text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Nachtschwalbe Roman von Eriksson, Kjell (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.09.2018
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Nachtschwalbe

In der Nacht zum 10. Mai hat die Polizei in Uppsala alle Hände voll zu tun. Schaufenster werden eingeworfen, ein Haus am Stadtrand geht in Flammen auf und in einer Buchhandlung wird ein junger Schwede tot aufgefunden. Kurz darauf tauchen Flugblätter auf, in denen die Schuld für die Unruhen jungen Immigranten zugewiesen wird. Die Stimmung kocht und Forderungen nach einem Ende der unbegrenzten Zuwanderung werden immer lauter. Ann Lindell und die Kripo von Uppsala übernehmen die Mordermittlungen. Zwar gibt es einen 'dunkelhaarigen' Verdächtigen, allerdings auch Hinweise auf eine Tat aus Eifersucht. Beim Exfreund der Freundin des Toten finden sich sogar Blutspuren des Opfers. Doch es gibt auch einen Zeugen: Der fünfzehnjährige Iraner Ali war vor Ort und glaubt den Täter erkannt zu haben... Kjell Eriksson, geboren 1953, hat Erfahrungen in mehreren Berufen gesammelt. Er lebt in der Nähe von Uppsala. Für seinen ersten Kriminalroman um die Ermittlerin Ann Lindell 'Den upplysta stigen' erhielt er 1999 den schwedischen 'Krimipreis für Debütanten'. Sein Roman 'Der Tote im Schnee' wurde zum 'Kriminalroman des Jahres 2002' gekürt, eine Ehrung, die bereits Autoren wie Liza Marklund, Henning Mankell und Håkan Nesser bekommen hatten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 03.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841216595
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 2013 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Nachtschwalbe

4

Samstag, 10. Mai, 7.55 Uhr

Marcus' Blick war starr auf die Tasse gerichtet. Er hatte seinen Kaffee ebenso wenig angerührt wie den Zwieback, den Martin Nilsson auf den Tisch gestellt hatte.

"Hast du Hunger?"

Marcus blickte erstaunt auf, schüttelte den Kopf und versuchte zu lächeln.

"Hat sie dunkles Haar, oder ist sie blond?"

"Dunkel."

"Die sind immer schwierig", sagte Martin Nilsson. "Trink deinen Kaffee."

Marcus gehorchte mechanisch. Seine kurzen Haare standen in alle Richtungen vom Kopf ab, die Stirn war mit roten Flecken übersät, die von kleinen weißen Punkten umgeben waren. Martin musste an einen Apfel denken, dessen Schale zu lange der prallen Sonne ausgesetzt gewesen war. Als Marcus die Tasse an den Mund hob, traten zwei tiefe Furchen auf seine Wangen, und er sah plötzlich wesentlich älter aus.

"Möchtest du vielleicht ein richtiges Brot?"

"Nein, danke."

"Was treibst du denn sonst so?"

"Ich studiere. Medienwissenschaft."

"Lina besucht das Grafische Ausbildungszentrum, sie belegt Kurse in Fotografie und so."

Der Junge zeigte sich nicht sonderlich interessiert.

Martin Nilsson spürte, dass er allmählich müde wurde. Er sollte Lina wecken, sich eine Viertelstunde mit ihr unterhalten, während sie frühstückte, und sich anschließend ein paar Stunden aufs Ohr legen, aber die Unruhe, die ihn auf seiner Fahrt durch die Stadt erfasst hatte, war noch nicht verflogen.

"Bevor ich dich aufgelesen habe, sollte ich eigentlich noch eine Fahrt übernehmen, aber ich habe abgelehnt", sagte er.

"Kommt das öfter vor?"

"Nein, eher selten. Es sei denn, jemand randaliert."

"War der Typ voll?"

"Nein", erwiderte Martin, "das nicht, aber es war ein alter Kumpel. Wir sind zusammen in die Schule gegangen, haben viele Jahre zusammengehangen."

"Und Sie wollten ihn nicht fahren?"

"Er hieß Magnus, Quatsch, er heißt sicher immer noch so. Ich glaube nicht, dass er mich erkannt hat. Oder er hat so getan, als würde er mich nicht kennen."

"Warum sollte er das tun? Haben Sie sich gestritten?"

Zum ersten Mal an diesem Morgen zeigte Marcus Interesse an etwas. Er trank einen Schluck Kaffee und nahm sich einen Zwieback.

"Ich sollte jetzt vielleicht Lina wecken", sagte Martin Nilsson.

"Und ich werde wohl nach Hause latschen und mich in die Koje hauen", sagte der Junge. Eine Redewendung, die Martins Vater oft gebraucht hatte.

Martin Nilsson erhob sich, blieb aber am Tisch stehen.

"Wir haben uns tatsächlich gestritten", sagte er leise, nahm seine Kaffeetasse und stellte sie auf die Spüle. "Er hielt sich auf einmal für so verdammt wichtig. Wir gingen damals in die Hjalmar-Branting-Schule. Seinem Vater gehörte ein Spielzeuggeschäft, aber der hatte sich umgebracht. Die Mutter hat dann einen Wirt geheiratet, der später pleiteging und aus der Stadt verschwand."

"Wird man dadurch denn so wichtig?"

"Nein, nicht unbedingt. Heute ist er Politiker oder irgendwas bei der Stadt. Ich sehe ihn manchmal im Fernsehen."

Martin drehte die Tasse auf der Spüle. Warum erzählte er das alles?

"Man weiß so wenig, wenn man in die Schule geht", fuhr er fort. "Es scheint einem alles zuzufliegen. Die Welt steht einem offen. Oder auch nicht", korrigierte er sich selbst.

"Man ist doch noch ein Kind", meinte Marcus altklug.

"Aus den meisten werden bestimmt anständige Leute."

"Es können ja nicht alle Politiker werden", sagte Marcus. "Es ist bestimmt ganz schön hart, wenn sich der eigene Vater umbringt."

"Er hat sich eine Kugel in den Kopf gejagt. Ich muss jetzt Lina wecken, aber bleib ruhig sitzen", fügte er hinzu, als Marcus sich anschickte aufzustehen.

Wenn ich die Fahrt zum Flughafen übernommen hätte, wäre ich diesem Jungen niemals begegnet, dachte Martin.

Lina hatte wie ihr Vater dunkle Haare. Als sie schlaftrunken

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen