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Motherless Brooklyn Roman von Lethem, Jonathan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.01.2019
  • Verlag: Tropen
eBook (ePUB)
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Motherless Brooklyn

Ein ermordeter Mafi oso mit großem Herz und großer Klappe. Ein kleiner Gangster mit Tourette-Syndrom auf der Spur des Verbrechens. Messerscharfe Dialoge und grandioser Sprachwitz vor der Kulisse der Unterwelt Brooklyns. Das Waisenhaus St. Vincents in Brooklyn, frühe siebziger Jahre. Für Lionel Essrog, der am Tourette-Syndrom leidet, ist Frank Minna so etwas wie ein Erlöser. Der im ganzen Viertel beliebte Ganove taucht eines Tages auf und nimmt Lionel und drei weitere Jungs mit auf seine mysteriösen Streifzüge quer durch Brooklyn. Aus den vier Waisen werden so die Minna Men, die von Detektei bis Fahrdiensten alles anbieten. Ihre Tage und Nächte drehen sich um Frank, den Prinzen von Brooklyn, der mit großer Klappe durchs Leben eilt. Dann kommt die furchtbare Nacht, in der Frank niedergestochen wird und Lionel auf sich selbst gestellt ist. Auf der Suche nach Franks Mörder verstrickt er sich tiefer und tiefer in Brooklyns Unterwelt und die geheimen und unüberschaubaren Gesetze dieses Viertels, in dem niemand ist, was er zu sein scheint. "Eine geniale Mischung aus Spannung, Intelligenz und Kunstfertigkeit." Die Zeit Jonathan Lethem, geboren 1964 in New York, ist Autor zahlreicher Romane, darunter die Brooklyn-Romane "Motherless Brooklyn" und "Die Festung der Einsamkeit". Für sein Werk erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. den "National Book Critics Award", den "Gold Dagger" und das "MacArthur Fellowship". Lethem hat am Pomona College in Südkalifornien die Professur für Creative Writing inne. Zurzeit lebt er mit seiner Familie in Kalifornien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 376
    Erscheinungsdatum: 31.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608110807
    Verlag: Tropen
    Originaltitel: Motherless Brooklyn
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Motherless Brooklyn

Motherless Brooklyn

Ich bin in der Bibliothek des St. Vincent Waisenhauses für Jungen aufgewachsen, in einer Gegend von Downtown Brooklyn, die bisher noch kein Städteplaner für eine gehobene, sanierte Nachbarschaft auserkoren hat; nicht wirklich Brooklyn Heights, auch nicht Cobble Hill, nicht einmal Boerum Hill. Das Waisenhaus liegt mehr oder weniger direkt an der Abfahrt der Brooklyn Bridge, allerdings nicht in Sichtweite von Manhattan oder der Brücke selbst, neben einer achtspurigen Straße, flankiert von gesichtslosen, monolithischen öffentlichen Gebäuden, die, wie grau und unnahbar sie auch schienen, doch ein paar von uns Jungs von innen gesehen hatten, mittels der zentralen Sortierstelle der Post von Brooklyn, einem Gebäude, das die ganze Nacht hindurch blinkte und summte und dessen Tore sich ächzend öffneten, um Postwagen mit Bergen der geheimnisvollen Fracht namens Briefe einzulassen, mittels der Burton Fachhochschule für Automechanik, von wo aus hartgesottene Studenten, die versuchten, ihr Leben möglichst langweilig und geradlinig zu gestalten, zweimal am Tag zu Butterbrot und Bier ausströmten, die benachbarte Bodega belagerten, Passanten belästigten und uns Jungs mit ihrer widerspenstigen flegelhaften Herrlichkeit begeisterten, mittels eines trostlosen Grünstreifens mit Parkbänken unter einer steinernen Büste von Lafayette, die seinen Eintritt in die Schlacht um Brooklyn darstellt, mittels eines Parkplatzes, umgeben von einem hohen, stacheldrahtbewehrten Zaun mit windgepeitschten, neonfarbenen Flaggen, und mittels eines Gebetshauses der Quäker aus rotem Backstein, das vermutlich schon dort stand, als alles rundherum noch Ackerland war. Kurz gesagt, diese Ansammlung aus Gerümpel an der verklumpten Einfahrt in diesen alten, mitgenommenen Bezirk war offiziell Niemandsland, ein Ort, den man bei der Durchfahrt stets zu ignorieren versuchte. Bis ich von Frank Minna errettet wurde, lebte ich, wie schon gesagt, in der Bibliothek.

Ich nahm mir vor, jedes Buch dieser gruftartigen Bibliothek zu lesen, jede tote Schenkung, die hier katalogisiert und vergessen worden war - ein Merkmal meiner tiefgründigen Angst und Langeweile in St. Vincent, ein frühes Anzeichen meiner durch Tourette bedingten Zwanghaftigkeit, was Zählen, Untersuchen und Ordnen anbelangte. Dort hockte ich auf dem Fenstersims, blätterte in den trockenen Seiten und betrachtete Staubpartikel, die durch die Sonnenstrahlen flipperten, suchte bei Theodore Dreiser, Kenneth Roberts, J. B. Priestley und alten Ausgaben von "Allgemeine Mechanik" nach verwandten Zeichen meines aufdämmernden merkwürdigen Selbst, scheiterte aber, konnte meine Sprache nicht finden, so wie ich auch beim Fernsehen scheiterte, bei all den endlosen Wiederholungen von "Verliebt in eine Hexe" und "Bezaubernde Jeannie" und "Hoppla Lucy" und "Gilligans Insel" und "Drei Mädchen und drei Jungen", mit denen wir Stubenhocker unzählige Nachmittage vergeudeten, immer dicht am Bildschirm, um die Gesichter der Frauen zu studieren - Frauen! exotisch wie Briefe, wie Telefonanrufe, wie Wälder, alles Dinge, die uns Waisen verwehrt blieben - und die Abenteuer ihrer Männer, aber selbst in ihnen fand ich mich nicht wieder, Desi Arnaz, Dick York, Larry Hagman, diese geplagten, bodenständigen Astronauten, sie zeigten mir nicht, was ich zu sehen begehrte, sie halfen mir nicht, meine Sprache zu finden. Samstagmorgens war ich näher dran, besonders Daffy Duck bedeutete mir viel, solange ich die Vorstellung ertragen konnte, als dynamitgeladene, schnabelschnäuzige Ente aufzuwachsen. Art Carney mit den "Honeymooners" rangierte an zweiter Stelle, es lag etwas in der Art, wie er seinen Hals verdrehte, das mir gefiel, wenn es uns denn erlaubt war, lange genug aufzubleiben. Aber es war Minna, der mir die Sprache schenkte, Minna und die Court Street lehrten mich Sprechen.

Wir vier wurden an jenem Tag ausgesucht, weil wir vier von fünf weißen Ju

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