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Melatenblond Köln Krimi von Gottwald, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.11.2018
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Melatenblond

Der Erfinder des Regionalkrimis lässt seinen Kult-Ermittler auferstehen. Weil er glaubte, sie hätten seine fünfjährige Tochter Marie getötet, nahm Manni Thielen einst blutige Rache an zwei Kölner Gangsterbossen und floh aus seiner Heimatstadt. Aber der Doppelmord war ein fataler Fehler, denn Marie lebt und ist damals mit ihrer Mutter in Süditalien untergetaucht. Nach fünfundzwanzigjähriger Odyssee kehrt Manni nun unter falschem Namen nach Köln zurück, um die Spur seiner Tochter aufzunehmen. Doch dann schlägt das Schicksal erneut erbarmungslos zu. Christoph Gottwald, geb. 1954, M.A. der Germanistik, lebt und arbeitet in seiner Heimatstadt Köln als Schriftsteller, Drehbuchautor, Dokumentarfilmer, Regisseur und Theatermacher.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 15.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960414285
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 3051 kBytes
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Melatenblond

1

Dieses hinterhältige Schwein! So einem miesen Betrüger hatte sie all die Jahre vertraut! Dabei war sie es, die das Geld verdiente, die ihn durchfütterte, die ihn immer wieder getröstet hatte, wenn er durchhing und jammerte, dass die ganze Welt sich gegen ihn verschworen hätte. Petra schloss die Augen und versuchte, ihren keuchenden Atem etwas zu beruhigen. Schluss, aus, Feierabend! Mit Max Grünfeld war sie fertig. Ein für alle Mal. Da konnte er angekrochen kommen auf blutenden Knien und sie heulend um Verzeihung bitten. No way. Das Kapitel war beendet, das Buch zugeschlagen und verbrannt.

Durch die verkratzte Scheibe des U-Bahn-Zugs, der gerade am Ernst-Reuter-Platz hielt, schaute Petra hinaus in eine ihr fremde Welt. Fahles Neonlicht, trostlos gekachelte Wände, zerlumpte Menschen auf eisernen Sitzbänken, Jugendliche mit in die Stirn gezogenen Kapuzen, gelehnt an Abfalleimer, aus denen die Hälse leerer Schnapsflaschen ragten.

Eine zwergwüchsige Frau mit geblümtem Kopftuch stand regungslos am Bahnsteigrand und schaute Petra aus schwarzen Augen an, bis der Zug anfuhr und sich in den Tunnel schob.

Seit Jahren war Petra nicht mehr nachts mit der U-Bahn gefahren. Und auch heute hatte sie es nicht vorgehabt. Aber als sie ein Taxi anhalten wollte, hatte sie bemerkt, dass sie in der ganzen Hektik ihr Portemonnaie verloren oder in der Wohnung liegen gelassen hatte. Und zurückzugehen kam nicht in Frage. Nicht heute Nacht. Morgen würde sie Max eventuell eine SMS schreiben und ihn auffordern, die Wohnung für zwei Stunden zu verlassen, damit sie ein paar Koffer und Kartons mit ihren Lieblingssachen packen könne.

Auf einem Firmenevent in Schwerin war sie gewesen. Ihr Chef hatte seine sechsundzwanzig erfolgreichsten Mitarbeiter ins Hotel "Niederländischer Hof" geladen. Seit fünf Jahren rekrutierte und betreute Petra Schiffer Anleger, mit deren Geld Dr. Siegmar Hoss Immobilienprojekte plante und meist auch realisierte. Sie war für den Verkauf von Anteilen an Hotelbauten entlang der deutschen Ostseeküste zuständig.

Schon auf der gemeinsamen Anreise im Luxusbus am Samstagmorgen hatten mehrfach Sektkorken geknallt. Nach einer launigen Begrüßungsrede des Chefs und einem ausgiebigen Brunch rackerten sich im Tagungsraum "Wilhelmina" ein schnieker Herr Bungert und eine noch schniekere Frau Zilinsky damit ab, die angeschickerte Belegschaft für Rollenspiele, spaßige Reimkreationen und assoziatives Turmbauen mit unbehandelten Kiefernklötzen zu begeistern.

Ausklingen ließ man den Nachmittag in einem Spaziergang rund um den Pfaffenteich. Anschließend gab es eine Stunde zur freien Verfügung, und um neunzehn Uhr dreißig ging es im Restaurant weiter, wo an einer langen Tafel ein hervorragendes Menü serviert wurde.

Vier der fünf Gänge leitete der wortgewandte Kellermeister mit Monologen ein, die den begleitenden Wein beschrieben, und keiner der Anwesenden wagte es, das emsige Schankpersonal daran zu hindern, die gerade angepriesenen Tropfen in ihre Gläser fließen zu lassen.

Die Folge war, dass die gesamte Belegschaft bedenklich wankte, als man geschlossen in die Hotelbar umzog, wo schon ein öliger Barkeeper diverse Cocktails vorbereitet hatte.

Neun Frauen, siebzehn Männer. Es wurde gebalzt, als ginge es darum, noch heute Nacht eine ganze Generation innovativer Immobilienmakler zeugen zu müssen. Irgendwann war es Petra zu viel geworden, und sie hatte sich von ihrem Chef verabschiedet. Wobei auch der ansonsten distinguierte Dr. Siegmar Hoss seine rechte Hand reichlich übergriffig um ihre Taille geschlungen hatte.

Kaum war sie eingeschlafen, bummerte es an ihrer Zimmertür. Natürlich öffnete sie nicht, aber sie lauschte hinaus und hörte zwei Männerstimmen auf dem Flur herumalbern. Sven Möller und Peter Gerlach. Beide verheiratet, beide Väter von Kindern. Möller baggerte schon seit Monaten unverhohlen an ihr herum, Gerlach erst seit heute Abend. Gegen drei U

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