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Nebel über der Küste Der vierte Fall für Helene Christ von Neumann, H. Dieter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.05.2017
  • Verlag: Grafit Verlag
eBook (ePUB)
9,99 €
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Nebel über der Küste

Große Aufregung in Flensburg. Die Leiche von Hark Ole Harmsen wird mit Schusswunden am Strand gefunden. Der Staatssekretär des Kieler Wirtschaftsministeriums galt als der kommende Mann seiner Fraktion. Schnell gerät eine Parteikollegin Harmsens in Verdacht, denn die schärfste Konkurrentin des Opfers kann ihre Freude über den Tod des Erzfeindes nur schwer verhehlen. Wegen der politischen Brisanz ein heikler Fall für die frisch zur Oberkommissarin beförderte Helene Christ. Zu allem Überfluss muss sie sich mit einer neuen Vorgesetzten herumschlagen: Jasmin Brenneke kommt vom LKA nach Flensburg und setzt dort ganz eigene Prioritäten. Wenigstens kann Helene auf die Hilfe ihres Exkollegen Edgar Schimmel und ihres Freundes Simon Simonsen zählen. Die braucht sie auch dringend, denn bald droht sie in einem Sumpf aus politischen Grabenkämpfen und rücksichtslosen Intrigen zu versinken. H. Dieter Neumann, Jahrgang 1949, war Offizier in der Luftwaffe der Bundeswehr und in verschiedenen internationalen Dienststellen der NATO. Anschließend arbeitete der diplomierte Finanzökonom als Vertriebsleiter und Geschäftsführer in der Versicherungswirtschaft, bevor er sich ganz aufs Schreiben verlegte. Der passionierte Segler ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und lebt in Flensburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 284
    Erscheinungsdatum: 09.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783894257194
    Verlag: Grafit Verlag
    Serie: Helene Christ 4
    Größe: 531 kBytes
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Nebel über der Küste

1

Sanft, anfangs kaum wahrnehmbar, bald jedoch mit zwingender Macht verwandelte sich die Welt um ihn herum. Noch bevor sich der Nebel sichtbar aufs Wasser zu legen begann, konnte er ihn fühlen, klamm und drückend.

Bleierne Lautlosigkeit. Alle fernen Geräusche, jeglicher Hall versanken in distanzloser Dumpfheit. Wie ein dichtes Netz aus haarfeinen feuchten Fäden umfing der weiße Dunst, in dem alle Geräusche erstickten, das Boot. Allein das leise Plätschern des Wassers an der Bordwand und das träge Flappen des nutzlos hin und her wehenden Vorsegels drangen überlaut durch die nasse Watte.

Das Großsegel hatte Simon schon vor einer halben Stunde geborgen, als kaum noch Bewegung in der Luft gewesen war. Jetzt schlief der Wind völlig ein, und plötzlich schien es, als gäbe es seitab des Bootes nichts mehr - schon gar nicht das Land, das doch kaum eine Meile entfernt an Steuerbord lag.

Immer dunkler wurde es rundum, als die Abenddämmerung einsetzte. Himmel und Wasser verschmolzen zu lichtlosem Grau. Nur der starke Lichtstrahl des Leuchtturms Falshöft oben auf der Steilküste tastete sich matt durch die wattige Nässe.

Herbst an der Küste - Zeit, die Seeschwalbe ins Winterlager zu bringen. In Arnis an der Schlei hatte Simon einen Platz in einer beheizten Bootshalle gemietet. Während der langen Wintermonate erwarteten ihn ein paar dringende Überholungsarbeiten am Holzrumpf des über fünfzig Jahre alten Colin Archers.

Erst am Mittag war er endlich von seinem Schreibtisch in der Firma weggekommen, um am Liegeplatz im kleinen Hafen seines Heimatortes an der Flensburger Außenförde, nur wenige Hundert Meter von seinem Arbeitsplatz als Geschäftsführer von Simonsen Hoch- und Tiefbau entfernt, die Leinen loszuwerfen. Eigentlich hätte er es dennoch bis Arnis schaffen können, denn mit seiner Revierkenntnis und einem starken Bordscheinwerfer war es kein Problem, die Schlei auch nachts zu befahren, obwohl vor einigen Jahren die Betonnung stark ausgedünnt worden war.

Bei solchem Nebel jedoch wäre eine Weiterfahrt mehr als fahrlässig. Schleimünde lag noch etwa fünf Seemeilen entfernt. Die Seeschwalbe hatte kein Radar an Bord, und bei Dunkelheit nur nach dem Kartenplotter durch dichten Nebel blind in die enge Einfahrt des lang gezogenen Ostseefjords hineinzufahren, kam nicht infrage. Er würde Helene anrufen und ihr sagen müssen, dass sie ihn und Frau Sörensen erst morgen in Arnis abholen konnte. Das würde ihr nicht gefallen, wusste Simon. Er hatte ihr versprochen, die zugige Hintertür des alten Hauses zu reparieren, das sie vor zwei Monaten bezogen hatten.

Nun, dann musste es dort eben noch eine Nacht länger ziehen. Von einem derart rasanten Wetterumschlag war schließlich in keiner Vorhersage die Rede gewesen. Das kam im Frühjahr und auch jetzt im Oktober immer wieder vor in diesem Revier. Küstennebel traten ganz unvermittelt auf - lästige Gespenster, die niemand voraussehen konnte.

Simon fuhr zusammen, als Frau Sörensen widerwillig knurrend mit ihren Fledermausohren schlackerte. Überlaut drang das klatschende Geräusch bis zu ihm nach achtern an den Steuerstand. Das Boot war gerade mal vierzehn Meter lang, aber er konnte die Hündin schon nicht mehr sehen, die vorn im Nebel am Bug stand und wohl versuchte, die winzigen Wassertröpfchen, die ihr in die Ohren gedrungen waren, herauszuschütteln.

"Wir werden hier ankern müssen, Frau Sörensen!", rief er in die graue Wand hinein, griff um das Ruderrad herum, drehte den Zündschlüssel und startete den Motor. Sofort erfüllte das sonore Brummen des Diesels die Luft. Simon rollte mit der Reffleine die Selbstwendefock ein, die in der Flaute wie ein feuchter Sack am Stag gehangen hatte. Dann schaltete er in den Vorwärtsgang und gab etwas Gas. Langsam, den Tiefenmesser immer im Auge, steuerte Simon das Boot auf die Küste zu. Nach wenigen Minuten nahm die Wassertiefe rasch ab. Als

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