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Nitro von Lehner, Fritz (eBook)

  • Verlag: Seifert Verlag
eBook (ePUB)
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Nitro

Von seinem Büro im riesigen Bankenturm taucht Mike Hauser immer wieder ein in das bunte Treiben am Wiener Donaukanal: Graffiti-Künstler, Partymacher, Liebespaare. Die Gegenwelt zum Bankenturm. Die Freiheit, die er immer haben wollte. Und manchmal sogar Exerzierfeld für Mörder. Fritz Lehner, geb. 1948 in Freistadt, OÖ. Absolvent der Hochschule für Film und Fernsehen, Wien. Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, Frankfurt sowie der Akademie der Künste, Berlin. Vielfach ausgezeichnetes Filmschaffen, u. a.: 'Schöne Tage', 'Mit meinen heißen Tränen', 'Jedermanns Fest'. Bisherige Publikationen: 'R' (2003), Metropol-Trilogie (2004 2006), 'Der Schneeflockenforscher' (2008), 'Margolin' (2012), 'Vor dem Angriff' (2014) und 'Seestadt' (2016, Shortlist zum Leo-Perutz-Preis der Stadt Wien).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 292
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783902924797
    Verlag: Seifert Verlag
    Größe: 554 kBytes
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Nitro

2

Orion-Nebel


Für die wenigen Zeilen hatte Mike eine Ewigkeit gebraucht, er war erschöpft und ausgelaugt, aber die Ansichtskarten an Inge waren notwendig, wenn er in Zukunft ein brauchbares Leben haben wollte. Um die eigenartigen Gedanken loszuwerden und auch von Kanada zurückzukommen, sah er dem Wasser beim Fließen zu, eine Stunde oder auch länger, vielleicht war er sogar kurz eingeschlafen. Von den Studenten waren jedenfalls nur noch leere Getränkedosen auf den Stufen zurückgeblieben .

Mike kehrte dem Donaukanal den Rücken, er wollte den Wahnsinn der letzten Tage und der Ansichtskarte vergessen, sich den wichtigen Dingen zuwenden, und in der Liste der wichtigen Dinge stand Jacqueline obenauf, ganz hoch oben, eigentlich an erster Stelle. Sie musste er bekommen, nicht Nitro. Was war ein an die Wand gespritzter Sternenhaufen gegen ein Mädchen von höchster Erotik, noch dazu wenn jetzt Inges Haus unten in den Praterauen nur darauf wartete, mit neuem Leben erfüllt zu werden, mit wilden Dingen, die seine Schwester nicht einmal aus ihren Träumen kannte und an denen er ihr zuliebe ebenfalls vorbeigegangen war .

Als Mike nun über die Salztorbrücke ging, verstand er überhaupt nicht mehr, wie er sich in den letzten Tagen derart hatte verlaufen können und hinter einem Mann her gewesen war, statt Jacqueline zu jagen und zu erobern. Noch nie hatte er seine Bank an einem späten Freitagnachmittag betreten, doch heute war alles anders. Heute würde auch das Organigramm für ihn arbeiten und nicht umgekehrt .

I m Foyer des Danubia-Turms umfing Mike die herrliche Kühle der revolutionären Klimaanlage, die sogar unterirdisch ihre Rohre wie Greifarme bis hinunter zum Donaukanal ausstreckte, um aus dem Wasser erträgliche Temperaturen zu holen. Diese Idee war naheliegend, und verwirklicht hatte man sie schon vor ein paar Jahren in einer anderen Bank, doch deren Hochhaus am Ufer war um zwei Stockwerke niedriger als der Turm der Danubia, und ihr Organigramm erreichte nicht annähernd die Schönheit, wie sie Mike in monatelanger einsamer Arbeit in seinem Büro gelungen war. Über die verzweigten Rohre und Schächte hatten auch die Mäuse und Ratten Zutritt zum Haus. Richard hatte einmal solche Andeutungen gemacht, weil sein Arbeitsplatz in der Rezeption dem Donaukanal am nächsten lag und er eben alles wusste, bis hinauf in die höchsten Etagen .

"Was machst du heute hier? Das Wochenende hat schon angefangen", begrüßte ihn Richard jetzt, als Mike sich an seine Theke lehnte. "Sag's nicht, ich kenne die Antwort, ich kenne dich, lieber Freund. Du brauchst mich, unser Haus, deine Organigramme, dir ist langweilig. Deine Schwester ist ja ausgeflogen, auf Weltreise, die Frau Professor ."

"Das hast du dir gemerkt? Inge würde sagen, sehr gut, Richard, setzen !"

"Danke. Aber wichtiger ist, man hat den Fremden nicht gefunden. Das nagt an mir. Und dass du mit ihm im Lift warst, du mit ihm, das lasse ich mir nicht nehmen. Hat er mit dir etwas zu tun? Was hat dieser Mann mit dir zu tun ?"

"Wir planen einen Anschlag auf das Haus, höchste Zeit, dass es in die Luft fliegt, die Bombe ist oben auf dem Dach, schick Brubeck hinauf, jetzt gleich, ruf ihn an, er findet sie, wird sich freuen, er macht Karriere, du auch ."

"Man kann über meine Ratten und Mäuse Witze machen, über diesen Mann nicht. Er ist gefährlich. Du hast ihn doch auch gesehen, ich nur eine Sekunde, das hat mir genügt ."

"Richard, ich schwöre dir beim Leben meiner Schwester, ich habe diesen Mann nicht gesehen, nie !"

Mike spürte Richards Hand auf seiner .

"Mike, tut mir leid, sehr leid, du bist immer anständig zu mir, und ich treibe dich in die Enge. Beim Leben meiner Schwester,

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