläft' ist ihr zweiter Thriller. Romy Hausmann wohnt mit ihrer Familie in einem abgeschiedenen Waldhaus in der Nähe von Stuttgart. Weitere Informationen unter www.romy-hausmann.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 17.04.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423436885
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Serie: dtv Taschenbücher 26250
    Größe: 1037 kBytes
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Marta schläft

Nadja

Timmy glotzt immer noch, ich mache die Augen zu. Eine Geschichte fällt mir ein. Die Geschichte von der Frau, die durch Wände und Türen blicken konnte, sogar durch die vielen Schichten eines Menschen hindurch, bis in sein tiefstes Inneres. Eines Tages bat ein Mädchen sie darum, dass sie es durchschauen möge; es wollte unbedingt wissen, wie es aussah unter seinem Hautanzug, dem Knochengerüst und dem ganzen Adergewirr. Ich höre Timmy ungeduldig mit den Füßen scharren, so als könnte er meine Gedanken lesen und drängte darauf, zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht. Mein Bruder Janek war genauso. Ich hatte kaum angesetzt, etwas zu erzählen, als er schon anfing mit seinem ständigen "Und dann?".

Ich blinzele. Stelle fest, dass Timmys Blick nicht mehr durch mich hindurch-, sondern in die Luft geht. Dabei knetet er seine kleinen Hände vor dem Bauch. Er fühlt sich nicht wohl in meiner Gegenwart. Am liebsten würde ich ihm sagen: "Denk dir nichts. Es geht mir nicht anders mit dir."

Herbert und Annelies haben uns alleine gelassen, um den Schnaps und den Erste-Hilfe-Kasten zu holen. Zumindest Letzteres war gelogen, denn der Erste-Hilfe-Kasten hängt hier im Büro an der holzvertäfelten Wand, direkt neben einem vergilbten Bikinimädchenkalender, der seit zwei Jahren abgelaufen ist. Außerdem höre ich sie tuscheln, vor der geschlossenen Bürotür. Annelies sagt, irgendetwas stimme hier nicht. Sie fragt Herbert, ob ihm aufgefallen sei, wie nervös ich meine Handtasche durchsucht habe, und dann die Sache mit der Perücke - äußerst seltsam. Herbert entgegnet nichts; ich stelle mir vor, wie er unbeeindruckt die Schultern zuckt. Doch Annelies scheint nicht aufgeben zu wollen. Sie habe Tabletten in meiner Tasche gesehen, möglicherweise Drogen, was mein sonderbares Verhalten erklären könnte. "Vielleicht ist sie gefährlich."

"Und was willst du jetzt tun? Die Polizei rufen?" Herbert klingt belustigt, was mich erleichtern sollte, doch diesmal schweigt Annelies. Vielleicht hat sie genickt. Ich atme abgehackte Stöße. Die Polizei wird meine Papiere sehen wollen. Ich werde behaupten, ich hätte sie zu Hause vergessen, doch schließlich wird eine kurze Anfrage über das Funkgerät genügen, um zweifellos festzustellen, dass der Land Rover nicht mir gehört.

Mir ist schlecht. Ich sollte nicht hier sein. Ich sollte zu Hause sein, an einem Samstag wie an jedem. Ich sollte meine Wohnung putzen und den beruhigenden Geruch von Ajax inhalieren. Später würde ich mich überwinden, zu dem kleinen Lebensmittelladen nach Charlottenburg zu fahren. Ich würde mich mit einem Blumenkohl, einer Grapefruit, ein paar Äpfeln und einer Tüte Mirabellen beladen und mit abgewandtem Gesicht über den leidigen Versuch des Besitzers lachen, meinen Namen herauszufinden. Ich sei die einzige Stammkundin, die er nicht persönlich begrüßen könne, hatte er einmal gesagt und, als ich mich dennoch nicht erweichen ließ, entschieden, sich im wöchentlichen Wechsel immer wieder neue Namen für mich auszudenken. Letzten Samstag hieß ich Frau Schmidt, in der Woche zuvor Fräulein Wagner.

"Jetzt lass doch einfach gut sein, Anne", höre ich Herbert, bevor die Klinke geht und er mit einer Flasche klarer Flüssigkeit zurückkommt. Annelies wackelt ihm hinterher, in der Hand einen Waschlappen, den sie mir reicht, damit ich die Wunde auf meiner Stirn säubern kann. Ihr Blick ist durchdringend; ich kann förmlich spüren, wie sie jedes Detail aufsaugt, um es im Fall des Falles möglichst genau wiedergeben zu können.

Sie war ungefähr 1 , 65 Meter groß, Herr Kommissar. Sie trug eine von diesen billigen Kaufhausperücken und ein wildbuntes T-Shirt mit einem aufgedruckten Papagei, der statt Pupillen zwei daumennagelgroße neongrüne Strasssteine hatte.

Meine Wunde brennt, ich lege den Waschlappen beiseite und bedanke mich. Annelies nickt, dann schneidet sie ein Stück von einer Heftpflasterrolle aus dem

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