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NEANDER von Krämer, Micha (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.09.2016
  • Verlag: CW Niemeyer Buchverlage GmbH
eBook (ePUB)
6,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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NEANDER

Nach einem Discobesuch im Jahr 1991 verschwindet die 17-jährige Sabine Schiller spurlos. Dreiundzwanzig Jahre später tritt die junge Humangenetikerin Dorothea Mühlflug eine Stellung in einem geheimen unterirdischen Forschungslabor im Westerwald an. Schnell wird ihr klar, dass ihre Kollegen nicht nur an Primaten die Möglichkeiten einer neuen menschlichen Evolutionsstufe erforschen.

Micha Krämer wurde 1970 in Kausen, einem kleinen 700-Seelen-Dorf im nördlichen Westerwald, geboren. Dort lebt er noch heute mit seiner Frau, zwei mittlerweile erwachsenen Söhnen und seinem Hund. Der regionale Erfolg der beiden Jugendbücher, die er 2009 eigentlich nur für seine eigenen Kinder schrieb, war überwältigend und kam für ihn selbst total überraschend. Einmal Blut geleckt, musste nun ein richtiges Buch her. Im Juni 2010 erschien 'KELTENRING', sein erster Roman für Erwachsene, und zum Ende desselben Jahres folgte sein erster Kriminalroman 'Tod im Lokschuppen', der die Geschichte der jungen Kommissarin Nina Moretti erzählt. Was als eine einmalige Geschichte für das Betzdorfer Krimifestival begann, hat es weit über die Region hinaus zum Kultstatus gebracht. Inzwischen findet man die im Westerwald angesiedelten Kriminalromane in fast jeder Buchhandlung im deutschsprachigen Raum. Neben seiner Familie, dem Beruf und dem Schreiben gehört die Musik zu einer seiner großen Leidenschaften.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 418
    Erscheinungsdatum: 02.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827197924
    Verlag: CW Niemeyer Buchverlage GmbH
    Größe: 3168 kBytes
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NEANDER

KAPITEL 1

10.08.1991, 20:52 Uhr

Montabaur, Westerwald

Mit einem lauten Krachen el die Haustür ins Schloss. Diese blöden Spießer, die hatten doch überhaupt keine Ahnung. Warum behandelten die sie so? Schließlich war sie kein Kind mehr, das man herumschubsen konnte und dem man sagen musste, was richtig oder falsch war. Was für sie gut war oder nicht, das konnte sie wohl allein am besten entscheiden. Sabine Schiller stülpte den Helm über, setzte sich auf ihre alte Zündapp und trat das Mofa wutentbrannt an. In zwei Monaten würde sie achtzehn werden und endlich ausziehen können. Wohin, wusste sie nicht. Das war auch egal, Hauptsache weg von ihren rechthaberischen Eltern. Am liebsten in Richtung Limburg, wo sie seit einem Jahr eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin absolvierte. Sie würde damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Erstens entkäme sie endlich der Bevormundung ihrer Eltern und zweitens könnte sie morgens länger ausschlafen. Die einstündige Fahrt mit dem Bus nervte schon gewaltig. Jeden Morgen eine Stunde hin und nachmittags wieder eine Stunde zurück. Mit dem Auto, über die A3, waren es bis Limburg noch nicht mal zwanzig Minuten, aber der blöde Omnibus musste ja in jedem der doofen Westerwaldkäffer auf der Strecke anhalten. Im Augenwinkel bemerkte sie ihren Vater, der mit hochrotem Kopf nun in der Haustür stand und ihr irgendetwas hinterherschrie. Sollte er doch. Ihretwegen konnte er schreien, bis er schwarz wurde. Sabine drehte mehrmals am Gashebel. Der Zweitakter röhrte rhythmisch. Dann legte sie den ersten Gang ein, ließ die Kupplung kommen und schoss aus der Einfahrt auf die Straße. Je weiter sie sich von ihrem Elternhaus entfernte, desto besser fühlte sie sich und desto mehr beruhigte sie sich. Ginge es nach ihren Eltern, müsste sie heute Abend brav mit ihnen zu Hause hocken und Scrabble spielen. Familienabend. Pah, ihre Familie konnte sie mal. Heute war Freitag. Freitags ging man aus. In die Diskothek nach Elz. Zu Hause hocken und Scrabble spielen konnte sie später im Altenheim genug. Sie war jung und wollte unter Menschen sein, und wenn ihre Eltern das nicht kapierten, dann war das deren Pech. Der Tacho des Mofas bewegte sich zitternd auf die fünfzig zu. Sabine musste grinsen. Die zwanzig Mark, die sie Tobi und Mark gegeben hatte, damit die beiden die alte Kiste ein wenig frisierten, hatten sich gelohnt. Die Höchstgeschwindigkeit des Fahrrads mit Hilfsmotor hatte sich tatsächlich verdoppelt. So kam man wenigstens voran. In Malmeneich bog sie auf die B8 in Richtung Elz ab. Es dämmerte bereits, und als sie das Stück durch den Wald kurz vor Elz fuhr, war sie froh, dass Tobi noch am Nachmittag das Birnchen in dem kleinen Scheinwerfer ausgetauscht hatte. Schnell wie der Wind schoss die alte Zündapp das leichte Gefälle hinunter und um ein Haar wäre sie an der Abbiegung zum Industriegebiet, in dem sich die Diskothek Anyway befand, vorbeigerauscht.

Vor der Disco wartete Annika auf sie. Annika lernte, genau wie Sabine, Zahnarzthelferin und genau wie sie, war die Freundin nun im zweiten Lehrjahr. Allerdings bei der Konkurrenz, wenn es so etwas bei Ärzten gab. Sie beide kannten sich aus der Berufsschule. Annika war ein Jahr älter als sie und wohnte seit Kurzem mit André, ihrem neuen Freund, in einer kleinen Wohnung mitten in der Limburger Innenstadt. Ein Zustand, von dem Sabine nur träumen konnte. Eine eigene Wohnung, natürlich in ihrem Fall ohne André, da der Typ ein Idiot war. Sie selber war derzeit solo. Wobei derzeit vielleicht nicht der richtige Ausdruck war, da sie bisher noch nie mit einem Jungen gegangen war. Es war halt noch nicht der Richtige dabei gewesen.

Sie musste an Tobi denken. Eigentlich fand sie den Sohn ihrer Nachbarin nett. Tobi hatte sie auch neulich erst gefragt, ob sie mit ihm gehen wollte, doch Sabine hatte sein Angebot ausgeschlagen. Tobi war fünfzehn, also zwei Jahre jünger als sie. Außer

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