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Nachruf auf einen Spion von Ambler, Eric (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.07.2016
  • Verlag: Atlantik Verlag
eBook (ePUB)
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Nachruf auf einen Spion

Joseph Vadassy, jugoslawischer Sprachlehrer und Hobbyfotograf, gönnt sich nach Jahren endlich wieder einen Urlaub. Ein kleines Hotel an der südfranzösischen Riviera soll es sein. Als er aber nur zwei Tage nach seiner Ankunft in einer Drogerie seine ersten Urlaubsfotos entwickeln lassen will, wird er plötzlich festgenommen. Der Vorwurf: Er sei ein Spion und gefährde die französische Staatssicherheit. Vadassys einzige Chance, seine Unschuld zu beweisen, ist ein Deal mit der Polizei. Als verdeckter Ermittler wird er zurück in sein Hotel geschickt, um dort den wahren Spion zu entlarven. Aber wer ist hier Freund - und wer Feind?

Eric Ambler, geboren 1909, gehört zu den Begründern des klassischen Noir- und Spionagethrillers und wurde für seine Arbeit vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Order of the British Empire, der ihm 1981 von Königin Elisabeth II. verliehen wurde. Eric Ambler starb 1998 in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 16.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455170863
    Verlag: Atlantik Verlag
    Größe: 757 kBytes
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Nachruf auf einen Spion

1

Am 14 . August, einem Dienstag, traf ich, aus Nizza kommend, in St. Gatien ein. Am Donnerstag, dem 16 . August, um 11 . 45 Uhr wurde ich von einem Kriminalbeamten festgenommen und in Begleitung eines Polizisten auf das Kommissariat gebracht.

Diese beiden Sätze zu schreiben fiel mir nicht schwer. Ich starrte auf das Blatt Papier und überlegte, welche Wirkung diese Worte auf mich haben würden. Vor nicht allzu langer Zeit hätte mein Herz schon bei ihrem Anblick schneller geklopft, ich wäre hinausgelaufen, um unter Menschen zu sein, um den Staub der Straße einzuatmen und mich zu vergewissern, dass ich nicht allein war. Doch jetzt kann ich sie niederschreiben, ohne dass sie mich berühren. Man vergisst schnell. Oder liegt es daran, dass man die Realität immer nur bruchstückhaft, ausschnittweise wahrnimmt, dass eine Linie, die einem heute als kurzer Strich erscheint, sich tags darauf als Teil eines vollständigen Kreises herausstellt? Schimler würde dem zustimmen. Aber er ist nach Deutschland zurückgekehrt, und ich glaube nicht, dass ich ihn je wiedersehen werde. Die anderen vermutlich genauso wenig. Einer von ihnen schrieb mir vor ein paar Wochen einen Brief, der mir von der neuen Direktion des Hôtel de la Réserve nachgeschickt wurde. Er sprach von den "angenehmen Stunden", die er in meiner Gesellschaft verbracht habe, und bat mich abschließend um ein Darlehen von ein paar hundert Francs. Der Brief steckt, noch immer unbeantwortet, in meiner Tasche. Wenn ich tatsächlich angenehme Stunden in der Gesellschaft dieses Mannes verbracht habe, so erinnere ich mich nicht daran. Ich habe auch kein Geld, das ich ihm leihen könnte. Das ist einer der Gründe, weshalb ich diese Geschichte schreibe. Der andere Grund ... Aber urteilen Sie selbst.

Die Eisenbahnlinie von Toulon nach La Ciotat verläuft mehrere Kilometer lang dicht neben der Küste. Sooft der Zug aus einem der vielen Tunnels auftaucht, die sich auf dieser Strecke aneinanderreihen, sieht man für kurze Zeit das strahlendblaue Meer unterhalb der Gleise, die roten Felsen, die weißen Häuser in den Pinienwäldern. Es ist, als würden einem in großer Hast bunte Lichtbilder vorgeführt. Dem Auge bleibt keine Zeit, Einzelheiten wahrzunehmen. Selbst wenn man von St. Gatien weiß und nach dem Ort Ausschau hält, sieht man nur das leuchtendrote Dach und die blassgelben Mauern des Hôtel de la Réserve.

Von St. Gatien und seinem Hotel hatte mir ein Bekannter in Paris erzählt. Die Zimmer des Réserve seien komfortabel, es liege schön, die Küche sei épatant und der Ort selbst noch nicht "entdeckt". Für vierzig Francs pro Tag mit Vollpension könne man dort angenehm leben.

Vierzig Francs waren ziemlich viel Geld für mich, doch nach zwei Tagen im Réserve machte ich mir über diesen Luxus keine Gedanken mehr. Im Gegenteil, ich wünschte, ich hätte meinen dreiwöchigen Urlaub von vornherein dort verbracht, statt auf dem Rückweg nach Paris nur Zwischenstation zu machen. Das Réserve war eines von diesen kleinen Hotels.

St. Gatien liegt malerisch auf der windgeschützten Seite der kleinen Landzunge, auf der das Hotel steht. Die Häuser sind, wie die meisten Fischerdörfer am Mittelmeer, weiß, hellblau oder rosarot getüncht. Felsige Anhöhen, deren pinienbestandene Hänge auf der anderen Seite der Bucht steil ins Wasser abfallen, schützen den kleinen Hafen vor dem Mistral, der manchmal heftig aus Nordwest weht. Der Ort hat 743 Einwohner, die zum größten Teil von der Fischerei leben. Es gibt zwei Cafés, drei Bistros, sieben Geschäfte und, etwas weiter außerhalb an der Bucht, eine Polizeistation.

Vom Ende der Terrasse, auf der ich an diesem Morgen saß, waren das Dorf und die Polizeiwache jedoch nicht zu sehen. Das Hotel steht auf dem höchsten Punkt der Landzunge, und die Terrasse erstreckt sich an der Südseite des Gebäudes. Hinter der Te

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