text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Mystery Girl Roman von Gordon, David (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.07.2014
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Mystery Girl

Sam Kornberg liebt Trash-Filme, Hochliteratur und seine Frau Lala. Als die ihn verlässt, bricht für Sam eine Welt zusammen. Um sie wiederzugewinnen, ist er zum Äußersten bereit - er sucht sich einen Job. Den erstbesten, den er kriegen kann: Assistent eines Privatdetektivs. Sein Chef ist Solar Lonsky, ein kränkliches, fettleibiges Genie, das sein Haus nicht verlassen kann. Sams erster Auftrag ist die Beschattung einer mysteriösen Frau. Eigentlich muss er nichts weiter tun, als ihr durch Los Angeles zu folgen, doch schon bald verfällt er ihr hoffnungslos und wird in einen Mordfall verwickelt, in dem Satanisten, Succubi, Untergrundfilmer, Hollywoodstars und mexikanische Gangster eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Mystery Girl ist ein Thriller über die Gefahren von Kunst und Liebe, ein Schnellkurs in "Verfall der westlichen Zivilisation" und ein durchgeknallter Trip durch L.A. Und, ach ja, es ist eine irre spannende, wahnsinnig gewiefte und brutal komische Geschichte. David Gordon wurde in New York geboren, studierte an der Columbia University und hat in der Film-, Mode-, Buch- und Pornoindustrie gearbeitet, bevor sein erster Roman begeistert von der Kritik aufgenommen wurde. Mystery Girl ist sein zweiter Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 360
    Erscheinungsdatum: 14.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518737248
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: Mystery Girl
    Größe: 1423 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Mystery Girl

13

Als ich am nächsten Tag vor Ramona Doons Haus wartete, kam sie heraus. Sie trug ein hellblaues Sommerkleid mit dünnen Trägern auf den gebräunten Schultern und rote Highheels mit Riemchen. Ihre Beine waren nackt. Ihr Gesicht war bedeckt von einer großen, runden Sonnenbrille, und das dunkle Haar schwang ihr über den Rücken, als sie zu ihrem Wagen ging, einem cremeweißen alten Mercedes-Cabrio mit knallgelbem Verdeck, das jetzt zurückgeklappt war, und schokoladenbraunen Ledersitzen. Na dann los.

Sie führte mich Richtung Westen durch Hollywood und dann runter zu Sunset Boulevard und Sunset Strip. Wenn man gerade nicht in Eile ist, der Verkehr fließt, eine leichte Brise weht, KXLU im Radio läuft und man dafür bezahlt wird, kann das eine richtig angenehme Strecke sein. Wir passierten Reklametafeln, Hotels und Nachtclubs mit geschlossenen Fensterläden. Das ehemalige Naturkostrestaurant, in dem Woody in Der Stadtneurotiker ausrastet, und das einstige Striplokal, das Ben Gazzara in Die Ermordung eines chinesischen Buchmachers betreibt. Der Rest der Menschheit trieb an mir vorüber – die Hässlichen, die Schönen, die Wütenden, die Gelangweilten, die schwitzenden Touristen, der mexikanische Gärtner mit Zigarette, der Juniorchef, der in sein Headset brüllte – sie alle ploppten kurz an die Oberfläche, bevor das Schicksal sie wieder wegspülte. Vielleicht war es die Tatsache, dass ich mich in der Stadt der Filme befand, vielleicht auch nur die magische Einheit von Bewegung, Musik und Autos, aber ich fühlte mich getröstet, so als wäre mein eigenes mickriges Drama Teil einer größeren Show, eines Films, gedreht vor dieser unsteten Kulisse, die an mir vorbeirauschte, während ich dem Wind entgegenfuhr. Unserem Leben eine Form zu geben, wie flüchtig sie auch sein mag, und unseren Verlusten einen Namen, diesen Trost spendet uns Kunst.

Wir verließen West Hollywood und segelten durch Beverly Hills, vorbei an saftig grünem Rasen, olivbraunen Cañ;ons, an rosafarbenen Hotels und karikaturesken Anwesen quer durch alle Stilperioden – ein strohgedecktes englisches Landhaus mit zehn Zimmern neben einer Tudor-Villa mit fünf Wagen in der Einfahrt, in unmittelbarer Nähe von Monticello, dem Pantheon und dem Dogenpalast von Venedig. Das Ganze wirkte wie ein überlebensgroß aufgeblasener Minigolfplatz. Dann kamen Brentwood und Pacific Palisades, jene anderen, dezenteren und in gewisser Weise sogar unwirklicheren Gegenden: Während das verschwenderische und schamlos luxuriöse Beverly Hills voll und ganz mit sich im Einklang ist, wirken die Residenzen der Reichen und Schönen, die auf dem westlichen Rand der Küste balancieren, eher wie pseudoprovinzielle Heimatstädte, mit Tischdecken, Dachschindeln und Fensterläden im Ranch-Stil und niedlichen Einkaufstaschen. Mit dem winzigen Unterschied, dass von einem Salat des Hauses bis hin zu einem Haus alles zehn, hundert oder tausend Mal so viel kostet wie in der Heimat, und sobald man die atemberaubend schönen Vorzeige-Mums, die unfassbar reichen Daddys und die Junior-Millionäre auf ihren Fahrrädern sieht, wird dir trotz der herzlichen und einladenden Atmosphäre klar: Du gehörst nicht hierher.

Mit dem nötigen Kleingeld aber ist es jeden Penny wert. Das warme Licht ist umhüllt von balsamischen Rosmarin- und Salbeidüften, in der lauen Luft wehte das Aroma von Bio-Hustenbonbons und traditionellen Foccacia. Auch wenn man das Meer nicht sieht, spürt man es auf der Haut. Man durchquert ein Wechselspiel aus Sonne und Schatten, Lichtungen, gesäumt von Eukalyptusbäumen, von denen sich lange, weiche Rindenkringel lösen, und Hügel, die graugrün und tiefrot leuch

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen