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Morgen wirst du sterben Thriller von Mayer, Gina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2015
  • Verlag: edition oberkassel
eBook (ePUB)
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Morgen wirst du sterben

'Was vergangen ist, ist nicht vergessen. Es kommt wieder. Es holt dich ein. Am 2. Juli wirst du bezahlen.' Die Geschwister Sophia und Moritz aus Düsseldorf, Schauspielschülerin Julie aus Hamburg und Jungunternehmer Philipp aus München sind vier junge Leute, die sich nicht kennen und die auf den ersten Blick nichts miteinander verbindet. Außer dass sie alle am 2. Juli sterben sollen, wenn es nach dem anonymen Verfasser der rätselhaften E-Mails geht, die sie empfangen haben ... Der Roman war für den Hansjörg-Martin-Preis 2014 des SYNDIKAT und für die Segeberger Feder 2013 nominiert und wurde mit dem Arbeitsstipendium Literatur der Stadt Düsseldorf gefördert. Gina Mayer schreibt nicht nur Thriller und historische Romane, sie hat auch schon eine Vielzahl an Kinder- und Jugendbüchern veröffentlicht. Die meisten ihrer Romane spielen in ihrer Wahlheimat Düsseldorf. bei edition oberkassel erschienen: - Die Protestantin - Das Medaillon - Morgen wirst du sterben

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 12.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958130500
    Verlag: edition oberkassel
    Größe: 1252 kBytes
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Morgen wirst du sterben

Zwei

Julie machte die Wohnungstür zu und ließ ihre Tasche zu Boden fallen. Sie lehnte sich mit dem Rücken gegen die Tür und schloss die Augen. Geschafft.

Durch ihre Lider flirrten rötlich die Sonnenstrahlen. Die Wohnung roch nach frischer Farbe und Putzmittel mit Zitronenduft und Staub. Ihre Wohnung. Ihre erste eigene Wohnung.

Gestern wurden ihre Möbel aus Lohbrügge nach Ottensen gebracht. Vier Fahrten mit Joes kleinem Lieferwagen. Ein Schrank, ein Schreibtisch, ihre breite Matratze. Bücherregale. Die Anlage. Ein paar Kisten mit Büchern, Klamotten, Geschirr. Das war's. Mehr besaß sie nicht. Mehr brauchte sie nicht.

Jetzt war ihr ganzes Hab und Gut hier und sie war hier und alles war gut.

"Die ersten Nächte werden wahrscheinlich ganz schön hart", hatte Esther zu ihr gesagt, als sie sich vorhin von ihr verabschiedet hatte. "Zum ersten Mal so ganz allein."

So ein Quatsch, dachte Julie jetzt.

Hart war das, was hinter ihr lag. Die letzten achtzehn Jahre. Das Leben mit Marianne, ihrer überdrehten Mutter, die ständig von einer Laune in die andere fiel, die mittags drei Kilo frischen Lachs kaufte und ihn abends in den Müll warf, weil sie Fisch nicht riechen konnte. Die den Flur in einer Woche hellgrün, rosa und gelb strich und dann einen Maler bestellte, der alles wieder weiß tapezierte. Die allen Bekannten, Nachbarn, Freunden mit ihrem Comeback auf die Nerven ging. "Ich komm ganz groß raus", sagte sie. "Mein Agent ist sooo zuversichtlich."

Ende der Neunziger hatte Marianne bei einem Independent-Label eine CD aufgenommen. Ihr Song "Paranoia" hielt sich eine Woche lang in den Top 100 der deutschen Charts. Sie hatte Gigs in vielen Hamburger Clubs, ein paarmal war sie auch in Berlin, Bremen und Osnabrück aufgetreten. Auf ihrer Tournee - wie sie die Städtetrips großspurig nannte - war sie schwanger geworden. Julie hatte den Schlussstrich unter ihre Karriere gezogen. Das verkündete sie jedem, der es wissen wollte, und denen, die es nicht wissen wollten, erzählte sie es auch.

"Das Music-Business ist knallhart", erklärte sie. "Als alleinerziehende Mutter hast du da keine Schnitte. Da bist du sofort raus, so was von raus."

Hauptsache, du hast eine Entschuldigung, dachte Julie.

Sie öffnete die Augen wieder und atmete tief durch. Vorbei. Die Lebenslügen und Ausflüchte ihrer Mutter. Ihre Zicken und Allüren und Launen. Das alles ist nicht mehr mein Bier, dachte Julie.

Sie war frei.

Ab dem Wintersemester 2014 hatte sie einen Studienplatz an der Hamburger Schauspielschule. Und obwohl es bis dahin noch mehr als drei Monate waren, hatte sie jetzt schon eine Wohnung in Ottensen angemietet.

"BAföG gibt es doch erst ab September", hatte Marianne gesagt. "Wie willst du denn bis dahin die Miete bezahlen?"

"Indem ich Geld verdiene", hatte Julie entgegnet. "Das ist ein irres Konzept, Mama. Man geht arbeiten und bekommt dafür Kohle und davon bestreitet man seinen Lebensunterhalt."

Danach war sie ausgezogen.

Und nun war sie hier.

Durch die hohen Fenster fiel Sonnenlicht auf die Schachteln und Kisten, die sie gestern an der Wand entlang aufgestapelt hatten. In einem der Umzugskartons musste die alte Kristallvase ihrer Oma sein. Julie hatte die Seitenwände der Kisten mit Edding beschriftet. Bücher, CDs, Badezimmerkram, Geschirr.

Der Karton mit dem Geschirr stand natürlich ganz unten. Sie wuchtete die anderen Kisten zur Seite und kramte die Vase aus der Schachtel. Holte Wasser, entfernte das Papier von den Ringelblumen, die sie auf dem Markt gekauft hatte, stellte die Blumen in die Vase und die Vase auf den Schreibtisch neben ihren Laptop. Die Sonne fiel genau auf die gelben Ringelblumenblüten, brachte sie zum Leuchten und brach sich in den Facetten der Kristallvase. So schön, dachte Julie.

Sie machte sich eine Tasse Nescafé mit H-Milch und stellte sich damit auf den Balkon, der eigentlich k

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