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NEBEL Thriller von Jonasson, Ragnar (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.09.2020
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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NEBEL

Ein einsames Bauernhaus - und ein verhängnisvoller Besuch.
Hulda Hermannsdóttir, Kommissarin bei der Polizei Reykjavík, kehrt nach einem Schicksalsschlag gerade wieder in ihren Beruf zurück. Um sie bei der Wiederaufnahme der Arbeit zu unterstützen, wird Hulda von ihrem Chef mit einem neuen Fall betraut: Mehrere Leichen wurden in einem abgelegenen Bauernhaus im Osten des Landes gefunden, und alles deutet darauf hin, dass sie dort schon seit einigen Wochen liegen. Was ist während der Weihnachtstage geschehen, als das Bauernhaus durch einen Schneesturm vom Rest der Welt abgeschnitten war? Und gibt es ein Entkommen vor der eigenen Schuld?

Ragnar Jónasson, 1976 in Reykjavík geboren, ist Mitglied der britischen Crime Writers' Association und Mitbegründer des "Iceland Noir", dem Reykjavík International Crime Writing Festival.
Seine Bücher werden in 21 Sprachen in über 30 Ländern veröffentlicht und von Zeitungen wie der New York Times und Washington Post gefeiert.
Ragnar Jónasson lebt und arbeitet als Schriftsteller und Investmentbanker in der isländischen Hauptstadt. An der Universität Reykjavík lehrt er außerdem Rechtswissenschaften. Die preisgekrönte Hulda-Trilogie erscheint bei btb erstmals auf Deutsch.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 21.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641251680
    Verlag: btb
    Originaltitel: Mistur
    Größe: 2827 kBytes
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NEBEL

I

Ende.

Erla legte ihr Buch weg und lehnte sich mit einem tiefen Seufzer in dem verschlissenen Sessel zurück.

Sie hatte keine Ahnung, wie spät es war. Die Standuhr im Wohnzimmer hatte schon vor Langem den Geist aufgegeben - es musste Jahre her sein. Sie wussten beide nicht, wie sie sie selbst reparieren sollten, und die Uhr war so schwer und sperrig, dass sie nie ernsthaft in Erwägung gezogen hatten, sie zu ihrem alten Jeep hinauszuschleppen und über die lange, holprige Straße ins Dorf zu fahren. Sie waren sich nicht einmal sicher, ob die Uhr überhaupt ins Auto passte oder ob es im Dorf jemanden gab, der in der Lage war, so einen uralten Mechanismus zu reparieren. Also ließen sie sie einfach stehen, wo sie war, auch wenn sie seither nur noch der Dekoration diente. Die Uhr hatte Einars Großvater gehört. Angeblich hatte er sie aus Dänemark mitgebracht, wo er die Landwirtschaftsschule besucht hatte, bevor er nach Hause zurückgekehrt war, um den Hof zu übernehmen. So sei es von ihm erwartet worden, wie Einar gern betonte. Später war dann sein Vater an der Reihe gewesen, ehe der Staffelstab schließlich an Einar selbst weitergereicht worden war. Sein Großvater war längst tot und auch sein Vater, der recht jung verstorben war. Hier draußen einen Hof zu bewirtschaften, ja nur hier zu leben forderte von Körper und Psyche einen hohen Tribut.

Erst jetzt spürte sie, dass es eiskalt im Zimmer war. Das war zu dieser Jahreszeit natürlich nicht anders zu erwarten. Das Haus war in die Jahre gekommen, und wenn der Wind aus einer bestimmten Richtung wehte, konnte man sich in manchen Zimmern - wie hier im Wohnzimmer - nur warm halten, indem man sich in eine dicke Decke wickelte, so wie sie es getan hatte. Auf diese Weise blieb ihr angenehm warm, nur ihre Hände, die unter der Decke hervorschauten, waren so eiskalt, dass sie kaum die Seiten umblättern konnte. Aber das nahm sie gerne in Kauf. Nichts bereitete ihr so viel Genuss wie das Lesen. Ein gutes Buch konnte sie weit, weit weg in eine andere Welt entführen, in ein anderes Land, eine andere Kultur, wo das Klima wärmer und das Leben leichter war. Das sollte nicht heißen, dass sie undankbar oder unzufrieden mit dem Hof oder seiner Lage war. Immerhin war es Einars Elternhaus, also blieb ihr gar nichts anderes übrig, als die Zähne zusammenzubeißen und das Beste daraus zu machen. Als junges Mädchen im Reykjavík der Nachkriegszeit hätte Erla sich nie träumen lassen, dass sie mal als Bauersfrau im wilden Hochland von Island leben würde, doch dann hatte sie Einar kennengelernt, und er hatte ihr Herz im Sturm erobert. Und bald darauf - sie waren beide gerade Anfang zwanzig gewesen - hatte sie Anna bekommen.

Sie dachte an Anna, deren Haus in einem etwas besseren Zustand war als ihres. Es war viel später erbaut worden, in einiger Entfernung von ihrem Hof, ursprünglich als Unterkunft für Pachtbauern. Das Schlimmste an der Entfernung war, dass sie einander nicht einfach spontan besuchen konnten, wenn das schlechte Wetter sich so festsetzte wie jetzt, oder jedenfalls nur unter beträchtlichen Schwierigkeiten. Einar ließ den Jeep während der härtesten Wintermonate für gewöhnlich stehen, weil selbst der Vierradantrieb, die Spikes-Reifen und die Schneeketten wenig halfen, wenn es tagelang schneite. Bei solchem Wetter kam man besser zu Fuß oder auf Langlaufskiern vom Fleck - und zum Glück waren sie und Einar beide passable Skifahrer. Nur schade, dass sie nicht öfter die Gelegenheit gehabt hatten, ihr Geschick auf richtigen Abfahrtspisten zu beweisen, aber für solche Dinge war nie viel Zeit gewesen. Auch das Geld war immer knapp - der Hof arbeitete gerade kostendeckend, aber viel für Freizeitaktivitäten oder Reisen auszugeben konnten sie sich nicht leisten. Sie redeten nur selten darüber. Es ging immer nur darum, sich über Wasser zu halten, den Hof am Laufen und wenn möglich in den schwarzen Zahlen zu halten. Sie wuss

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