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Mitgift Ein neuer Fall für Verena Paul von Scholz, Heidrun (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2012
  • Verlag: WBG Theiss
eBook (ePUB)
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Mitgift

Giftmorde in Reutlingens Kulturszene. Ungepflegt und abweisend: Klaas Hildebrandt ist einfach unsympathisch. Die Schwierigkeiten seiner arbeitslosen Ex-Frau interessieren ihn nicht. Als Kulturjournalist liefert er einen gehässigen Verriss nach dem anderen ab - bis er tot aufgefunden wird, vergiftet mit einer rätselhaften Substanz. Kommissarin Verena Paul tappt noch im Dunkeln, als ein zweiter Mord passiert. Der so exaltierte wie erfolglose Lyriker Wiglaf Winter wird immer verdächtiger. Doch sein Alibi ist wasserdicht - zumindest für die erste Tat. Verenas Kollege Willsch ermittelt unterdessen undercover in der menschlich kalten Welt eines Pfullinger Altenheims. Als er zum Fall Hildebrandt abkommandiert wird, erlebt er eine Überraschung. Und nicht zu früh: Es gilt einen weiteren Mord zu verhindern. Die Reutlingerin Heidrun Scholz lebt und arbeitet in Köln. "Mitgift" ist ihr zweiter Kriminalroman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 216
    Erscheinungsdatum: 01.01.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783806226638
    Verlag: WBG Theiss
    Größe: 1123 kBytes
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Mitgift

2

Jeden Morgen um Punkt acht begegneten sich unter dem Vordach der Polizeidirektion ihre Blicke. Während Verena die fünf Stufen der Eingangstreppe bis zum Portal zurücklegte, starrten sie einander an. Wer von den beiden würde heute als Erster die Augen niederschlagen? Verena tippte auf Willsch. Alles sprach für ihn. Willsch, der keinen Funken Ehrgeiz hatte, der kontinuierlich daran arbeitete, nicht weiterzukommen. Dieser Mangel besetzte die gesamte Wassersäule seines Wesens.

Breitbeinig, als könne er so seinen Körper im Lot halten, stand er da, die Kippe in der Hohlhand. Zigarettenqualm kroch an seinem Arm empor.

Ganz im Einklang mit seinem Kollegen war Wagner im Vermeiden von beruflichem Vorwärtskommen gleichfalls erfolgreich. Nicht dass er eine Beförderung nicht zu schätzen gewusst hätte. Ein besseres Gehalt. Einen größeren Wagen. Doch seine Angewohnheit, die Lorbeeren anderer als die seinen zu betrachten, hatte ihn in null Komma nichts bei seinen Kollegen unbeliebt gemacht.

Wagner, der sich gerade an einer aufgerauchten Zigarette die nächste anzündete, hatte einmal seiner Chefin noch zwischen die Augen gestarrt, als ihre Schuhspitze schon die fünfte Treppenstufe berührt hatte. Im letzten Moment war ihm wieder eingefallen, wo sein Platz war.

Jeden Morgen um Punkt acht stand ein Becher mit heißem Kaffee auf Verenas Schreibtisch. Benno Andres, seit fünf Jahren ihr Assistent und mit der Zeit unverzichtbar geworden, tat das freiwillig. Er ließ es sich nicht nehmen. Ihn musste sie nicht anstarren.

"Der Chef will Sie sehen", sagte Benno, ohne den Blick vom Monitor zu nehmen. Obwohl Verena ihm längst das Du angeboten hatte, siezte er seine Chefin nach wie vor. Auch das ließ er sich nicht nehmen. Seine Finger flogen in rasanter Geschwindigkeit über die Tastatur. Trotz der herrschenden Hitze trug er Hemd und Krawatte. Das farblich abgestimmte Jackett hing über der Stuhllehne.

"Hat er gesagt, worum's geht?"

"Nee."

Verena nahm ihre Umhängetasche von der Schulter und stellte sie auf ihren Schreibtisch. Ruben, der sich jeden Kommentar dazu verbat, dass er in einer Handtasche wohnte, sprang aus dieser heraus und lief über die beiden zusammengestellten Schreibtische zu Benno hinüber, um ihn zu begrüßen.

"Hat er sich das selber ausgesucht?", fragte Benno und meinte damit Rubens T-Shirt in den Farben Tannengrün, Himmelblau, Rubinrot und leuchtend Gelb. "Das ist abschreckender als zehn Flohhalsbänder. Außerdem haben wir draußen an die 30 Grad."

"Nackthunde haben nun mal kein Fell. Man muss ihnen eines simulieren. Und als Quasi-Azteke ist er ganz andere Temperaturen gewöhnt. Ich bin bei Meininger."

Verena verließ das Büro und ging ein Stockwerk höher.

'Vielleicht hat er ja endlich über meinen Vorschlag nachgedacht, Willsch und Wagner in eine andere Abteilung zu versetzen', dachte Verena, während sie über den Flur auf das Büro ihres Chefs zusteuerte. Andererseits, seit Meininger mit seiner Frau in einen Scheidungskrieg verwickelt war, bei dem beide Parteien in der Wahl ihrer Waffen alles andere als zimperlich waren, war er zu nichts mehr zu gebrauchen. War sein Umgang mit Kollegen und Untergebenen bisher von Wohlwollen und Loyalität geprägt, so hatte er sich seit der Scheidungssache zum reinsten Misanthropen gewandelt.,Seine Frau muss ihm ganz schön zugesetzt haben', überlegte Verena., Was sonst könnte sein Menschenbild derart erschüttert haben?' Auch ließ er sich kaum noch blicken. Außer morgens, wenn er das Gebäude der Direktion betrat, und abends, wenn er es wieder verließ, sah man ihn nur noch selten. Hinter vorgehaltener Hand nannte man ihn bereits den Yeti .

Verena klopfte an und trat ein.

"Da sind Sie ja", sagte Meininger und bedeutete ihr mit einer Armbewegung, auf dem Besucherstuhl Platz zu nehmen. Er saß mit dem Rücken zum Fenster. Sein Mahagonischreibtisch, der glänzte wie ein fri

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