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Mord vor der Premiere Kriminalroman von Crispin, Edmund (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.10.2019
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Mord vor der Premiere

"Dolly könntest Du kurz einmal einen Selbstmord begehen?" Im Winter 1940 verschlägt es den Theaterregisseur Robert Warner für die Premiere seines neuesten Stücks nach Oxford. Gemeinsam mit einem bunt zusammengewürfelten Haufen rund um die provokante Schauspielerin Yseut Haskell, reist er für die Proben an. In der Truppe ist sie mehr als unbeliebt und sorgt für Unruhe in der ebenso verschworenen wie zerstrittenen Gemeinschaft. Kurz darauf wird sie erschossen in einem hermetisch verschlossenen Raum aufgefunden. Der Großteil der Schauspieler hatte ein Interesse die Exzentrikerin loszuwerden und nur wenige haben ein Alibi. Die Polizei ist ratlos und will den Fall schon mit Selbstmord abtun. Doch Gervase Fen, seines Zeichens Oxford Professor und Literaturkritiker mit einem Hang zum Lösen kniffliger Fälle, nimmt sich der Sache an ... 'Mord vor der Premiere' erschien erstmals 1944 und war Edmund Crispins Debüt sowie der erste Roman rund um den exzentrischen Oxford Professor Gervase Fen. Edmund Crispin, geboren 1921, war das Pseudonym des englischen Krimiautors und Komponisten Robert Bruce Montgomery. 1944 erschien der erste Band seiner Reihe um den Ermittler Gervase Fen, Professor für englische Literatur in Oxford. Crispins Kriminalromane zeichnen sich durch ihren humoristischen Stil, der bis ins Absurde reicht, und gleichzeitig einen hohen literarischen Anspruch aus. Er verstarb 1978. Alle neun Romane der Krimireihe um Gervase Fen sind bei Aufbau Digital verfügbar.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 271
    Erscheinungsdatum: 31.10.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841217714
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 2783 kBytes
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Mord vor der Premiere

Kapitel I
Prolog in der Eisenbahn

Hast thou done them? speak;

Will every savor breed a pang of death?

Hast du sie präpariert? Sprich;

Birgt jeder Hauch die Todesqual?

CHRISTOPHER MARLOWE (1564-1593)

Für den unaufmerksamen Reisenden bedeutet die Didcot Station die baldige Ankunft in Oxford, für den erfahreneren mindestens eine weitere halbe Stunde Frustration. In diese beiden Kategorien kann man die Reisenden für gewöhnlich einteilen. Die der ersten schleudern unter Entschuldigungen ihr Gepäck vom Netz auf die Sitze, wo es bis zum Ende der Reise liegenbleibt, als sperriges Hindernis mit einer Vielzahl unerwartet scharfer Ecken; die der zweiten starren weiter düster aus dem Fenster auf die öden Wälder und Felder, in deren Mitte der Bahnhof von einer geistlosen Lokalgottheit ohne ersichtlichen Grund deponiert wurde, und auf die Reihen von Lastwagen aus allen Teilen des Landes, die sich hier zusammengefunden haben wie die Insel der verlorenen Schiffe des zeitgenössischen Mythos inmitten der Sargassosee. Eine beständige Geräuschkulisse aus dunklem Gemurmel und Schreien sowie heftigem Reißen von Holz und Metall, das fern an eine frühe Walpurgisnacht auf einem nahen Friedhof erinnert, lässt die Reisenden, die über etwas mehr Vorstellungskraft verfügen, vermuten, dass die Lok auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt wird. Der Aufenthalt in Didcot beläuft sich in der Regel auf knapp zwanzig Minuten.

Dann folgen etwa drei Fehlstarts unter ungeheurem Krachen und Stampfen der Maschine, was die Fahrgäste in einen Zustand tiefster Ergebenheit rüttelt. Mit unendlichem Widerstreben setzt sich der Zug schließlich in Bewegung und trägt seine unglückliche Fracht auf außerordentlich entspannte Weise durch die flache Landschaft. Es folgen noch eine ziemlich überraschende Anzahl von Zwischenstationen und kurzen Halten vor Oxford. Der Zug lässt keine aus. Oft verweilt er ohne jeden ersichtlichen Grund, da niemand ein- oder aussteigt. Hat der Schaffner jemanden verspätet die Bahnhofsstraße herabeilen sehen oder einen Fahrgast aus dem Ort schlafend in seiner Ecke entdeckt und es war ihm unangenehm, ihn zu wecken? Steht eine Kuh auf dem Gleis oder das Signal ist gegen uns? Eine Überprüfung beweist, da ist keine Kuh, oder ein Signal, weder das eine noch das andere.

Kurz vor Oxford wird die Angelegenheit etwas heiterer, sagen wir in Sichtweite des Kanals oder des Tom Tower. Eine Atmosphäre des Zielbewusstseins wird spürbar. Jetzt noch sitzenzubleiben, hut- und mantellos, den Koffer im Gepäckträger und das Ticket in der Innentasche zu lassen, erfordert höchste Willenskraft. Hoffnungsvollere Insassen bahnen sich schon ihren Weg auf die Gänge. Aber unweigerlich hält der Zug direkt vor dem Bahnhof, die monolithische Erscheinung des Gaswerks auf der einen und die eines Friedhofs auf der anderen Seite. Dort verweilt die Lok mit dämonischer Starrköpfigkeit, stößt gelegentlich mit nekrophilem Genuss ächzende Laute und schrille Pfiffe aus. Unbändige, nervöse Frustration setzt ein; da ist Oxford, dort, nur wenige Meter entfernt, ist der Bahnhof, und hier ist der Zug. Aber den Passagieren ist es nicht erlaubt, am Gleis entlangzugehen, falls überhaupt jemand auf die Idee käme. Sie durchleben die Qualen des Tantalus in der Unterwelt. Dieses Zwischenspiel, dieses memento mori, mit dem die Eisenbahngesellschaft die vielversprechenden Burschen und Mädchen in ihrer Obhut daran erinnert, dass sie unausweichlich zu Staub werden, dauert für gewöhnlich zehn Minuten. Danach setzt der Zug missmutig seine Fahrt fort und fährt in den Bahnhof ein, den Max Beerbohm so zutreffend "das letzte Relikt des Mittelalters" genannt hat.

Falls jedoch irgendeiner der Reisenden glaubt, dies sei das Ende, dann irrt er. Einmal dort angekommen, inzwischen beginnen sich sogar die größten Skeptiker zu regen, bemerkt jeder sofort, dass sich der Zug an gar keinem Bahnsteig, sondern

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