text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Mittsommerdunkel Roman von Ekman, Kerstin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2012
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
5,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Mittsommerdunkel

Als Helga Wedin den Dorfladen ihres Onkels in dem kleinen nordschwedischen Dorf erbt, macht sie eine Entdeckung: im Lagerraum befinden sich große Mengen an Zucker und Hefe. Mit ihrer Stieftochter Åsa und ihrem Geliebten Edvard hat sie die vielversprechende Idee, illegal Schnaps zu brennen. Doch Neid, Eifersucht und Gier machen allen einen Strich durch die Rechnung. Kerstin Ekman erzählt die spannungsgeladene Geschichte einer ungewöhnlichen Dreiecksbeziehung.
"In origineller volkstümlicher Sprache und starken Metaphern ersteht das Bild einer Gemeinschaft, die verunsichert in die Zukunft blickt."
(Ostthüringer Zeitung)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 12.11.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492957687
    Verlag: Piper
    Größe: 2839 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Mittsommerdunkel

Über der hohen Kommode in Isak Perssons Kammer in der Diamantkate hängt ein Bild mit schwarzem Holzrahmen. Rechts unten in der Ecke steht "Pfingstsamstag 1965 ". Gemalt hat es Adana, und Helga hat es, indem sie das Blatt über eine Reproduktion von Nils Jacob Blommérs "Elfenreigen" gesteckt hat, mit einem Rahmen versehen.

"Pfingstsamstag 1965 " ist mit Tempera aus dem Materialbestand der Schule gemalt. Die Farbe ist an sich schon dicker als normale Aquarellfarbe, doch Adana hat ihr zusätzliche Fremdstoffe beigemischt, um sie noch pastoser zu machen. Zum Schluß hat sie das ganze Bild mit dünnem Plastiklack gefirnißt.

Jede Familie im Dorf besitzt eine Farbfotografie oder ein Gemälde ihres Hofes. Vera Strömgren hat das ihre in Öl auf dem Hohlgrund eines alten Backtrogs, was dem Bild eine Dimension verleiht, die in aller Regel fehlt. Adanas "Pfingstsamstag" unterscheidet sich von diesen Hofbildern in zweierlei Hinsicht. Es ist größer, und es umfaßt nicht nur einen Hof, sondern das ganze Dorf. Auch hat sie mit einer Ausdauer daran gearbeitet, die für ein solches Motiv sonst niemand aufgebracht hätte.

An diesem Pfingstabend ist der Himmel über dem Dorf zichorienblau. Er ist dicht und undurchdringlich wie eine Zeltleinwand. Hinter dem Rauch aus den Schornsteinen verläuft wie eine Chinesische Mauer der Älgåsen, und dahinter ragt der Tavelberg auf. Man könnte um das ganze Dorf herumgehen, ohne den Standpunkt der Malerin zu finden. Am nächsten käme man ihm vielleicht, wenn man die alte Mühle bestiege und die Luke unterm Dachfirst öffnete. Doch Adana hat sicherlich nie in dem raunenden Halbdämmer dort oben gesessen und gemalt; sie hat Höhenangst. Wahrscheinlicher ist, daß sie aus dem Gedächtnis gemalt hat und vermutlich im Winter. Sie hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis.

Tatsächlich kann man vom Dachboden der alten Mühle aus das ganze Motiv überblicken, bis auf Evert Petterssons Hof und Noréns Villa. Adana hat sie durch einen Trick mit aufs Bild gebracht, indem sie unseren Blickwinkel beiderseits um ungefähr zwanzig Grad erweitert hat. Im übrigen wendet sie die Technik der Meister von Siena an: Sie serviert alles auf einem Tablett mit steil abfallender Perspektive. Diese Technik wird überdies durch die Landschaft gestützt.

Zuvorderst sieht man Onkelchens Laden, sehr weiß und mit heruntergelassenem Rollo an der Tür, und auf dem gelben Viereck steht sorgfältig ausgearbeitet: GESCHLOSSEN. In der Rabatte stehen seine aufrechten weißen Narzissen und darum herum, wie kleine blaue Himbeeren geformt, die Perlhyazinthen.

Die Sorgfalt, die Adana auf die Wirklichkeit verwendet, ist nicht nur der verzweifelte Fleiß der Unkundigen. Es handelt sich dabei auch um eine Wirklichkeitsauffassung und eine Art Kunstanschauung. Man mag es eine Verwechslung nennen: Adana macht keinen Unterschied zwischen einem Gegenstand und dem Abbild, das sie davon schafft. Sie arbeitet, meißelt aus. Am Ende eignet den Gegenständen eine unbestreitbare Realität. Schließlich kann man ihre trockenen, glatten Oberflächen anfassen.

Man sieht die Brücke und das silbrige Wasser, dessen Wellen wie Meringenspitzen hochstehen. Unwirklich hell schlagen zum See hin Espen und Erlen Bogen um Bogen über den Fluß. Wo der See sich weitet, hat das Wasser die Farbe des Himmels, leuchtend zichorienblau. Auf der Brücke steht still ein Mann in brauner Hose und schwarzer Jacke, die Hand auf dem Geländer. Immer.

Am Bahnübergang warnen gelbe Schilder: "Achtung! Stromleitung!", und die Gleise, glatt wie Aalrücken, verschwinden hinter Wedins Viehstall in dem

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen