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Miss Silver und die falsche Zeugin von Wentworth, Patricia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.05.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)

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Miss Silver und die falsche Zeugin

Zwielichtige Adlige, ein falsches Testament und eine seltsame Zeugin London, 1936: Marion Grey ist verzweifelt - ihr Mann Geoffrey sitzt wegen Mordes an seinem Onkel im Gefängnis. Er beteuert vehement seine Unschuld, obwohl alle Beweise gegen ihn sprechen. Doch dann lässt die wichtigste Zeugin des Prozesses eine Andeutung fallen, die den Fall in einem vollkommen anderen Licht erscheinen lässt. Die zu Hilfe gerufene Miss Silver beginnt, nach dem wahren Mörder zu suchen ... Ein charmanter Krimi-Klassiker aus dem 'Golden Age of Crime', der in einer früheren Ausgabe unter dem Titel 'Ein abgeschlossener Fall ' erschienen ist. Zur Serie: Was macht eine pensionierte Lehrerin, der langweilig ist? Sie wird Privatdetektivin und unterstützt Scotland Yard bei den Ermittlungen in kniffligen Fällen. Mit ihrem unauffälligen gouvernantenhaften Aussehen wird Miss Silver oftmals unterschätzt - aber man sollte sich nicht mit der reizenden alten Dame anlegen. Bewaffnet mit einer scharfen Kombinationsgabe, ihrem Strickzeug und einem Zitat ihres Lieblingsdichters Alfred Lord Tennyson auf den Lippen, bringt Miss Silver jeden Verbrecher zur Strecke ... Jetzt als eBook bei beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung. 'Unbeirrbare Gelassenheit und jede Menge Spürsinn sind das Markenzeichen von Miss Silver, eine der größten Privatdetektivinnen des klassischen Kriminalromans.' New York Times

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 351
    Erscheinungsdatum: 31.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732572441
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1470 kBytes
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Miss Silver und die falsche Zeugin

Kapitel 1

Hilary Carew saß im falschen Zug und hegte bittere Gedanken über Henry. Es war Henrys Schuld, dass sie im falschen Zug saß - allein und unwiderruflich Henrys Schuld, denn wenn er nicht den Bahnsteig entlangstolziert wäre mit seiner typisch arroganten Miene, als gehöre dieser Bahnsteig ihm, dann hätte sie nicht die Nerven verloren und wäre blindlings ins nächste Abteil gestürzt. Dies war zufällig ein Dritter-Klasse-Abteil im Zug auf dem rechten Gleis. Inzwischen war ihr vollkommen klar, dass sie in den Zug auf der anderen Seite hätte einsteigen müssen. Statt des Bummelzuges nach Winslow Grove, der alle fünf Minuten hielt und sie gemütlich nach Myrtle Terrace Nr. 20 bringen sollte, wo sie bei Tante Emmeline zu Tee und Kuchen eingeladen war, saß sie nun in einem D-Zug, der immer schneller wurde und wahrscheinlich noch stundenlang nicht halten würde.

Hilary starrte aus dem Fenster und sah Henrys Gesicht. Es war ein scheußlich nasser, nebliger Nachmittag. Henry funkelte sie durch den Nebel wütend an. Nein, wütend war nicht das richtige Wort: Wütend blickt man erst, wenn man die Beherrschung verliert, und das passierte Henry nie - er sah einen bloß an, als sei man eine Küchenschabe oder ein furchtbar verzogenes kleines Gör. Das war natürlich wirkungsvoller als die Beherrschung zu verlieren, doch dazu musste man aus dem gleichen Stoff gemacht sein. Hilarys Temperament war von anderer Art: Es machte einen Riesenwirbel und stürzte sich mit Wonne ins Getümmel. Sie kochte vor Wut, als sie an den Streit - den Großen Verlobungs-Auflösungs-Streit - und an Henrys unverschämte Gelassenheit dachte. Damals hatte er sie genauso angesehen wie jetzt auf dem Bahnhof. Überlegen, das war Henry - immer so verdammt überlegen! Wenn er sie gebeten hätte, nicht mit Basil wandern zu gehen, hätte sie vielleicht nachgegeben, aber Henry hatte es ihr ausdrücklich untersagt und ihr überdies noch genau erklärt, was und wer Basil war - und das alles ging ihn überhaupt nichts an und hatte Hilarys Temperament natürlich erst recht zum Überkochen gebracht.

Am ärgerlichsten war, dass Henry zum Schluss Recht behalten hatte - nach dem Streit, und nachdem sie bereits mit Basil auf die Wanderung gegangen, jedoch nicht sehr weit gekommen war. Doch leider hatte sie Henry damals schon gesagt, was sie von ihm und seinem besitzergreifenden Gebaren hielt, und ihm den Verlobungsring vor die Füße geworfen.

Und wenn er dann endlich die Beherrschung verloren hätte, wäre eine Versöhnung vielleicht noch möglich gewesen, die in einer zärtlichen Umarmung hätte enden können. Aber er war vollkommen ruhig gewesen - ruhig, während sie ihre Verlobung löste! Ein Knittelvers lag Hilary auf der Zunge. Sie besaß eine Art inneren Kobold, der immer dann mit lästerlichen Versen zur Stelle war, wenn man eigentlich ernst und feierlich sein sollte. Dieser Kobold hatte sie ernstlich in Schwierigkeiten gebracht, als sie sechs Jahre alt gewesen und mit einem Reim über ihre mittlerweile verstorbene Tante Arabella herausgeplatzt war:

"Tante Arabella hat 'ne furchtbar lange Nase,

Keiner weiß,

Warum sie wächst

So lang und spitz wie's Ohr beim Hase."

Sie hatte Tante Arabella nie sonderlich leiden können, und nach diesem Vers empfand die Tante das Gleiche für ihre Nichte.

Der Kobold gab nun folgende Perle zum Besten:

"Wenn man bloß Henry brächte zum Toben,

Dann bräuchten wir uns nicht zu entloben."

Und das war leider nur allzu wahr.

Seit der Auflösung der Verlobung war jetzt ein Monat vergangen.

Es ist ziemlich schwer, einen ganzen Monat lang böse zu bleiben. Hilary konnte sehr leicht böse werden, hielt jedoch nicht lange durch. Nachdem ungefähr die Hälfte des Monats verstrichen war, fand sie es allmählich an der Zeit, dass Henry ihr einen Brief schrieb und sich entschuldigte. Eine Woche später ertappte sie sich dabei

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