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Nebelmeer von Schlennstedt, Jobst (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.05.2017
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Nebelmeer

In den Dünen am Priwallstrand wird eine bereits skelettierte weibliche Leiche gefunden. Niemand weiß, wer die Frau ist. Fest steht nur, dass sie Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist. Der Fall scheint Parallelen zu einem sechs Jahre alten ungeklärten Leichenfund im Schellbruch aufzuweisen, den Andresen als Leiter der X-Einheit auf dem Schreibtisch liegen hat. Als ein weiterer Mord geschieht, fügen sich die Puzzleteile allmählich zusammen. Der Horror, der sich ihm offenbart, bringt Andresen an seine Grenzen. Jobst Schlennstedt, 1976 in Herford geboren und dort aufgewachsen, studierte Geografie an der Universität Bayreuth. Seit Anfang 2004 lebt er in Lübeck. hauptberuflich ist er Geschäftsführer eines Beratungsunternehmens für die Hafen- und Logistikwirtschaft. 2006 erschien sein erster Kriminalroman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 24.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960412168
    Verlag: Emons Verlag
    Serie: Küsten Krimi .10
    Größe: 2842 kBytes
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Nebelmeer

DEN TOD VOR AUGEN

Einige Wochen zuvor ...

Den metallenen Geschmack des Bluts ihrer aufgeschlagenen Lippe nahm Jennifer kaum noch wahr. Auch die Schwellung oberhalb ihres linken Augenlids ertrug sie beinahe regungslos. Schlimmer setzte ihr die aufgeriebene Haut an Händen und Füßen zu. Sie schmerzte so sehr, dass sie einfach nur noch schreien wollte. Doch ihre ausgetrocknete Kehle ließ nicht mehr als ein leises Kratzen zu.

Als wäre das alles nicht schon genug an Qualen, hatten sich in den vergangenen Tagen auch noch ihre Fußgelenke entzündet. Sie waren mittlerweile so dick wie ihre Oberschenkel.

Sie atmete durch. Aus einem Gefühl der Erleichterung, dass sie für heute fertig war, aber vor allem aus körperlicher Erschöpfung heraus. Sie hatte das Badezimmer im Obergeschoss geschrubbt und anschließend zwei große Säcke Kartoffeln geschält und gerieben, bis sich die Haut ihrer Fingerkuppen abgelöst hatte und Blut hervorgetreten war.

Eine aberwitzige Verschnaufpause, denn das Grausamste stand ihr noch bevor. Das, was jeden Tag auf sie wartete, wenn die Wintersonne langsam unterging und der Horror wie auf Knopfdruck über sie hereinbrach.

Sie warf einen Blick durch das verschmutzte Küchenfenster. Obwohl es bereits dämmerte, erkannte sie, dass es noch immer regnete. Wie schon die letzten Tage. Es schien fast so, als trauere der Himmel, dem sie Stunde für Stunde ein Stück näher kam, bereits um sie.

Sie zuckte zusammen, als sie aus dem ersten Stock des Hauses Schritte auf den knarzenden Bohlen der Treppe hörte. Auch nach den vielen Wochen ihrer Gefangenschaft jagten sie ihr noch Angst ein. Denn mit ihnen starb aufs Neue die leise Hoffnung, ihr Peiniger möge ihr wenigstens an diesem Tag fernbleiben. Mit zitternden Beinen sank sie zu Boden.

Als er schließlich in der Tür stand und sie aus seinen ausdruckslosen, seltsam milchigen Augen ansah, gelang es ihr nicht, noch irgendein Gefühl wahrzunehmen. Verzweiflung. Wut. Hass. Oder einfach nur Traurigkeit. Nichts von alledem wollte sich einstellen. Da war lediglich die völlige Resignation. Totale Gleichgültigkeit, was mit ihr geschehen würde.

Die täglichen physischen und psychischen Qualen waren so unerträglich, dass sie ihren Überlebenswillen inzwischen vollends verloren hatte. Sie lebte im Bewusstsein, dass alles, was im Jenseits auf sie wartete, nur besser sein konnte als das, was sie hier durchleiden musste. Der Wunsch nach dem Tod war derart groß geworden, dass er die Verzweiflung und Traurigkeit verdrängt hatte, die sich anfangs wie eine Glocke über ihren geschundenen Körper gelegt hatten.

Wortlos und nur mit einer raschen Handbewegung gab er ihr zu verstehen, sich vom Küchenboden zu erheben. Obwohl es ihr schwerfiel, weil die vielen Hämatome so sehr schmerzten, stemmte sie sich mit letzter Kraft hoch und wartete darauf, dass er ihre Fußfesseln löste.

Er sagte nichts. Er sagte fast nie etwas, nur ganz wenige Male hatte sie überhaupt erst seine Stimme gehört. Immer dann, wenn er sich derart betrank, dass er nicht mehr Herr seiner Sinne war. Noch schlimmer als sonst. In solchen Momenten brach alles aus ihm heraus. Die sonst so kühle Maske des Mannes fiel und wich unkontrollierten Gewaltausbrüchen, die sie sich in ihren schlimmsten Alpträumen nicht hätte vorstellen können.

Zuletzt war es vor ein paar Tagen passiert. Er hatte sie die Kellertreppe hinuntergestoßen und war dann über sie hergefallen. Was genau passiert war, wusste sie nicht mehr. Zumindest hatte sie die Gedanken daran, genau wie an die anderen Momente grausamster und unvorstellbarer Konfrontation, weitestgehend verdrängt. Irgendwo in ihrem Gedächtnis an einem Ort vergraben, auf den sie hoffentlich nie wieder würde zugreifen können.

Sie versuchte, seinen Blick zu fangen. Es schien fast so, als wäre er heute nüchtern. So kühl und abgeklärt wie in den ersten Tagen, nachdem sie dieses Haus betre

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